Österreich gilt als eines der wasserreichsten Länder Europas. Im langjährigen Mittel fallen rund 1.190 Millimeter Niederschlag pro Jahr, das Trinkwasser stammt praktisch zur Gänze aus Grund- und Quellwasser, und etwa 93 Prozent der Bevölkerung werden über zentrale Anlagen mit einem Leitungsnetz von knapp 80.000 Kilometern versorgt. Diese komfortable Ausgangslage hat lange dafür gesorgt, dass Wasser im Alltag kaum als knappes Gut wahrgenommen wurde. Nach einem niederschlagsarmen Winter, einem trockenen Frühjahr und einer frühen Hitzewelle im Juni gerät diese Gewissheit ins Rutschen, wie eine repräsentative Studie von Marketagent unter 1.000 Österreicher:innen belegt (siehe Infobox). Das Meinungsforschungsinstitut hat die Befragung bereits 2023 einmal durchgeführt, der Vergleich der beiden Wellen macht die Verschiebung damit messbar.
Trockenheit und sinkende Pegelstände prägen das Stimmungsbild
Am deutlichsten zeigt sich der Wandel bei der Bewertung der Gegenwart. 46 Prozent halten die derzeitige Verfügbarkeit von Wasser und Trinkwasser für problematisch, 2023 war es lediglich rund ein Viertel (24 %). Fast jede zweite Person macht sich konkret Gedanken über die heimische Trinkwasserversorgung (47 % | 2023: 33 %). Noch skeptischer fällt der Blick nach vorne aus. 61 Prozent gehen davon aus, dass Österreich innerhalb der kommenden zehn Jahre Schwierigkeiten bei der Wasserverfügbarkeit bekommt, während diese Erwartung vor drei Jahren noch knapp die Hälfte der Befragten teilte (49 %).
Getragen wird diese Einschätzung von sehr unmittelbaren Beobachtungen. 57 Prozent halten die heurige Niederschlagsmenge im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren für deutlich geringer, und 61 Prozent ordnen das nicht als kurzfristige Wetterlaune, sondern als dauerhafte Entwicklung ein. Auch an Seen und Flüssen bleibt der Rückgang nicht unbemerkt. 43 Prozent haben deutlich niedrigere Pegelstände registriert, weitere 40 Prozent zumindest leichte Veränderungen. Mehr als vier von fünf Befragten haben somit wahrgenommen, dass sich an den heimischen Gewässern etwas verändert hat (83 %).
"Wasserknappheit ist für viele Menschen mittlerweile kein abstraktes Zukunftsszenario mehr. Ausgetrocknete Böden, niedrige Pegelstände und außergewöhnliche Hitze machen die Entwicklung unmittelbar sichtbar. Das schlägt sich deutlich in den Ergebnissen nieder: Die Sorge um die Wasserversorgung ist seit unserer ersten Erhebung stark gestiegen, und eine klare Mehrheit rechnet damit, dass Österreich innerhalb der nächsten zehn Jahre mit Problemen konfrontiert sein wird", erklärt Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.
Sorge reicht weit über die Trinkwasserversorgung hinaus
Befürchtet werden vor allem ökologische und wirtschaftliche Kettenreaktionen. An der Spitze der erwarteten Folgen steht mit 92 Prozent eine steigende Waldbrandgefahr, knapp dahinter folgen Beeinträchtigungen der Landwirtschaft mit 90 Prozent. Dass fehlendes Trinkwasser auch die menschliche Gesundheit gefährden könnte, hält immerhin mehr als die Hälfte für ein realistisches Szenario (56 %).
Welchen Rang die Ressource im kollektiven Bewusstsein einnimmt, macht ein weiteres Ergebnis deutlich. Im Ranking der wertvollsten Errungenschaften Österreichs liegt der Zugang zu sauberem Trink- und Quellwasser mit 84 Prozent Zustimmung auf Platz eins und verweist damit die umfassende Gesundheitsversorgung sowie die hohe Luftqualität (jeweils 71 %) auf die Plätze. Erst danach folgen die niedrige Kriminalität (67,5 %), das Bildungssystem (63 %) und das Sozialsystem (60,7 %).
"Wasserknappheit ist weit mehr als ein Thema der Trinkwasserversorgung. Die Menschen sehen sehr klar, welche Kettenreaktionen damit verbunden sein können: Die große Mehrheit rechnet mit einer steigenden Waldbrandgefahr, Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft aber auch die Energieversorgung. Damit wird deutlich, dass Wasser als zentrale Ressource für unsere Umwelt, unsere Versorgungssicherheit und letztlich unseren Alltag wahrgenommen wird", erläutert Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent.
Wasserverbrauch wird im eigenen Haushalt unterschätzt
Im eigenen Haushalt klafft zwischen Anspruch und Kenntnis allerdings eine Lücke. 86 Prozent geben an, zumindest ein wenig auf ihren Wasserverbrauch zu achten, 2023 lag dieser Wert noch bei 82 Prozent. Genauer betrachtet fällt das Bild jedoch differenzierter aus, denn nur 26 Prozent achten nach eigener Einschätzung sehr genau darauf, weitere 60 Prozent immerhin ein wenig. Beim tatsächlichen Konsum verschätzen sich die Befragten dann deutlich. Im Schnitt veranschlagen sie 85 Liter pro Tag, real liegt der Verbrauch laut Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft bei rund 130 Litern.
Käme es zu einer akuten Mangellage, wäre die Bereitschaft zu Einschränkungen dennoch hoch, sofern nicht die Deckung des täglichen Bedarfs betroffen ist. Beim Autowaschen fällt die Zustimmung zu einem Verbot mit 85 Prozent am höchsten aus (2023: 78 %), ein Befüllverbot für private Pools würden 78 Prozent mittragen (2023: 75 %). Das Vertrauen in eine dauerhaft uneingeschränkte Verfügbarkeit hat damit binnen drei Jahren merklich gelitten, ohne dass der Stellenwert der Ressource selbst gesunken wäre.
www.marketagent.com
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