Gastkommentar von Birgit Streibel-Lobner
Warum KI menschliche Führung wichtiger macht denn je

| Redaktion 
| 08.06.2026

Ein Gastkommentar von Unternehmens- und Imageberaterin Birgit Streibel-Lobner, Inhaberin von Streibel Consulting.

Ich arbeite mein gesamtes Berufsleben mit und für Menschen. Führung, Zusammenarbeit und zwischenmenschliche Dynamiken begleiten mich seit vielen Jahren – als Expertin für Führungskommunikation, Imageberaterin und Erwachsenentrainerin.

Dass ich heute über KI-Bots und die Zukunft der Arbeitswelt schreibe, hätte ich mir vor einiger Zeit selbst kaum vorstellen können. Und ja: Manchmal fühlt es sich für mich ein wenig surreal an.

Und dennoch habe ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Ich habe Veranstaltungen besucht, Impulse aufgenommen, unterschiedliche Perspektiven gehört und mich bewusst gefragt, was diese Entwicklung für uns bedeutet. Nicht aus reiner Technikbegeisterung, sondern aus einer viel grundsätzlicheren Frage heraus: Was bedeutet künstliche Intelligenz und KI-Bots für die Arbeit mit Menschen?

Vom Werkzeug zum Teammitglied

Viele von uns haben inzwischen Erfahrungen im Umgang mit KI-Werkzeugen gesammelt. Was vor kurzer Zeit noch als Experiment galt, ist heute in vielen Bereichen bereits gelebte Praxis.

Doch genau an diesem Punkt beginnt bereits die nächste Entwicklungsstufe:
KI bleibt nicht länger nur ein Werkzeug, das auf Knopfdruck reagiert. Sie wird zunehmend zu einem aktiven Bestandteil unseres Arbeitsalltags. KI-Bots sind digitale, auf künstlicher Intelligenz basierende Systeme, die Aufgaben eigenständig bearbeiten, Informationen analysieren und auf Basis von Daten Vorschläge oder Ergebnisse liefern.

Das verändert die Art, wie wir arbeiten, grundlegend. Während KI zunächst vor allem dazu eingesetzt wurde, einzelne Aufgaben effizienter zu erledigen, wird sie nun Teil ganzer Prozesse. Wir nutzen KI also nicht mehr nur – wir arbeiten zunehmend mit ihr zusammen.

Somit entstehen neue Formen der Zusammenarbeit: hybride Teams aus Menschen und KI-Bots, die digitalen Mitarbeiter.

Zusammenarbeit neu denken heißt Rollen neu definieren

Damit verändert sich auch die Rolle des Menschen. Routineaufgaben treten stärker in den Hintergrund, während Einordnung, Bewertung und Verantwortung an Bedeutung gewinnen.

Denn so leistungsfähig KI auch ist: Sie trifft keine Entscheidungen im menschlichen Sinn. Sie verfügt über keine Lebenserfahrung, keine Intuition, kein echtes Verständnis für zwischenmenschliche Zwischentöne. Sie kann Informationen verarbeiten, Muster erkennen und Vorschläge machen. Aber sie übernimmt keine Verantwortung.

Genau hier bleibt der Mensch unverzichtbar. Und genau hier wird Führung wichtiger denn je.

Klarheit wird zur Schlüsselkompetenz

Was in der Zusammenarbeit mit KI besonders deutlich wird, ist etwas, das wir auch aus der Arbeit mit Menschen kennen: Unklare Kommunikation führt zu unklaren Ergebnissen.

KI-Bots funktionieren nur dann wirklich gut, wenn Aufgaben klar formuliert, Ziele präzise definiert und Erwartungen eindeutig beschrieben werden. Vage Anweisungen führen zu vagen Resultaten. Das gilt für Maschinen und, wenn wir ehrlich sind, genauso für Menschen.

Deshalb wird Klarheit zu einer der wichtigsten Kompetenzen unserer Zeit. Wir müssen lernen, noch strukturierter zu denken, präziser zu formulieren und bewusster zu kommunizieren.

Und das gilt nicht nur für Führungskräfte. Auch Mitarbeitende übernehmen zunehmend Führungsverantwortung gegenüber KI-Bots. Wer mit KI arbeitet, muss sie orchestrieren – sprich, sie anleiten, hinterfragen, korrigieren und Ergebnisse einordnen. Jeder wird damit ein Stück weit zum Führenden im Umgang mit Technologie.

Führung bleibt – aber sie verändert ihren Kern

Hier entsteht die Brücke zwischen klassischer Führung und der Führung von morgen. Ich bin überzeugt: Was gute Führung immer ausgemacht hat, bleibt bestehen. Orientierung geben. Klarheit schaffen. Entscheidungen treffen. Verantwortung übernehmen.

Doch die Art und Weise, wie diese Aufgaben erfüllt werden, verändert sich.

Klassische Führung war lange Zeit stark von Wissensvorsprung, Kontrolle und Erfahrung geprägt. In einer Arbeitswelt mit KI verschiebt sich dieser Schwerpunkt. Führungskräfte führen in Zukunft Teams und Team Player führen KI-Bots. Und hier liegt die neue Herausforderung.

Unsicherheit gehört zur neuen Realität

Die Brücke zwischen der bisherigen und der zukünftigen Arbeitswelt ist keine Abkehr von allem, was war. Sie ist eine Weiterentwicklung.

Wer heute bereits klar kommuniziert, reflektiert führt und Verantwortung übernimmt, bringt wesentliche Voraussetzungen mit. Ergänzt werden diese Fähigkeiten durch die Bereitschaft, mit Unsicherheit – auch im Team – umzugehen, technologische Entwicklungen einzuordnen und eine bewusste Balance zwischen Menschen und Maschine zu gestalten.

So entsteht eine neue Form von Führung: weniger geprägt von Hierarchie und Kontrolle, stärker getragen von Orientierung, Reflexion, Vertrauen und Haltung.

Führung entscheidet, wie wir mit KI arbeiten – nicht umgekehrt

Aus meiner Sicht geht es nicht nur um Technologie. Es geht um Haltung.

Darum, wie wir Verantwortung übernehmen. Wie wir Orientierung geben. Wie wir miteinander kommunizieren. Und wie wir den Menschen in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt bewusst im Mittelpunkt halten.

Jetzt ist der Moment, sich nicht nur mit KI auseinanderzusetzen, sondern gezielt humane Fähigkeiten zu stärken: klarer zu kommunizieren, präziser zu führen, bewusster zu entscheiden und den menschlichen Teamspirit aktiv zu fördern.

Die Zukunft entsteht nicht von selbst.

Wir gestalten sie – jeden Tag, in jeder Entscheidung.

www.streibel-consulting.at


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