Aktuelle Studie
70 Lithiumbatterien pro Müllwagen sorgen für steigendes Brandrisiko

| Redaktion 
| 04.06.2026

Die Zahl der Fehlwürfe hat sich innerhalb eines Jahrzehnts vervierfacht. Expert:innen warnen vor steigenden Brandrisiken in der Abfallwirtschaft und fordern Maßnahmen zur getrennten Sammlung. 

In Österreich hat sich die Zahl falsch entsorgter Lithiumbatterien innerhalb von zehn Jahren vervierfacht. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Montanuniversität Leoben. Die Forscher:innen fanden durchschnittlich acht Lithiumbatterien pro Tonne Restmüll. Angesichts der steigenden Zahl batteriebedingter Brände warnen sie vor einer weiteren Verschärfung der Risikosituation. 

70 Lithiumbatterien pro Sammelfahrzeug

Die Untersuchung zeichnet ein deutliches Bild der Entwicklung. Durchschnittlich acht Lithiumbatterien je Tonne Restmüll entsprechen laut den Expert:innen rund 70 Batterien pro Sammelfahrzeug mit einer Ladekapazität von etwa 8,5 Tonnen. Nach Angaben der Studienautor:innen nimmt die Zahl der potenziellen Brandquellen mit der zunehmenden Verbreitung von Lithiumbatterien kontinuierlich zu. 

Für die Studie analysierte ein Forschungsteam der Montanuniversität Leoben mehr als 1.000 öffentlich dokumentierte Brandereignisse der vergangenen 18 Jahre sowie Restmüllproben aus mehreren Bundesländern. Thomas Nigl von der Montanuniversität Leoben spricht von einer besorgniserregenden Entwicklung: "Hochgerechnet beträgt die Anzahl an Lithiumbatterien im Restmüll jährlich rund 17 Millionen Stück. Das ist für die Abfallwirtschaft eine Katastrophe."

Besonders auffällig sei der starke Anstieg von Brandereignissen in den vergangenen beiden Jahren. Gleichzeitig hätten Branddauer, betroffene Abfallmengen und Schadenssummen neue Höchstwerte erreicht. 

Niedrige Sammelquote trotz steigender Verbreitung

Lithiumbatterien spielen bei Geräten des täglichen Gebrauchs eine immer größere Rolle. Ihr Anteil an allen in Verkehr gesetzten Gerätebatterien lag 2024 bereits bei rund 46,5 Prozent. Die Sammelquote erreichte jedoch lediglich rund 13 Prozent. 

Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) sieht darin ein erhebliches Risiko für die Branche. "Falsch entsorgte Lithiumbatterien sind eine tickende Zeitbombe für unsere Beschäftigten, für die Umwelt, für den Fortbestand ganzer Betriebe und für die Entsorgungssicherheit in Österreich", warnt die VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly

Allein im vergangenen Jahr wurden laut VOEB 36 größere Brandereignisse in Betrieben der Abfall- und Ressourcenwirtschaft dokumentiert. 

Forscher:innen sehen Handlungsbedarf 

Besonders häufig fanden die Wissenschaftler:innen im Restmüll Einweg-E-Zigaretten, Spielzeug, elektrische Zahnbürsten, Akkugeräte sowie kleine Elektrogeräte mit fest verbauten Lithium-Ionen-Akkus. 

Die Ergebnisse würden laut Nigl zeigen, dass die bestehende getrennte Sammlung von Batterien und Elektrogeräten derzeit nicht ausreiche, um die steigenden Risiken wirksam einzudämmen. Ohne zusätzliche Maßnahmen sei angesichts der weiter zunehmenden Zahl von Produkten mit Lithiumbatterien mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen. 

Die Forscher:innen empfehlen daher eine Ausweitung der getrennten Sammlung, verstärkte Informationskampagnen, regulatorische Maßnahmen, insbesondere bei Einweg-E-Zigaretten, eine stärkere Einbindung der Hersteller sowie eine laufende Risikoüberwachung. 

"Lithiumbatterien zählen mittlerweile zu den zentralen Sicherheitsrisiken der österreichischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft, mit wachsenden wirtschaftlichen Folgen durch steigende Schäden und Versicherungskosten. Ein koordiniertes Vorgehen von Politik, Herstellern, Sammelsystemen und Abfallwirtschaft ist daher unerlässlich", so Nigl. 

VOEB fordert Anreize für die Rückgabe

Der VOEB spricht sich angesichts der Entwicklung für finanzielle Anreize bei der Rückgabe von Lithiumbatterien aus. Nach Ansicht des Verbands könnten Cashback-Modelle dazu beitragen, Fehlwürfe zu reduzieren und die Sammelquote zu erhöhen. Zudem verweist die Branche auf die europäischen Zielvorgaben. Bis 2030 muss die Sammelquote für Gerätebatterien auf 73 Prozent steigen. Derzeit liegt laut den Expert:innen Österreich bei rund 53 Prozent. Eine höhere Rücklaufquote würde nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Wiedergewinnung wertvoller Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan unterstützen. 

www.voeb.at

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