Österreichs Industrie sendet nach einer längeren Schwächephase wieder vorsichtig positive Signale. Das aktuelle Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV) steigt im dritten Quartal 2026 von 4,9 auf 8,3 Punkte und macht damit rund die Hälfte des Rückgangs aus dem Vorquartal wett. Zudem verbessert sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage von fünf auf zwölf Punkte. Dennoch bezeichnet weiterhin fast jedes fünfte Unternehmen seine wirtschaftliche Situation als schlecht.
Auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate bleiben verhalten. Hier steigt der Saldo lediglich von vier auf fünf Punkte. Nur 17 Prozent der befragten Betriebe rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage.
Bereits bei der vorangegangenen Erhebung hatte LEADERSNET über die sogenannte "Wellblechkonjunktur" berichtet. Auch die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Lage zwar stabilisiert, eine nachhaltige Erholung aber noch nicht gesichert ist.
Produktionserwartungen steigen deutlich
Besonders auffällig entwickeln sich die kurzfristigen Produktionserwartungen. Ihr saisonbereinigter Saldo steigt von drei auf 18 Punkte und erreicht damit den höchsten Wert seit Ende 2021. Die Unternehmen rechnen somit in den kommenden Monaten mit einer spürbaren Ausweitung ihrer Produktion.
Bei den Auftragsbeständen fällt das Bild zurückhaltender aus. Der entsprechende Saldo sinkt leicht von 15 auf 13 Punkte. Immerhin beurteilen mittlerweile 59 Prozent der Unternehmen ihre Auftragslage als saisonüblich – der höchste Anteil seit der Corona-Pandemie.
Zwischen den Branchen bestehen weiterhin deutliche Unterschiede. Während die Nichteisen-Metallindustrie sowie die Elektro- und Elektronikindustrie vergleichsweise gut abschneiden, stehen insbesondere die Papier-, Chemie- sowie Nahrungs- und Genussmittelindustrie unter Druck.
Beschäftigung bleibt Sorgenkind
Trotz der besseren Produktionserwartungen dürfte der Stellenabbau in der Industrie weitergehen. Der Saldo der Beschäftigungsaussichten verbessert sich zwar von minus 20 auf minus elf Punkte, bleibt damit aber klar im negativen Bereich. 22 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Personalabbau, während nur rund jeder neunte Betrieb zusätzliche Mitarbeiter:innen einstellen möchte.
Auch bei den Erträgen ist keine durchgreifende Trendwende erkennbar. Der Saldo der aktuellen Ertragslage steigt von minus elf auf minus zwei Punkte. Weiterhin befinden sich mehr Unternehmen in einer schwierigen Ertragssituation (24 Prozent) als in einer günstigen (22 Prozent).
"Die Industrie stabilisiert sich langsam, aber der Weg zu einem echten Aufschwung ist noch weit. Entwarnung ist nicht angebracht: Beschäftigung und Erträge bleiben unter Druck, während hohe Kosten und Bürokratie Investitionen am Standort bremsen", erklärte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer bei der Konjunkturbarometer-Präsentation am Mittwoch.
Er fordert wettbewerbsfähigere Standortkosten, weniger Bürokratie und konkrete Investitionsanreize. Kritisch beurteilt die IV unter anderem das geplante Klimagesetz und zusätzliche regulatorische Belastungen.
Gefahr einer langwierigen Stagnation
Für die österreichische Gesamtwirtschaft erwartet die IV im laufenden Jahr weiterhin ein reales Wachstum von knapp unter einem Prozent. Zwar sei die Gefahr einer neuerlichen Rezession gesunken, doch hohe Energiepreise, steigende Kosten und die schwache Investitionstätigkeit könnten die Erholung ausbremsen.
"Die Gefahr eines neuerlichen Abgleitens in die Rezession ist etwas geringer geworden. An ihre Stelle tritt das Risiko einer Erholung, die durch den anhaltenden Kosten- und Preisauftrieb ausgebremst wird und schließlich in eine Stagnation mündet", warnte IV-Chefökonom Christian Helmenstein.
Die Industriellenvereinigung spricht sich deshalb unter anderem für bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, niedrigere standortbedingte Energiekosten und einen Abbau bürokratischer Hürden aus. Entscheidend sei, dass aus der kurzfristigen Produktionsbelebung wieder eine nachhaltige Investitionsdynamik entsteht.
Niederösterreich erholt sich, Tirol fällt zurück
In Niederösterreich hat sich die Stimmung in der Industrie deutlich verbessert. Das IV-NÖ-Konjunkturbarometer stieg im dritten Quartal von –28,8 auf +0,2 Punkte. 34 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, allerdings bezeichnen 43 Prozent ihre Ertragssituation weiterhin als schlecht. Für die kommenden sechs Monate erwarten 30 Prozent eine Verschlechterung der Geschäftslage, lediglich zwölf Prozent rechnen mit einer Verbesserung.
"Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind nicht überwunden: Zwar werden Geschäftslage und Auftragsbestände günstiger beurteilt, die Erträge bleiben jedoch vielfach unbefriedigend", erklärt IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither. Sie fordert insbesondere Entlastungen bei Arbeits- und Energiekosten, um Investitionen zu erleichtern.
In Tirol ist von der österreichweiten Aufhellung bislang wenig zu spüren. Der Geschäftsklimaindex sank im dritten Quartal von 24,0 auf 20,5 Punkte. Ein Drittel der Industriebetriebe bewertet die aktuelle Geschäftslage als schlecht. Besonders angespannt ist die Beschäftigungssituation: 44 Prozent rechnen in den kommenden drei Monaten mit einem Personalabbau, nach 23 Prozent im Vorquartal.
IV-Tirol-Präsident Max Kloger spricht von einer stagnierenden Stimmung und ausbleibenden Investitionsimpulsen. Die Wachstumsprognose für Tirol wurde für 2027 von 1,0 auf 0,9 Prozent gesenkt.
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