Interview mit Uschi Huber
"Man muss heute einen guten Grund haben, warum sich die Anreise lohnt"

| Janet Teplik 
| 26.08.2026

Uschi Huber ist die Geschäftsführerin der Round Table Konferenzhotels (RTK). Im LEADERSNET-Interview spricht sie u.a. darüber, weshalb klassische Frontalveranstaltungen an Bedeutung verlieren, wie steigende Kosten und kurzfristige Buchungen den MICE-Markt verändern und warum persönliche Begegnungen trotz künstlicher Intelligenz zum entscheidenden Erfolgsfaktor von Business-Events werden könnten.

LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Huber, auf welche Leistungen im Bereich von Geschäftsveranstaltungen hat sich RTK spezialisiert, und welche Kund:innen betreut das Unternehmen hauptsächlich?

Uschi Huber: Unsere Kund:innen kommen aus den unterschiedlichsten Branchen – vom mittelständischen Unternehmen bis zum internationalen Konzern. Unser Schwerpunkt liegt darauf, für jede Veranstaltung die passende Location und den richtigen Rahmen zu finden. Das Besondere an unserem Modell ist die FAIRmittlung: Unsere Kund:innen erhalten von uns passende Vorschläge aus mehr als 200 Mitgliedsbetrieben. Wir vermitteln schnell, unkompliziert und vor allem kostenfrei.

LEADERSNET: Welche Anforderungen stellen Unternehmen und Veranstalter:innen derzeit besonders häufig an Business-Events? Was hat sich dabei gegenüber den vergangenen Jahren verändert?

Huber: Die Anforderungen sind deutlich vielfältiger geworden. Ein schöner Seminarraum und gutes Essen reichen heute nicht mehr aus. Unternehmen erwarten Flexibilität, eine gute Erreichbarkeit und vor allem einen echten Mehrwert. Eine Veranstaltung muss heute einen guten Grund liefern, warum man dafür Zeit investiert und anreist.

LEADERSNET: Welche Veranstaltungsformate werden künftig voraussichtlich stärker nachgefragt – und welche verlieren an Bedeutung?

Huber: Formate mit persönlichem Austausch werden wieder stärker nachgefragt – etwa Workshops, Gesprächsrunden, Networking oder gemeinsames Erleben. Klassische Frontalveranstaltungen, bei denen Teilnehmer:innen hauptsächlich zuhören, werden es dagegen schwerer haben. Menschen wollen sich austauschen, mitgestalten und etwas mitnehmen.

LEADERSNET: Beobachten Sie Veränderungen bei der Größe, Dauer oder inhaltlichen Gestaltung von Veranstaltungen? Werden etwa kleinere Formate, interaktive Programme oder Veranstaltungen mit stärkerem Erlebnischarakter wichtiger?

Huber: Ja, eindeutig. Veranstaltungen werden kleiner, persönlicher und interaktiver. Gleichzeitig wird der Erlebnischarakter wichtiger. Gerade bei Business-Events muss man heute einen guten Grund haben, warum sich die Anreise lohnt. Deshalb gewinnen Formate an Bedeutung, bei denen die Teilnehmer:innen nicht nur dabei sind, sondern aktiv eingebunden werden.

LEADERSNET: Welche österreichischen Städte und Regionen gewinnen bei der Nachfrage nach Business-Events an Bedeutung? Welche Faktoren sind dafür ausschlaggebend?

Huber: Wien ist und bleibt ein enorm wichtiger MICE-Standort. Gleichzeitig sehen wir großes Potenzial in den Regionen. Gerade wenn Veranstaltungen mit Natur, Teambuilding oder besonderen Erlebnissen verbunden werden sollen, bieten die Bundesländer ideale Möglichkeiten. Entscheidend sind dabei eine gute Erreichbarkeit und ein Angebot, das sich vom klassischen Tagungsformat abhebt.

LEADERSNET: Wie wirken sich gestiegene Kosten und veränderte Unternehmensbudgets auf Buchungsentscheidungen aus? Wird bei Dauer, Teilnehmer:innenzahl, Verpflegung oder Rahmenprogramm gespart?

Huber: Budgets spielen derzeit natürlich eine große Rolle. Unternehmen verzichten deshalb aber nicht auf Veranstaltungen, sondern planen bewusster. Formate werden teilweise kürzer oder stärker auf das Wesentliche konzentriert. Gleichzeitig merken wir, dass bei der Qualität nicht gespart werden soll. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wichtiger geworden.

LEADERSNET: Werden Veranstaltungen kurzfristiger angefragt, verändert oder abgesagt? Welche Herausforderungen entstehen dadurch für Unternehmen, Veranstalter:innen, Hotels und Locations?

Huber: Ja, die Kurzfristigkeit ist aktuell eine große Herausforderung. Hotels und Locations müssen Personal, Ressourcen und Kapazitäten planen und brauchen entsprechend Planungssicherheit. Gleichzeitig erwarten Kund:innen heute eine hohe Flexibilität und schnelle Reaktionszeiten. Hier braucht es Verständnis auf beiden Seiten – und vor allem eine gute Kommunikation.

LEADERSNET: Wie beeinflussen hybride Angebote, digitale Anwendungen und künstliche Intelligenz die Planung und Durchführung von Business-Events?

Huber: Digitale Tools und künstliche Intelligenz erleichtern viele organisatorische Prozesse und werden in Zukunft sicher noch stärker eingesetzt werden. Sie können uns Arbeit abnehmen, aber sie ersetzen nicht die persönliche Beratung und das persönliche Erlebnis. Gerade in unserer Branche geht es um Vertrauen, Erfahrung und darum, die richtige Lösung für die jeweiligen Kund:innen zu finden.

LEADERSNET: Welche Entwicklungen werden den österreichischen MICE-Markt in den kommenden drei bis fünf Jahren besonders prägen?

Huber: Ich sehe vor allem drei Themen: Erlebnis, Effizienz und Nachhaltigkeit. Budgets müssen gezielt eingesetzt werden und Standardprogramme verlieren an Bedeutung. Gleichzeitig werden persönliche Begegnungen immer wertvoller, je digitaler unser Arbeitsalltag wird. Genau darin liegt eine große Chance für die Eventbranche.

LEADERSNET: Worauf sollten sich österreichische Hotels, Eventlocations und Destinationen bereits jetzt einstellen, um den künftigen Anforderungen von Unternehmen und Veranstalter:innen gerecht zu werden?

Huber: Auf Flexibilität, transparente Angebote und schnelle Reaktionszeiten. Veranstaltungsplaner:innen stehen oft unter großem Zeitdruck und erwarten rasche und unkomplizierte Antworten. Gleichzeitig darf bei aller Geschwindigkeit der persönliche Kontakt nicht verloren gehen. Freundlichkeit, Verlässlichkeit und eine individuelle Betreuung bleiben wichtige Wettbewerbsvorteile.

LEADERSNET: Wenn Sie einen Blick in die viel zitierte Glaskugel werfen dürften: Welche heute noch ungewöhnliche Idee könnte bei österreichischen Business-Events schon bald zum Standard gehören?

Huber: Ich glaube, dass wir uns von starren Veranstaltungskonzepten zunehmend verabschieden werden. Nicht mehr die klassische "Seminarpauschale" steht im Mittelpunkt, sondern die Frage: Was brauchen die Teilnehmer:innen tatsächlich? Denkbar sind Veranstaltungen, bei denen sich die Teilnehmer:innen ihr Programm teilweise selbst zusammenstellen und unterschiedliche Angebote flexibel nutzen können. Kurz gesagt: mehr Individualität, mehr Beteiligung und vor allem mehr Zeit und Raum für echte Begegnungen. Genau das könnte in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt zum wichtigsten Erfolgsfaktor eines Events werden.

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.rtk.at

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