Studie "Wie zukunftsfit ist Österreich?"
Österreichs Wirtschaft sieht großes KI-Potenzial, kämpft aber mit der Umsetzung

| Redaktion 
| 12.10.2026

Eine aktuelle Befragung zeigt deutliche Unterschiede bei der Umsetzung. Während viele Betriebe auf höhere Produktivität und geringere Kosten hoffen, bremsen fehlende Strategien, Führungsdefizite und die unzureichende Einbindung der Beschäftigten den Fortschritt.

Künstliche Intelligenz hat sich zu einem wesentlichen Faktor für die Weiterentwicklung österreichischer Unternehmen entwickelt. Wie eine neue Auswertung der Studie "Wie zukunftsfit ist Österreich?" zeigt, besteht zwischen den Erwartungen an die Technologie und ihrer tatsächlichen Integration in betriebliche Abläufe allerdings noch eine beträchtliche Lücke. Grundlage der Ergebnisse ist eine Befragung von 253 Unternehmen in Österreich (siehe Infobox).

KI-Reifegrad der österreichischen Unternehmen © Jetzt Tun!

Auf einer fünfstufigen Skala erreichen die befragten Betriebe beim KI-Reifegrad durchschnittlich lediglich 2,6 Punkte. Nahezu die Hälfte beschränkt sich bislang auf einzelne Anwendungen oder befindet sich noch in der Erprobungsphase. Als vollständig KI-zentriert stufen sich hingegen nur 2,8 Prozent der Unternehmen ein.

Für Ruth Moss, Psychologin mit Schwerpunkt Transformation und Zukunftsentwicklung sowie Gründerin der Initiative Jetzt Tun!, ist die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz bereits zu einer unmittelbaren unternehmerischen Aufgabe geworden. Betriebe könnten die Beschäftigung mit der Technologie nicht länger auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Entscheidend sei vielmehr, wie sich KI sinnvoll in bestehende Unternehmensstrukturen und Prozesse einbinden lasse.

Digitalisierung und KI bestimmen den Veränderungsprozess

Bei der Frage nach den wichtigsten Einflussfaktoren auf die betriebliche Transformation steht die Digitalisierung mit 61,6 Prozent an erster Stelle. Bereits dahinter folgt künstliche Intelligenz, die von 57 Prozent der befragten Unternehmen als wesentlicher Veränderungstreiber genannt wird.

Der KI-Gap: Mittelstand vs. Großunternehmen © Jetzt Tun!

Wie weit die praktische Umsetzung fortgeschritten ist, hängt dabei auch von der Unternehmensgröße ab. Großbetriebe erreichen auf der fünfteiligen Reifegradskala einen durchschnittlichen Wert von 3,19 Punkten. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kommen dagegen auf 2,54 Punkte.

Die Erwartungen an den Einsatz von KI sind überwiegend wirtschaftlich geprägt. Mit 71 Prozent steht die Steigerung der Produktivität klar im Vordergrund. Weitere 47 Prozent sehen vor allem Möglichkeiten zur Kostenreduktion, während 36 Prozent Innovationen zu den wichtigsten erwarteten Auswirkungen zählen. Personalabbau wird hingegen von 25 Prozent als eines der zentralen Themen angeführt. Bei KMU gehört darüber hinaus der Zugewinn an Wissen zu den drei bedeutendsten erwarteten Effekten.

"KI ist für die Unternehmen weniger Jobkiller als Produktivitäts- und Entwicklungschance. Das Problem ist: Viele wissen noch nicht, wie sie aus ersten Anwendungen eine echte Unternehmensstrategie machen", sagt Moss.

Frage des Tages

Organisatorische Defizite erschweren den Wandel

Die Untersuchung macht deutlich, dass die Schwierigkeiten bei Veränderungsprozessen nicht ausschließlich auf technologische Voraussetzungen zurückzuführen sind. Vielmehr zeigen sich erhebliche Herausforderungen innerhalb der Organisationen selbst.

Als häufigstes Hindernis nennen 38 Prozent der befragten Betriebe eine unzureichende Beteiligung ihrer Mitarbeitenden. Für 35 Prozent stellt mangelnde Führung ein wesentliches Problem dar, während 34 Prozent das Fehlen einer konkreten Umsetzungsstrategie anführen. Fehlende Kompetenzen spielen mit 13,3 Prozent eine vergleichsweise geringere Rolle.

Woran Transformationsprojekte scheitern © Jetzt Tun!

Damit rücken insbesondere die Führung von Veränderungsprozessen, die strategische Planung und der Umgang mit den Beschäftigten in den Mittelpunkt. Technologische Lösungen allein reichen demnach nicht aus, um die Einführung künstlicher Intelligenz erfolgreich zu gestalten.

Moss verweist in diesem Zusammenhang auf mögliche Vorbehalte innerhalb der Belegschaft. Beschäftigte könnten befürchten, durch neue Technologien ersetzt zu werden, an fachlicher Bedeutung zu verlieren oder künftig nicht mehr benötigt zu werden. Solche Sorgen könnten Widerstände hervorrufen, die nicht immer unmittelbar sichtbar seien.

"KI macht vielen Menschen Angst. Und diese Angst darf in Unternehmen nicht einfach übergangen werden", betont die Psychologin. Für eine erfolgreiche Umstellung brauche es deshalb auch psychologische Sicherheit, damit sich Mitarbeitende mit den anstehenden Veränderungen auseinandersetzen könnten.

Wirtschaftlicher Veränderungsdruck nimmt zu

Die Ergebnisse zur KI-Nutzung stehen im Zusammenhang mit einer umfassenderen Entwicklung, die zahlreiche österreichische Unternehmen bereits unmittelbar betrifft. So berichten 66,9 Prozent der Befragten von starken Veränderungen ihres Marktumfelds.

Auch innerhalb der Betriebe werden weitreichende Anpassungen erwartet. 60 Prozent gehen davon aus, dass ihre Organisation deutliche bis radikale Veränderungen durchlaufen wird. Mit Blick auf die längerfristige Entwicklung rechnen 45 Prozent damit, dass sich ihr Geschäftsmodell bis zum Jahr 2035 grundlegend wandeln wird.

Allerdings verfügen bislang nur 38 Prozent der Unternehmen über eine klare Vorstellung davon, wie der eigene Betrieb im Jahr 2035 aufgestellt sein soll. Die Ergebnisse verdeutlichen damit eine Diskrepanz zwischen dem wahrgenommenen Veränderungsbedarf und der konkreten Zukunftsplanung.

Klare Zielsetzungen und Einbindung der Beschäftigten gefragt

Aus Sicht von Moss sollten Unternehmen deshalb über isolierte KI-Anwendungen hinausgehen und den Einsatz der Technologie stärker mit ihrer langfristigen Entwicklung verknüpfen. Einzelne Pilotprojekte könnten zwar wichtige Erfahrungen liefern, dürften jedoch nicht dauerhaft an die Stelle einer umfassenden Strategie treten.

Dafür brauche es sowohl eine Vorstellung von der künftigen Ausrichtung des Unternehmens als auch konkrete Maßnahmen für den KI-Einsatz. Ebenso wichtig sei es, die Beschäftigten aktiv in den Veränderungsprozess einzubeziehen.

"Unternehmen brauchen jetzt drei Dinge: ein klares Zukunftsbild, eine konkrete KI-Strategie und die aktive Einbindung ihrer Mitarbeitenden", erklärt Moss.

Die Verbindung dieser drei Bereiche könne dazu beitragen, das Potenzial künstlicher Intelligenz über einzelne Anwendungsfälle hinaus zu nutzen. Unternehmen, die dagegen auf die vollständige Beseitigung aller Unsicherheiten warteten, liefen nach Einschätzung der Expertin Gefahr, mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt halten zu können.

www.jetzttun.at

Über die Studie

Für die Untersuchung "Wie zukunftsfit ist Österreich?" wurden im Juli und August 2026 insgesamt 253 österreichische Unternehmen, davon 69 Prozent KMU, online befragt.

Die Untersuchung umfasste 17 Fragen zur Transformations- und Zukunftsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft. Die Befragung wurde von der Initiative Jetzt Tun! in Kooperation mit Leadersnet durchgeführt.

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Über die Studie

Für die Untersuchung "Wie zukunftsfit ist Österreich?" wurden im Juli und August 2026 insgesamt 253 österreichische Unternehmen, davon 69 Prozent KMU, online befragt.

Die Untersuchung umfasste 17 Fragen zur Transformations- und Zukunftsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft. Die Befragung wurde von der Initiative Jetzt Tun! in Kooperation mit Leadersnet durchgeführt.

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