Lech Zürs/Warth-Schröcken belegt im Alpine Destination Report 2027 der Prodinger Tourismusberatung den ersten Platz unter 26 untersuchten österreichischen Bergdestinationen. Dahinter folgen Kitzbühel sowie ex aequo Ötztal und St. Anton am Arlberg. Zell am See-Kaprun vervollständigt die ersten fünf. Die Platzierungen zeigen allerdings auch, wie unterschiedlich sich die Regionen touristisch positionieren. Während die Arlbergregion vor allem bei Preisniveau und Attraktivität vorn liegt, führt Zell am See-Kaprun die Kategorie "Angebot und Nachfrage" an.
Für den Report haben Thomas Reisenzahn, Marco Riederer und Andrä Hellweger touristische und wirtschaftliche Kennzahlen zusammengeführt. Herangezogen wurden unter anderem Daten der Landesstatistikstellen, der Statistik Austria und des Zahlungsdienstleisters card complete sowie Informationen zu Skigebieten und KI-gestützt ausgewertete Gästebewertungen. Die Daten beziehen sich je nach Kennzahl auf unterschiedliche Zeiträume. Einzelne Entwicklungen werden über zehn Jahre betrachtet.
Für Reisenzahn steht dabei die wirtschaftliche Nutzung des Angebots im Mittelpunkt. "Das zentrale Ergebnis: Eine hohe Zahl an Gästen und Nächtigungen allein ist noch kein Garant für eine führende Wettbewerbsposition. Entscheidend ist vielmehr, wie erfolgreich Destinationen ihre touristische Infrastruktur nutzen, welche Preise sie am Markt erzielen können und wie attraktiv ihr Gesamtangebot für die Gäste ist", so der Geschäftsführer der Tourismusberatung.
Preisniveau und Attraktivität bestimmen das Ergebnis
Die Gesamtbewertung beruht auf drei Teilrankings mit unterschiedlichem Gewicht. "Angebot und Nachfrage" fließt mit 20 Prozent ein, "Preisniveau" und "Attraktivität" mit jeweils 40 Prozent. Damit haben die beiden letztgenannten Kategorien zusammen viermal so viel Gewicht wie die Nachfrage- und Angebotskennzahlen.
Wie stark diese Entscheidung das Ergebnis prägt, zeigt der Gesamtsieger. Lech Zürs/Warth-Schröcken erreicht bei "Angebot und Nachfrage" lediglich den geteilten 24. Rang, führt aber die beiden anderen Kategorien an. Kitzbühel liegt bei Angebot und Nachfrage auf Platz 21, beim Preisniveau auf Rang zwei und bei der Attraktivität auf Rang drei. Das Ötztal erreicht mit den Plätzen sechs, sieben und acht hingegen ein vergleichsweise ausgeglichenes Ergebnis.
Hinter den ersten fünf folgen im Gesamtranking Saalbach-Hinterglemm, Paznaun-Ischgl, Tux-Finkenberg und das Gasteinertal. Obertauern und Wilder Kaiser teilen sich den zehnten Rang.
Zell am See-Kaprun punktet mit breiter Nachfrage
In der Kategorie "Angebot und Nachfrage" berücksichtigt der Report Nächtungszahlen, Bettenauslastung, das Verhältnis von Nächtigungs- und Bettenentwicklung, Saisonalität sowie die Abhängigkeit von den drei wichtigsten Herkunftsmärkten. Die fünf Kriterien werden innerhalb der Kategorie gleich gewichtet.
Zell am See-Kaprun liegt hier vor Seefeld und Schladming-Dachstein. Die Erste Ferienregion im Zillertal und das Gasteinertal folgen auf den Plätzen vier und fünf. Für Zell am See-Kaprun fallen insbesondere die vergleichsweise ausgeglichene Verteilung der Nächtigungen zwischen Sommer und Winter sowie die breitere Streuung auf Herkunftsmärkten ins Gewicht.
Top 5 – Angebot und Nachfrage
| Rang |
Destination |
| 1 |
Zell am See-Kaprun |
| 2 |
Seefeld |
| 3 |
Schladming-Dachstein |
| 4 |
Erste Ferienregion im Zillertal |
| 5 |
Gasteinertal |
| Quelle: Prodinger Tourismusberatung, Alpine Destination Report 2027, S. 32. |
Hohe Zimmerpreise sind kein Gewinnnachweis
Beim Preisniveau führt Lech Zürs/Warth-Schröcken vor Kitzbühel und Serfaus-Fiss-Ladis. Welche wirtschaftlichen Spielräume höhere Preise tatsächlich schaffen, hängt allerdings auch von den Kosten ab. "Ein höheres Preisniveau eröffnet Beherbergungsbetrieben grundsätzlich größere Umsatzpotenziale und zusätzliche Spielräume zur Finanzierung von Qualität, Personal und Investitionen. Entscheidend bleibt jedoch, in welchem Verhältnis die erzielten Erlöse zu den tatsächlichen Betriebs- und Investitionskosten stehen", erklärt Riederer. Auch der im Report ausgewiesene Umsatz pro Bett ist kein Gewinnnachweis. In die verwendeten Hotelumsätze fließen laut Methodik Gastronomie und weitere Nebenleistungen ein. Die anfallenden Kosten werden damit nicht abgebildet.
Die erhobenen Zimmerpreise sind ebenfalls klar einzugrenzen. Für Lech Zürs/Warth-Schröcken nennt die Studie 569 Euro pro Doppelzimmer und Nacht inklusive Halbpension. Grundlage waren Angebote von mindestens fünf Viersternehotels je Destination für zwei ausgewählte Aufenthaltswochen im Winter 2026/27, abgefragt Anfang August und Anfang Oktober. Der Wert beschreibt somit diese Angebotsstichprobe, keinen allgemeinen Durchschnitt aller Unterkünfte.
Top 5 – Preisniveau
| Rang |
Destination |
| 1 |
Lech Zürs/Warth-Schröcken |
| 2 |
Kitzbühel Tourismus |
| 3 |
Serfaus-Fiss-Ladis |
| 4 |
Paznaun-Ischgl |
| 5 |
St. Anton am Arlberg |
| Quelle: Prodinger Tourismusberatung, Alpine Destination Report 2027, S. 35. |
Wintersport und Zweitwohnungen beeinflussen die Attraktivitätswertung
Die Kategorie "Attraktivität" ist stark auf den Wintertourismus ausgerichtet. Berücksichtigt werden unter anderem Höhenlage, Pistenkilometer, Betriebstage und Gästebewertungen. Lech Zürs/Warth-Schröcken liegt hier vor St. Anton und Kitzbühel.
Top 5 – Attraktivität
| Rang |
Destination |
| 1 |
Lech Zürs/Warth-Schröcken |
| 2 |
St. Anton am Arlberg |
| 3 |
Kitzbühel Tourismus |
| 4 |
Zell am See-Kaprun |
| 5 |
Saalbach Hinterglemm |
| 5 |
Turracher Höhe |
| Quelle: Prodinger Tourismusberatung, Alpine Destination Report 2027, S. 38. Rang 5 ist ex aequo vergeben. |
Neu aufgenommen wurde der Anteil an Freizeitwohnsitzen und Zweitwohnungen. Ein höherer Anteil wird als Hinweis auf die Begehrtheit des Standorts positiv bewertet. Dieser Indikator entspricht acht Prozent der gesamten Bewertung. Seine Vergleichbarkeit ist allerdings eingeschränkt. Für Tirol verwendet der Report Freizeitwohnsitzquoten, für die übrigen österreichischen Destinationen ersatzweise Nebenwohnsitzanteile. Diese können auch beruflich oder durch Ausbildung bedingt sein. Die Studie bezeichnet sie daher ausdrücklich als Näherungswerte.
Insgesamt zeigt der Report, dass Österreichs Bergdestinationen unterschiedliche Stärken in den Wettbewerb einbringen. Während einige Regionen mit hohen erzielbaren Preisen und ihrem Wintersportangebot punkten, zeichnen sich andere durch eine breiter gestreute Nachfrage und eine ausgeglichenere Auslastung über das Jahr aus. Für die touristische Weiterentwicklung bietet der Vergleich damit Anhaltspunkte, wo die Regionen ansetzen können, um ihr jeweiliges Profil zu stärken und vorhandene Angebote besser zu nutzen.
Alle 26 Platzierungen im Überblick
Gesamtranking des Alpine Destination Reports 2027
| Rang |
Destination |
| 1 |
Lech Zürs/Warth-Schröcken |
| 2 |
Kitzbühel Tourismus |
| 3 |
Ötztal Tourismus |
| 3 |
St. Anton am Arlberg |
| 5 |
Zell am See-Kaprun |
| 6 |
Saalbach Hinterglemm |
| 7 |
Paznaun-Ischgl |
| 8 |
Tux-Finkenberg |
| 9 |
Gasteinertal |
| 10 |
Obertauern |
| 10 |
Wilder Kaiser |
| 12 |
Schladming-Dachstein |
| 13 |
Serfaus-Fiss-Ladis |
| 14 |
Mayrhofen-Hippach |
| 15 |
Erste Ferienregion im Zillertal |
| 15 |
Turracher Höhe |
| 17 |
Hochkönig |
| 18 |
Achensee |
| 19 |
Seefeld |
| 20 |
Salzburger Sportwelt (Altenmarkt-Zauchensee, Eben im Pongau, Radstadt und Wagrain-Kleinarl) |
| 21 |
Kitzbüheler Alpen-Brixental |
| 22 |
Stubai Tirol |
| 23 |
Pitztal |
| 24 |
Montafon |
| 25 |
Tiroler Zugspitz Arena |
| 26 |
Kitzbüheler Alpen-St. Johann |
Quelle: Prodinger Tourismusberatung, Alpine Destination Report 2027, S. 39. Gleiche Ränge kennzeichnen ex aequo platzierte Destinationen. Gewichtung: Angebot und Nachfrage 20 %, Preisniveau 40 %, Attraktivität 40 %.
www.tourismusberatung.prodinger.at
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