Textilabfälle wie etwa ausgediente Kleidung zählen europaweit zu den größten Baustellen der Kreislaufwirtschaft, und auch in Österreich fallen jährlich rund 213.000 Tonnen an. Rund drei Viertel davon werden bisher nicht getrennt gesammelt, sondern schlichtweg verbrannt. Mit einem Update der EU-Abfallrahmenrichtlinie soll sich das grundlegend ändern. Seit 19. Juli ist die Vernichtung unverkaufter Ware verboten, ab 2028 kommt die verpflichtende getrennte Sammlung und Verwertung von Alttextilien hinzu. Dass die Bevölkerung diesen Weg mitträgt, belegt eine aktuelle repräsentative Umfrage von Marketagent im Auftrag der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) unter 1.000 Österreicher:innen (siehe Infobox).
Breite Zustimmung zu Verbot und Wiederverwertung
Die Zustimmung zu den neuen Regelungen fällt eindeutig aus. 85 Prozent der Befragten finden es gut, dass neuwertige, unverkaufte Kleidung künftig nicht mehr vernichtet werden darf. Noch größer ist der Rückhalt beim Recycling, sprechen sich doch 94 Prozent dafür aus, kaputte Textilien verstärkt im Kreislauf zu führen, statt sie über den Restmüll zu entsorgen. Besonders ausgeprägt ist die Zustimmung in älteren Bevölkerungsgruppen.
"Die Menschen in Österreich sind bereit, ihren Beitrag zu leisten und Textilien getrennt zu sammeln. Die Herausforderung liegt nun darin, die notwendigen Strukturen für Sortierung und Recycling aufzubauen, um das verpflichtende Textilrecycling ab 2028 umsetzen zu können", betont ARA-Vorstandssprecher Harald Hauke. Ermöglicht wird der verpflichtende Textilkreislauf übrigens durch die Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR). Vergleichbare Modelle gibt es in Österreich bereits für Verpackungen, Elektroaltgeräte und Batterien. Für Textilien nimmt die Regelung nun Produzent:innen von Bekleidung, Schuhen und Heimtextilien für Sammlung, Sortierung und Recycling ihrer Produkte in die Pflicht.
Deutliche Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Zwischen der Haltung der Bevölkerung und ihrem tatsächlichen Verhalten klafft allerdings eine Lücke, wie die Umfrage verdeutlicht. Kaputte Kleidung wandert demnach bei 51 Prozent der Österreicher:innen in den Restmüll, bei kaputten Schuhen sind es sogar 68 Prozent. Das entspricht zwar dem derzeit vorgesehenen Entsorgungsweg, dennoch bereitet er vielen ein ungutes Gefühl. 69 Prozent halten es laut eigenen Angaben für nicht richtig, beschädigte Textilien im Restmüll zu entsorgen.
Bei gut erhaltener Kleidung zeigt sich schon heute ein anderes Bild. 42 Prozent geben sie in den Altkleidercontainer, 36 Prozent verschenken sie im privaten Umfeld, 34 Prozent spenden sie an soziale Einrichtungen und 35 Prozent verkaufen sie weiter.
Gleichzeitig wünschen sich 84 Prozent mehr Aufklärung zur korrekten Entsorgung. Als stärkste Anreize für eine getrennte Sammlung nennen die Befragten mehr Sammelcontainer im Wohnumfeld (35 %), eine klare Kennzeichnung auf den Produkten sowie die Gewissheit, dass beschädigte Textilien am Ende tatsächlich recycelt werden (29 %).
ARA pocht auf pragmatische Vorgaben
Für die ARA unterstreichen die Ergebnisse den Handlungsbedarf. Damit Textilkreisläufe funktionieren, brauche es klare gesetzliche Rahmenbedingungen und rasch eine passende Infrastruktur in Österreich. Eine tragende Rolle sollen dabei bestehende Strukturen wie Altstoffsammelzentren und karitative Organisationen übernehmen.
"Ein pragmatisches, von der Wirtschaft getragenes EPR-System ist der einzig vernünftige Weg. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können das bewährte Know-how und die etablierten Prozesse aus dem Verpackungsrecycling eins zu eins nutzen. Nur so schaffen wir eine ökonomisch tragfähige, effiziente und für die Unternehmen praxistaugliche Lösung, die Kreislaufwirtschaft im Textilbereich garantiert", so Hauke abschließend.
www.ara.at
www.marketagent.com
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