Gastkommentar von Anna Mogeritsch
KI im HR: Mensch oder Maschine?

Ein Gastkommentar von Anna Mogeritsch, Geschäftsführerin von LP Experts.

Künstliche Intelligenz verändert das Personalmanagement. Sie erstellt Stellenanzeigen, analysiert Lebensläufe, unterstützt beim Matching und beantwortet Fragen von Bewerber:innen. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Algorithmen künftig über Menschen entscheiden.

Doch "Mensch oder Maschine?" ist aus meiner Sicht die falsche Frage. Entscheidend ist: Wo kann KI sinnvoll unterstützen – und welche Verantwortung darf nicht delegiert werden?

Was ist überhaupt KI?

Nicht jede Automatisierung ist künstliche Intelligenz. Ein System, das nach fixen Regeln Termine bestätigt, ist zunächst klassische Software. KI hingegen leitet aus Daten Ergebnisse wie Inhalte, Vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen ab.

Im HR begegnen uns vor allem:

  • generative KI zur Erstellung von Texten und Unterlagen,
  • analysierende KI für Matching und Prognosen,
  • automatisierte Systeme für Kommunikation und Prozesssteuerung.

Diese Unterscheidung ist wichtig, denn der konkrete Anwendungsfall bestimmt Nutzen, Risiken und rechtliche Anforderungen.

Wo kann KI im HR unterstützen?

Die Einsatzmöglichkeiten reichen über den gesamten Recruiting- und Employee-Lifecycle:

  • Erstellung und Optimierung von Stellenanzeigen
  • Analyse von Stellenprofilen und Arbeitsmarktdaten
  • Active Sourcing und Kandidat:innen-Matching
  • Strukturierung von Lebensläufen
  • Vorbereitung von Interviews und Bewertungsrastern
  • Terminvereinbarung und standardisierte Kommunikation
  • Unterstützung bei Onboarding und Weiterbildung
  • Skill-Analysen und Personalbedarfsplanung

Das größte Potenzial liegt derzeit nicht in der automatisierten Personalentscheidung, sondern in der Entlastung bei administrativen und zeitintensiven Aufgaben. KI strukturiert Informationen, liefert erste Entwürfe und beschleunigt Abläufe. Dadurch bleibt mehr Zeit für persönliche Gespräche und fundierte Beratung.

Was ist rechtlich zu beachten?

Beim Einsatz von KI im HR gelten mehrere Regelwerke gleichzeitig: der EU AI Act, die DSGVO, das österreichische Datenschutzrecht, das Gleichbehandlungsrecht und gegebenenfalls die betriebliche Mitbestimmung.

KI-Systeme, die Bewerbungen filtern, Kandidat:innen bewerten oder Auswahlentscheidungen wesentlich beeinflussen, gelten nach dem EU AI Act grundsätzlich als Hochrisikoanwendungen. Gefordert werden unter anderem Risikomanagement, Datenqualität, Dokumentation, Transparenz und eine wirksame menschliche Aufsicht.

Parallel dazu bleibt die DSGVO anwendbar. Unternehmen benötigen eine geeignete Rechtsgrundlage, müssen Daten minimieren, Bewerber:innen informieren und Diskriminierungsrisiken prüfen. Entscheidungen mit erheblicher Wirkung dürfen nicht unkontrolliert automatisiert werden.

Ein Mensch, der eine KI-Empfehlung nur abnickt, ohne sie nachvollziehen und korrigieren zu können, ist keine echte menschliche Kontrolle.

Wie hoch ist die Akzeptanz?

Die bisherigen Studien zeigen ein differenziertes Bild. Laut einer österreichischen Stepstone-Studie aus 2025 nutzen bereits 58 Prozent der Befragten KI bei Jobsuche und Bewerbung. Gleichzeitig empfinden 68 Prozent der Recruiter:innen KI-unterstützte Bewerbungen als weniger authentisch.

Eine IU-Studie zeigt: 65,2 Prozent vertrauen einer KI-Entscheidung nicht, und 80,5 Prozent fühlen sich weniger wertgeschätzt, wenn KI einen Menschen ersetzt. Zugleich sehen 72,2 Prozent die Chance, dass KI Benachteiligungen reduzieren kann.

Transparenz ist dabei ein entscheidender Faktor. Eine Studie der Universität Graz mit 1.312 Personen zeigt, dass nachvollziehbare Erklärungen die Akzeptanz KI-gestützter Vorauswahl deutlich verbessern.

Unsere Haltung: KI unterstützt, der Mensch verantwortet

Wir setzen bei LP Experts auf KI, weil sie Personalarbeit effizienter, strukturierter und produktiver macht. Unser Ziel ist jedoch nicht, Menschen aus dem Prozess zu entfernen. KI soll Zeit schaffen – für persönliche Gespräche, individuelle Betreuung und bessere Entscheidungen.

Sie kann Daten analysieren und Empfehlungen liefern. Aber sie erkennt nicht zuverlässig, welches Potenzial in einem Menschen steckt, warum ein ungewöhnlicher Lebenslauf wertvoll ist oder ob jemand tatsächlich in ein Team passt.

Deshalb gilt für uns:

Die KI unterstützt. Der Mensch prüft, entscheidet und verantwortet.

Denn Recruiting ist trotz aller Digitalisierung kein reiner Datenprozess. Es ist und bleibt ein Geschäft zwischen Menschen.

www.lp-experts.com


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