Neues Exzellenzzentrum in Linz
Oberösterreich holt Silicon-Valley-Investor für industrielle KI ins Land

Mit fünf heimischen Leitbetrieben als Gründungsmitgliedern baut Plug and Play am Campus der JKU Linz seinen ersten Standort dieser Art innerhalb der EU auf. Die IV Oberösterreich begrüßt die Ansiedlung als wichtigen Impuls für den Industriestandort.

Oberösterreich bekommt eine feste Verbindung in eines der aktivsten Innovationsnetzwerke der Welt. Am Campus der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz entsteht das erste "Center of Excellence for Physical and Industrial AI" von Plug and Play innerhalb der Europäischen Union. Der 2006 im Silicon Valley gegründete Venture-Capital-Investor siedelt sich damit dauerhaft im Bundesland an.

Landeshauptmann Thomas Stelzer präsentierte das Vorhaben am Donnerstag gemeinsam mit Vertretern des Netzwerks und der beteiligten Industriebetriebe im Steinernen Saal des Linzer Landhauses. Es sei der bislang sichtbarste Umsetzungsschritt der landeseigenen KI-Exzellenzstrategie (LEADERSNET berichtete), in deren Umfeld zuletzt die Übernahme des JKU-Spin-offs Emmi AI durch den französischen Konzern Mistral AI für Aufsehen gesorgt hat (LEADERSNET berichtete). Inhaltlich geht es dabei nicht um KI im Allgemeinen, sondern um deren Einsatz dort, wo Maschinen, Anlagen und Materialflüsse im Spiel sind, sprich vor allem in Produktion, Anlagenbau, Logistik, Engineering und Bauwirtschaft. "Oberösterreich wartet nicht darauf, was die Zukunft bringt – wir gestalten sie", so Stelzer. "Denn neue Technologien sollen nicht irgendwo Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen, sondern bei uns in Oberösterreich."

Was das Netzwerk aus dem Silicon Valley mitbringt

Plug and Play arbeitet nach dem Prinzip der Open Innovation. Etablierte Unternehmen legen konkrete technologische Problemstellungen auf den Tisch, das Netzwerk sucht weltweit nach jungen Firmen und Technologien, die dafür eine Lösung anbieten, und führt beide Seiten für Pilotprojekte zusammen. Inzwischen unterhält der Investor mehr als 65 Standorte auf fünf Kontinenten, kooperiert mit über 550 Unternehmenspartnern und schleust jährlich mehr als 2.800 Start-ups durch seine Accelerator-Programme. Rund 250 Beteiligungen kommen pro Jahr dazu, finanziert über ein Family Office und ohne externes Kapital. Im Portfolio finden sich mehr als 2.500 Unternehmen, darunter über 35 Unicorns.

Nik Munaretto, Managing Director von Plug and Play Austria, begründet die Wahl des neuen Standorts in Linz so: "Oberösterreich vereint genau das, wonach wir als globales Innovationsnetzwerk und Venture Capital Investor aus dem Silicon Valley suchen: eine unglaublich starke industrielle Basis, exzellente Forschung, ambitionierte Start-up-Gründer:innen und Unternehmen, die neue Technologien in die Anwendung bringen wollen."

Fünf Leitbetriebe als Anchor-Partner

In die Gründungsrunde starten Keba, Primetals Technologies, Swietelsky, TGW Logistics und voestalpine. Als künftige Anchor-Partner erhalten die fünf international tätigen Unternehmen erweiterte Mitgestaltungsrechte und können eigene industrielle Fragestellungen sowie technologische Schwerpunkte in das Programm einbringen.

"Bei Künstlicher Intelligenz entscheidet nicht allein, wer die besten Ideen hat, sondern wer sie rasch in die industrielle Anwendung bringt", ist Keba-Chef Christoph Knogler, zugleich Vorsitzender der KI-Taskforce der Industriellenvereinigung, überzeugt. Bei TGW Logistics wiederum sei der technologische Umbruch bereits im Gang, wie CTO Christoph Wolkerstorfer schildert: "Als Technologieunternehmen mit starkem Software-Fokus erleben wir derzeit den Wandel von reiner Datenanalyse hin zu Systemen, die ihre Umgebung autonom wahrnehmen, Entscheidungen treffen und selbstständig agieren können. Für die Intralogistik ist das ein echter Game Changer."

Abgewickelt wird die Initiative für das Land Oberösterreich von tech2b. Damit entsteht bewusst keine neue Parallelstruktur, sondern eine Schnittstelle zwischen Land, Investor, Industrie und heimischer Gründerszene. Auch weitere Mitgliedsunternehmen des Inkubators sollen dadurch Zugang zum internationalen Netzwerk erhalten.

Von der Strategie in die industrielle Praxis

Mit dem neuen Zentrum erhält die KI-Exzellenzstrategie eine dauerhafte Struktur, die internationale Innovationskompetenz mit den konkreten Anforderungen der heimischen Industrie verbinden soll. Für Teodoro D. Cocca, Mitautor der Strategie, liegt genau darin der entscheidende Schritt: "Die eigentliche Pionierleistung liegt darin, dass das Land nicht bei Strategiepapieren stehen bleibt, sondern eine Struktur schafft, die weltweit nach den besten Lösungen sucht und sie systematisch in die oberösterreichische Industrie bringt."

Auch die Industriellenvereinigung Oberösterreich sieht in der Ansiedlung ein wichtiges Signal und bezeichnet den Start mit fünf Leitbetrieben als "Leuchtrakete", der weitere folgen könnten. "Mit Plug and Play holen wir internationale Innovations- und Start-up-Kompetenz nach Oberösterreich und verbinden sie mit unserer größten Stärke, einer hochentwickelten, exportorientierten Industrie", sagt IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch. "Genau an dieser Schnittstelle können neue Technologien, Geschäftsmodelle und zusätzliche Wertschöpfung entstehen."

www.land-oberoesterreich.gv.at

www.oberoesterreich.iv.at

www.jku.at

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