Kaum ein Popstar wirkt derzeit so weit über die Musik hinaus wie Taylor Swift. Ihre Konzerte lenken ganze Tourismusströme (LEADERSNET berichtete), Produkte, die nur kurz an ihrer Seite auftauchen, sind binnen kürzester Zeit ausverkauft (LEADERSNET berichtete), und selbst messbare Erdbeben hat ihr Konzertpublikum bereits ausgelöst (LEADERSNET berichtete). In Wien wurde sogar darüber diskutiert, einen Aufzug nach ihren Fans zu benennen (LEADERSNET berichtete). Nun hat Swifts Strahlkraft auch die Wissenschaft erreicht: Eine Entomologin der University of California, Riverside ließ sich bei der wissenschaftlichen Einordnung bislang unbeschriebener australischer Insekten von der Sängerin und ihrem Werk inspirieren.
Von Taylor bis zu den Tortured Poets
Die neue Gattung trägt den Namen "Swiftiephylus". Darin steckt einerseits die Bezeichnung "Swiftie" für die Fangemeinde der Sängerin, andererseits das in dieser Insektengruppe häufig verwendete Namenselement "Phylus". Vorgestellt wurde die Gattung in einer aktuellen Studie im Fachjournal Insect Systematics & Evolution, in der insgesamt zwölf bislang unbeschriebene australische Arten wissenschaftlich eingeordnet werden.
Vier davon gehören zu "Swiftiephylus" und erhielten Namen mit direktem Bezug zur Musikerin. "Swiftiephylus taylorae" ist Taylor Swift selbst gewidmet, während die anderen in Anspielung an drei ihrer Alben benannt sind: "Swiftiephylus amator" verweist auf Lover, "Swiftiephylus intrepidus" auf Fearless und "Swiftiephylus poetorum" auf The Tortured Poets Department.
Hinter der Namensgebung steht Sarah Schroeder, Doktorandin der Entomologie an der University of California, Riverside, und nach eigenen Angaben seit jeher selbst ein Swiftie. In der Studie begründet sie die Widmung mit dem Talent der Sängerin, ihren Texten und dem Trost, den diese vielen Menschen gegeben hätten.
Blond mit roten Akzenten
Die Verbindung zu Taylor Swift beruht allerdings nicht ausschließlich auf musikalischer Begeisterung. Auch das Erscheinungsbild der nur wenige Millimeter großen Wanzen erinnerte Schroeder laut eigenen Angaben an die Sängerin. "Taylor Swifts ikonischer Look sind ihre blonden Haare und roten Lippen. Diese Insekten sind blass-gelb mit roten Akzenten. Im wissenschaftlichen Paper bezeichne ich sie als blond", so die Forscherin.
Swiftiephylus taylorae. © Sarah Schroeder / UCR
Schroeder vermutet, dass diese Färbung den Tieren dabei hilft, zwischen den feinen, rot bis orange gefärbten Blütenstrukturen ihrer Wirtspflanzen weniger aufzufallen. Die neu beschriebenen Arten sind eng mit der australischen Pflanzengattung Allocasuarina verbunden, die im Englischen als "she-oaks" bezeichnet wird und in unterschiedlichen Lebensräumen von tropischen Wäldern bis zu Küstendünen vorkommt. Vergleichbare cremefarbene und rote Muster wurden auch bei nicht unmittelbar verwandten Wanzen beobachtet, die auf denselben Pflanzen leben. Das könnte darauf hindeuten, dass sich diese Form der Tarnung bei mehreren Gruppen unabhängig voneinander entwickelt hat.
"Swiftiephylus" gehört zur Familie der Weichwanzen, die mit mehr als 11.000 beschriebenen Arten als größte Familie der Wanzen gilt. Zu ihr zählen sowohl pflanzenfressende als auch räuberisch lebende Arten. Die vier neuen Swift-Arten ernähren sich von Pflanzen, gelten aber weder für Menschen oder Tiere noch für ihre Wirtspflanzen als bekannte Schädlinge.
Mehr als 20 Jahre bis zum wissenschaftlichen Namen
Frisch entdeckt wurden die Insekten trotz ihrer neuen Namen aber nicht. Die untersuchten Exemplare stammen aus einem groß angelegten Biodiversitätsprojekt, bei dem das American Museum of Natural History gemeinsam mit australischen Partnern zwischen 1995 und 2004 mehr als 50.000 Tiere sammelte. Viele davon lagerten anschließend jahrelang in Museumssammlungen, bevor sie vollständig untersucht und wissenschaftlich eingeordnet werden konnten.
Eine Schlüsselrolle spielte dabei Christiane Weirauch, heute Professorin für Entomologie an der University of California, Riverside. Sie war als Postdoktorandin an den australischen Sammelfahrten beteiligt und schlug Jahre später ihrer Doktorandin vor, sich das unbearbeitete Material im Rahmen der Dissertation vorzunehmen. Gemeinsam analysierten die beiden schließlich 593 Exemplare aus dem American Museum of Natural History und dem Australian Museum. Dabei zeigte sich, dass äußerlich ähnliche Tiere mit denselben Wirtspflanzen teilweise unterschiedlichen evolutionären Gruppen angehören. Die detaillierte Auswertung führte letztlich zur Beschreibung der zwölf Arten und zur Einführung der neuen Gattung "Swiftiephylus".
Umstrittene Ehrung mit Hintergedanken
Die Benennung von Tierarten nach prominenten Persönlichkeiten ist innerhalb der Taxonomie nicht unumstritten. Schroeder versteht die Swift-Hommage jedoch bewusst als Möglichkeit, öffentliche Aufmerksamkeit auf die biologische Vielfalt und deren Erforschung zu lenken. Fachleute gehen davon aus, dass weltweit bis zu 30 Millionen Insektenarten wissenschaftlich unbeschrieben sind. Ohne Namen und eindeutige Einordnung lassen sie sich kaum gezielt erforschen oder in Schutzmaßnahmen berücksichtigen.
Für "Swiftiephylus taylorae" und ihre drei musikalisch benannten Verwandten besteht diese Gefahr nun wohl nicht mehr. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in Museumssammlungen haben sie es schließlich doch noch in ihre ganz eigene wissenschaftliche "Era" geschafft.
Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.
www.ucr.edu
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