Die seit mehr als 75 Jahren bestehende Ennstalleitung wird umfassend erneuert. Austrian Power Grid (APG) hat Ende Juli mit der Generalerneuerung der 220-kV-Verbindung zwischen Wagrain in Salzburg und Weißenbach bei Liezen in der Steiermark begonnen. Für das Projekt sind Investitionen von rund 240 Millionen Euro vorgesehen.
Zentrale Lebensader der Region
Die etwa 73 Kilometer lange Stromleitung ist seit 1949 in Betrieb und spielt laut APG eine zentrale Rolle für die Versorgung des Ennstals sowie für das überregionale Stromnetz. Von der Gesamtstrecke verlaufen rund 56 Kilometer durch die Steiermark und 17 Kilometer durch Salzburg. Im Zuge der Arbeiten werden alle 234 Maste sowie die technischen Komponenten erneuert beziehungsweise modernisiert.
"Mit der Investition von rund 240 Millionen Euro modernisieren wir eine zentrale Lebensader der Region, verdoppeln die Übertragungsleistung auf rund 1.200 MVA und schaffen die Voraussetzungen für eine sichere Stromversorgung, die Integration weiterer erneuerbarer Energien und die nachhaltige Entwicklung der Region", sagt APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner.
Trassenverlauf bleibt unverändert
Für die Modernisierung wird keine neue Leitungstrasse geschaffen. Die bestehende Strecke und auch die Spannungsebene von 220 Kilovolt sollen erhalten bleiben. Erneuert werden unter anderem Fundamente, Maste, Leiterseile, Erdungen und Armaturen.
Anstelle des bisherigen Einfach-Seils soll künftig ein Zweierbündel zum Einsatz kommen. Dadurch werde die Übertragungsleistung deutlich gesteigert. Nach Angaben der APG sollen damit zugleich die sogenannten Korona-Geräusche, das für Stromleitungen typische Knistern, reduziert werden.
Die neuen Maste würden an den bisherigen Standorten und mit unveränderter Aufstandsfläche errichtet, erklärt APG-Projektleiter Patrick Rupp. Abhängig vom jeweiligen Standort seien allerdings Erhöhungen um bis zu zehn Meter vorgesehen. Dadurch sollen die Standards für elektrische und magnetische Felder bei Wohnobjekten erhalten und insgesamt optimiert werden. An zahlreichen Stellen verbessere sich zudem die Durchfahrtshöhe für landwirtschaftliche Fahrzeuge. "Die Trasse bleibt bei der Generalerneuerung ident", hält Rupp fest.
Arbeiten erfolgen in fünf Baulosen
Vorbereitungen für das Großprojekt liefen bereits seit März 2026. Dabei wurden laut APG unter anderem Wege ausgebaut, Brücken ertüchtigt sowie Schutzgerüste und Montageflächen errichtet. Nach der Abschaltung der Leitung am 20. Juli starteten die eigentlichen Hauptarbeiten.
Um gleichzeitig an mehreren Abschnitten arbeiten zu können, wurde die Trasse in fünf Baulose gegliedert. Zunächst werde die bestehende Leitung demontiert. Leiterseile, Maste und Fundamente würden entfernt, bevor die modernisierte Infrastruktur an denselben Standorten errichtet werde. "Seit Beginn der Abschaltung laufen die Demontagearbeiten der Bestandsleitung", beschreibt Rupp den aktuellen Stand.
Die Hauptbauphase soll bis zum Frühjahr 2028 dauern. Nach deren Abschluss stehen noch der Rückbau der benötigten Wege sowie Rekultivierungsmaßnahmen an. Die vollständige Fertigstellung ist für Herbst 2028 vorgesehen.
Die Arbeiten finden dabei in einer Region statt, die sowohl im Winter als auch im Sommer stark vom Tourismus geprägt ist. Gerade zu Beginn sei deshalb auch die Akzeptanz bei den betroffenen Eigentümer:innen ein wichtiges Thema gewesen. "Mittlerweile ist das Projekt sehr gut angekommen. Im gesamten Ennstal sind die Arbeiten sichtbar: Man sieht Bagger und Hubschrauber und merkt, dass hier etwas passiert. Die anfänglichen Herausforderungen haben wir mit unserem Team sehr gut gemeistert", sagt Rupp gegenüber LEADERSNET.tv.
Verbindung zwischen Ost und West
Die Bedeutung der Ennstalleitung reicht laut APG über die unmittelbare Versorgung der Region hinaus. Innerhalb des österreichischen Übertragungsnetzes bildet sie einen Teil der Ost-West-Verbindung. Dabei verbindet sie Regionen mit hoher Stromerzeugung im Osten mit Pumpspeicherkraftwerken im Westen Österreichs.
Die Leitung ermögliche dadurch den österreichweiten Transport von Strom aus erneuerbaren Energiequellen in jene Gebiete, in denen dieser benötigt werde, erläutert Christiner. Sie leiste damit einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Umsetzung der Energiewende. "Die Ennstalleitung ist ein zentraler Teil der Ost-West-Verbindung im APG-Netz", so Christiner.
APG verweist auf wirtschaftliche Effekte
Mit dem Infrastrukturprojekt sind nach Angaben der APG auch Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung verbunden. Grundlage dafür ist eine von der APG angeführte Economica-Studie. Demnach soll die Investitionssumme von rund 240 Millionen Euro österreichweit eine Bruttowertschöpfung von etwa 112 Millionen Euro auslösen. Mehr als zehn Millionen Euro davon würden auf die Steiermark entfallen.
Während der Umsetzung des Projekts würden außerdem rund 1.300 Arbeitsplätze geschaffen. Für Christiner zeige dies, "dass Investitionen in die Strominfrastruktur nicht nur die Versorgungssicherheit stärken, sondern auch wichtige wirtschaftliche Impulse für die Regionen und den gesamten Wirtschaftsstandort Österreich setzen."
Interviewpartner:innen
LEADERSNET.tv holte neben Gerhard Christiner (Vorstandssprecher der APG) und Patrick Rupp (Projektleiter, APG) auch noch Thomas Reingruber (Bürgermeister, Gröbming) vor die Kamera.
www.apg.at
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