Wegen Verstoß gegen DSA
EU-Kommission verhängt 550-Millionen-Strafe gegen AliExpress

| Larissa Bilovits 
| 20.07.2026

Die chinesische Billigplattform soll illegale, unsichere und gefälschte Produkte nur mangelhaft kontrolliert und riskante Händler:innen kaum in die Schranken gewiesen haben. Der Handelsverband sieht seine jahrelange Kritik bestätigt.

Über internationale Onlineplattformen wie AliExpress, Temu, Shein und Co. gelangt billige Massenware aus Fernost derzeit millionenfach nach Europa – und das oftmals an Sicherheitsstandards und fairem Wettbewerb vorbei. Wie groß die Dimension dessen inzwischen ist, zeigen die aktuellen Zahlen: 2025 wurden 5,8 Milliarden Warensendungen unter 150 Euro in die Europäische Union eingeführt, ein Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 91 Prozent davon stammten aus China. Rechnerisch entspricht das fast 16 Millionen Paketen pro Tag. Und je größer die Menge wird, desto geringer fällt der Anteil aus, der überhaupt überprüft wird – zuletzt wurden nur 82 von einer Million Sendungen kontrolliert.

Für Handel und Aufsichtsbehörden ist diese Entwicklung längst ein kräftezehrendes Dauerthema. Nun hat auch die Europäische Kommission reagiert und gegen die Plattform AliExpress wegen schwerwiegender Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) eine Geldbuße von 550 Millionen Euro verhängt. Beanstandet wurden dabei unter anderem fehlende Kontrollen bei illegalen, unsicheren und gefälschten Produkten sowie unzureichende Vorkehrungen gegen risikobehaftete Händler:innen.

Handelsverband sieht jahrelange Kritik bestätigt

Wie der österreichische Handelsverband via Aussendung mitteilte, begrüße man den Schritt aus Brüssel. Aus Sicht der Interessenvertretung reihe sich die Strafe in eine Debatte ein, die weit über den Einzelfall der Plattform hinausreicht und die Rolle großer Onlinemarktplätze insgesamt betrifft.

"Die heutige Entscheidung bestätigt eindrucksvoll, worauf wir seit mehr als einem Jahrzehnt hinweisen: Das Problem sind nicht einzelne Produkte, sondern strukturelle Defizite auf manchen internationalen Onlineplattformen", erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, und betont: "Wer Millionen Produkte in Europa verkauft, muss auch Verantwortung für deren Sicherheit übernehmen."

Neuer VKI-Test zeigt Gefahren bei Sonnencremen

Wie unmittelbar sich Produktmängel auf die Sicherheit der heimischen Kund:innen auswirken können, verdeutlicht eine aktuelle Untersuchung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Geprüft wurden 14 Sonnencremen, die über Temu, Shein und AliExpress bezogen worden waren. Das Ergebnis fiel vernichtend aus: Kein einziges Produkt konnte empfohlen werden. In drei Cremen wies der VKI sogar den in der EU verbotenen UV-Filter 4-MBC nach, womit die Produkte überhaupt nicht erst in den Verkauf hätten gelangen dürfen. Vier weitere Sonnencremen scheiterten zudem bereits an den Mindestanforderungen an einen Sonnenschutz.

"Wenn vermeintliche Sonnencremen praktisch keinen UV-Schutz bieten oder sogar verbotene Stoffe enthalten, geht es nicht mehr nur um unfairen Wettbewerb, sondern um den Schutz der Gesundheit der Konsument:innen", warnt Will.

Handelsverband fordert europaweite Ansätze

Vor diesem Hintergrund bleibt der Handelsverband bei seiner Kritik an der geplanten österreichischen Paketabgabe (LEADERSNET berichtete). Aus Sicht der Interessenvertretung setzt eine nationale Abgabe nämlich genau bei jenen Plattformen nicht an, die den größten Teil des Problems verursachen. "Es ist paradox: Während die Europäische Kommission AliExpress wegen systemischer Verstöße mit einer hohen Strafe belegt, ist genau diese Plattform von der geplanten österreichischen Paketsteuer gar nicht betroffen, weil sie unter der vorgesehenen Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro in Österreich liegt", kritisiert Will.

Statt nationaler Alleingänge fordert die Interessenvertretung daher europaweite Ansätze. Dazu zählen aus Sicht des Handelsverbands eine konsequente Haftung der Plattformen, wirksame Zollkontrollen, die weitere Durchsetzung des DSA sowie ein entschlossenes Vorgehen gegen illegale und unsichere Produkte im grenzüberschreitenden Onlinehandel.

www.handelsverband.at

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