Energieanbieter wechseln
Tarifvergleich zeigt großes Preisgefälle

| Janet Teplik 
| 27.08.2026

Eine Langzeitauswertung weist in 678 von 693 Vergleichen niedrigere Preise bei alternativen Anbietern aus. Wegen Netzentgelten, Abgaben und einbezogenen Neukundenrabatten fällt die mögliche Ersparnis auf der gesamten Energierechnung allerdings geringer aus.

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass man seine Energiekosten erheblich reduzieren kann, wenn man Strom- und Gastarife regelmäßig vergleicht. Wie groß das Einsparpotenzial ausfällt, hängt jedoch vom Verbrauch, vom regionalen Anbieter und von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Eine Auswertung des Vergleichsportals tarife.at kommt zu dem Ergebnis, dass der günstigste österreichweit verfügbare Alternativtarif beim reinen Energiepreis im Durchschnitt rund ein Drittel unter dem günstigsten Tarif des jeweiligen regionalen Versorgers lag. 

Untersucht wurden elf Quartale von Anfang 2024 bis zum dritten Quartal 2026. In 678 von insgesamt 693 Vergleichen war der Alternativanbieter günstiger, in zwölf Fällen der regionale Versorger. Dreimal waren die Preise gleich hoch.

Vergleich berücksichtigt Rabatte im ersten Vertragsjahr

Für die Analyse stellte tarife.at zu Beginn jedes Quartals den jeweils günstigsten Normaltarif von neun großen regionalen Energieversorgern dem günstigsten österreichweit verfügbaren Normaltarif eines alternativen Anbieters gegenüber. Untersucht wurden vier Verbrauchsstufen bei Strom und drei bei Gas – vom Haushaltsverbrauch bis zum gewerblichen Jahresbedarf von 90.000 Kilowattstunden. 

Berücksichtigt wurden die Brutto-Energiepreise, einschließlich Rabatte im ersten Vertragsjahr. Netzentgelte und Abgaben waren nicht Teil des Vergleichs. Damit bildet die Untersuchung nur jenen Bestandteil der Rechnung ab, der vom gewählten Energielieferanten abhängt. Die tatsächliche Entlastung auf der gesamten Jahresabrechnung fällt entsprechend niedriger aus.

"Der Energiepreis ist der einzige Posten auf der Energierechnung, über den Haushalte selbst entscheiden. Dort liegen die Angebote rund ein Drittel auseinander", sagt Michael Kreil, Geschäftsführer von tarife.at. "Bei 7.500 kWh Stromverbrauch sind das im Schnitt 454 Euro pro Jahr, die im Haushaltsbudget eingespart werden können."

Strom: Unterschiede zwischen den regionalen Versorgern

Bei einem Jahresverbrauch von 2.600 Kilowattstunden lag der günstige Alternativtarif nach Angaben von tarife.at um 158 Euro beziehungsweise 30,7 Prozent unter dem günstigsten Angebot des jeweiligen regionalen Versorgers. Bei 7.500 Kilowattstunden errechnete das Portal eine Differenz von 454 Euro oder 32,8 Prozent. Für einen Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden betrug der Unterschied 877 Euro beziehungsweise 32,1 Prozent.

Das Preisgefälle unterschied sich deutlich nach Anbieter. Die größten durchschnittlichen Differenzen ermittelten tarife.at gegenüber der Salzburg AG mit 41,4 Prozent, der Energie Steiermark mit 40,4 Prozent, der Burgenland Energie mit 40,3 Prozent und der EVN mit 39,6 Prozent. Vergleichsweise gering waren sie bei der TIWAG mit 14,7 Prozent und der VKW mit 18,7 Prozent. Bei Wien Energie lag der Wert wiederum bei 25,9 Prozent.

Durchschnittliche Ersparnis bei Strom gegenüber dem Landesversorger, Q1/2024 bis Q3/2026. © tarife.at

Bei Gas war das errechnete Preisgefälle größer

Bei Gas lagen die Ergebnisse der neun regionalen Versorger laut Analyse näher beieinander als bei Strom. Für einen Jahresverbrauch von 8.000 Kilowattstunden errechnete tarife.at eine durchschnittliche Differenz von 222 Euro beziehungsweise 32,9 Prozent. Bei 25.000 Kilowattstunden waren es 694 Euro oder 34,5 Prozent. 

Das größte Einsparpotenzial wies die Auswertung gegenüber der Energie Steiermark mit 44,1 Prozent aus. Dahinter folgten die Energie AG mit 39,3 Prozent und die Burgenland Energie mit 37,2 Prozent. Die geringsten Differenzen ergaben sich bei der TIGAS mit 26,4 Prozent und Wien Energie mit 28,4 Prozent.

Durchschnittliche Ersparnis bei Gas gegenüber dem Landesversorger, Q1/2024 bis Q3/2026. © tarife.at

Preisabstand wurde zuletzt kleiner

Während der ersten neun untersuchten Quartale blieb das errechnete Preisgefälle auf einem hohen, aber schwankenden Niveau. Bei Strom bewegte es sich zwischen 26 und 42 Prozent, bei Gas zwischen 26 und 44 Prozent. Ein eindeutiger Aufwärts- oder Abwärtstrend war in diesem Zeitraum laut tarife.at nicht erkennbar. 

In den beiden jüngsten Quartalen verringerte sich der Abstand jedoch. Bei Strom sank die ermittelte Differenz im zweiten Quartal 2026 auf 17,9 Prozent und im dritten Quartal auf 19,8 Prozent. Bei Gas betrug sie 18,7 beziehungsweise 27,3 Prozent. Dennoch war der günstige Alternativtarif im dritten Quartal 2026 bei Strom in allen 36 untersuchten Fällen günstiger. Bei Gas galt das für 26 von 27 Vergleichen. 

Netzentgelte und Vertragsbedingungen mitprüfen

Eine unabhängige Orientierung bietet der Tarifkalkulator der Regulierungsbehörde E-Control. Ihr Preismonitor berücksichtigt neben dem Energiepreis auch Netzentgelte, Steuern und Abgaben und weist Angebote sowohl mit als auch ohne Neukundenrabatte aus. Die dort ausgewiesenen Einsparpotenziale sind aufgrund der unterschiedlichen Methodik nicht unmittelbar mit der tarife.at-Analyse vergleichbar.

Die E-Control weist außerdem darauf hin, dass sich Netzentgelte regional unterscheiden und unabhängig vom Lieferantenwechsel verrechnet werden. Für 2026 stiegen die Stromnetzentgelte eines durchschnittlichen Haushalts im Österreichschnitt um rund 1,3 Prozent. Bei Gas fiel die Erhöhung deutlich stärker aus. Für Haushalte ist daher nicht allein der beworbene Energiepreis entscheidend, sondern der voraussichtliche Gesamtpreis über die gesamte Vertragsdauer.

www.tarife.at

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