"Harry Potter"-Fans in Aufruhr
Fiktives Elfengrab zwang ein 500-Euro-Millionen-Projekt zur Umplanung

Ein neues Unterseekabel sollte ausgerechnet an jenem Strand an Land gehen, an dem "Harry Potter"-Fans seit Jahren des Hauselfen "Dobby" gedenken. Hunderte Beschwerden setzten das Unternehmen letztlich unter Zugzwang.

Bereits 25 Jahre ist es her, dass Harry Potter auf der großen Kinoleinwand seinen Brief aus Hogwarts bekommen hat. Was als Kinderbuch begann und 2001 mit "Harry Potter und der Stein der Weisen" erstmals auch filmisch aufgegriffen wurde, hat sich längst zu einem generationsübergreifenden Kulturphänomen entwickelt. Zu Weihnachten 2026 wird der Stoff nun für die nächste Generation neu aufgelegt, wenn HBO die Serienfassung der siebenteiligen Buchreihe mit komplett neuem Cast startet.

Dass die Fangemeinde in der Zwischenzeit nichts von ihrer Schlagkraft eingebüßt hat, zeigte sich zuletzt allerdings an einem denkbar unmagischen Ort. An der Küste von Wales musste ein Energieprojekt im Wert von 430 Millionen Pfund (rund 500 Millionen Euro) seine Trasse verlegen, weil Hunderte Menschen das Grab einer Figur schützen wollten, die es nie gegeben hat.

Fernsehbeitrag erzürnte Fancommunity

Hinter dem Projekt steht der Greenlink-Interkonnektor, eine Hochspannungsverbindung zwischen dem irischen Umspannwerk Great Island in der Grafschaft Wexford und dem britischen Netz in Pembrokeshire. Rund 190 Kilometer Kabel liegen dafür großteils am Grund der Irischen See, an Land geht die Leitung am Strand von Freshwater West. Wie genau das funktioniert, führte Projektleiter Simon Ludlam, Gründer des Beratungsunternehmens Etchea Energy, in einem BBC-Beitrag vor laufender Kamera aus. Er zeigte dabei auch, an welcher Stelle das Kabel durch die Dünen nach oben geführt wird.

Was Ludlam damals nicht wusste: Dieselbe Stelle gilt zufällig unter Fans als letzte Ruhestätte des beliebten Hauselfen Dobby, der 2010 in "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1" ebendort fiktiv begraben wurde. Seit dem Kinostart pilgern Anhänger:innen der Reihe an den walisischen Strandabschnitt. Sie legen bemalte Steine mit der Aufschrift "Hier liegt Dobby, ein freier Elf" ab – dazu Socken, die auf jenes Kleidungsstück anspielen, mit dem die Figur in der Erzählung ihre Freiheit erlangt. Ein offizielles Denkmal ist daraus nie geworden, im Gegenteil. Die Grundeigentümerin, die Naturschutzorganisation National Trust, bittet Besucher:innen seit Jahren, nichts zurückzulassen, weil die Dünen als "Site of Special Scientific Interest" ausgewiesen und damit besonders geschützt sind.

Dobby GrabAm Strand von Freshwater West in Pembrokeshire legen Fans seit Jahren Socken und bemalte Steine für den Hauselfen Dobby ab. © Unsplash / Sean P

Route wurde tatsächlich umgeplant

Nach der Ausstrahlung des Fernsehbeitrags gingen bei der Firma Hunderte Anrufe ein. Ludlam, der die Episode kürzlich im Podcast The Energy Revolution erzählte, konnte die Aufregung um ein erfundenes Grab einer erfundenen Figur zunächst nicht nachvollziehen. Ein Kollege habe ihn schließlich mit den Worten "Es ist sehr sehr ernst" aufgeklärt. Das Unternehmen plante die Trasse daraufhin um und führte sie in einigem Abstand an der markierten Stelle vorbei. "Jedes Projekt hat seine eigenen Herausforderungen, aber manche davon sind fast schon mythisch", resümiert der Projektleiter.

Ganz ohne Kollateralschaden ging der Umweg allerdings nicht ab. Die verlegte Route verläuft nun in unmittelbarer Nähe zu Überresten aus der Bronzezeit, darunter Urnen aus tatsächlichen Bestattungen. Das Kabel selbst ist seit Februar 2025 in Betrieb, überträgt 500 Megawatt in beide Richtungen und deckt rechnerisch den Bedarf von rund 380.000 Haushalten. Für Ludlam ist die Sache damit erledigt, wie er im Podcast festhielt: "Dobby ist glücklich."

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