Abkühlung für heiße Sommertage
Japaner bringen Kühlschrank für Menschen auf den Markt

| Larissa Bilovits 
| 28.07.2026

In der begehbaren Kabine sorgt ein fünf Grad kalter Luftstrom binnen Minuten für Abkühlung. Billig ist die Erfindung allerdings nicht.

Die nächste Hitzewelle rollt an, ab Mittwoch soll es österreichweit wieder über die 30-Grad-Marke gehen. Und spätestens dann steht wieder halb Österreich zuhause in der Küche vor der offenen Kühlschranktür und denkt sich, dass man da eigentlich auch gleich hineinsteigen könnte. In Japan hat jemand diesen Gedanken zu Ende gedacht und ein Produkt daraus gemacht: Die sogenannte "Do Hiemon Box" ist ein begehbarer Kühlschrank, in dem nicht Lebensmittel gelagert, sondern überhitzte Menschen heruntergekühlt werden können.

Sitzbank statt Gemüsefach

Von außen ist das Ding auf den ersten Blick kaum von herkömmlichen Verkaufsautomaten zu unterscheiden, die sich in Japan an praktisch jeder Straßenecke finden. Genau die dienten als Vorbild für die Innovation des Automatenherstellers SDRS, der sich dafür den Industrieausrüster Trusco Nakayama als Vertriebspartner an Bord geholt hat. Hinter der Tür wartet allerdings kein Kaltgetränk, sondern eine Sitzbank für genau eine Person, dazu eine Dauertemperatur von 15 Grad. Sobald man Platz genommen hat, richten sich Düsen auf Kopf, Nacken, Schultern und Rücken und blasen Luft mit rund fünf Grad in Richtung Körper. Dabei lassen sich auch mehrere Kühlstufen individuell einstellen.

Laut Hersteller soll man sich damit schon nach nur fünf Minuten deutlich besser fühlen. Wer bereits erste Anzeichen einer Hitzeerschöpfung mitbringt, braucht laut den Entwickler:innen etwa zehn Minuten, bis die Körpertemperatur wieder in einem verträglichen Bereich liegt. Nach spätestens 20 Minuten macht ein Timer ohnehin Schluss, damit aus der Abkühlung kein Kälteschock wird.

Kampf gegen zunehmende Hitze

So skurril die Kabine wirkt, sie ist keine Spielerei. Japans Sommer sind mittlerweile so heiß, dass sie regelmäßig Menschenleben kosten – allein in Tokio müssen an besonders heißen Tagen inzwischen oftmals mehrere Dutzend Menschen pro Tag wegen eines Hitzeschlags ins Spital eingeliefert werden. Vor allem wer draußen arbeitet, hat gegen solche Temperaturen wenig entgegenzusetzen, und in offenen Hallen, auf Baustellen oder in Fabriken scheitert eine klassische Klimatisierung schlicht an der Bausubstanz. Genau diese Lücke soll die Box füllen: Sie steht auf Rollen, kommt ohne komplizierte Montage aus und wird somit flexibel dorthin geschoben, wo gerade geschwitzt wird.

Teure Abkühlung

Warum die Entwickler:innen sich zunächst explizit an Geschäftskund:innen und weniger an Privathaushalte richten, dürfte der Preis erklären. 1,5 Millionen Yen, umgerechnet mehr als 8.000 Euro, verlangen die Hersteller für das Standardmodell.

Erste Erfahrungen mit dem öffentlichen Einsatz gibt es trotzdem schon: Im Rathaus der Stadt Maebashi steht etwa ein gespendetes Exemplar, das Besucher:innen während der Öffnungszeiten gratis benutzen dürfen. Japan Today hält es für gut möglich, dass die Menschenkühlschränke damit erst am Anfang ihrer Karriere stehen und irgendwann so selbstverständlich im Stadtbild auftauchen – ähnlich wie die Getränkeautomaten, denen sie nachempfunden sind.

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