Die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich ist auch 2025 von einem schwierigen Umfeld geprägt gewesen. Dennoch zeigt die am Dienstag veröffentlichte Analyse der UniCredit Bank Austria – "UniCredit Bank Austria Volkswirtschaft Bundesländeranalyse 2025 und Ausblick 2026" – erste Hinweise auf eine Stabilisierung der Konjunktur. Nach den schwachen Vorjahren hätten sich vor allem Industrie und Handel wieder etwas belebt, auch wenn das Wachstum insgesamt weiterhin verhalten geblieben sei.
"Nach zwei schwachen Jahren befand sich die Konjunktur 2025 in einer Phase der Bodenbildung. Vor allem die Industrie, aber auch der Handel lieferten wieder erste positive Impulse, auch wenn die Dynamik insgesamt gering blieb", sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.
Tirol an der Spitze des Bundesländervergleichs
Mit einem realen Wirtschaftswachstum von rund 1,9 Prozent entwickelte sich Tirol 2025 zum wachstumsstärksten Bundesland Österreichs. Ausschlaggebend dafür war laut Analyse weniger der Tourismus als vielmehr die vergleichsweise stabile Industriekonjunktur sowie ein im Vergleich zu anderen Regionen robusterer Bausektor. Auf Platz zwei folgte Wien mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent.
Wirtschaftswachstum in den Bundesländern 2025 © UniCredit/Statistik Austria
Dahinter reihten sich die Steiermark mit 0,6 Prozent und Vorarlberg mit 0,5 Prozent ein. Salzburg und Niederösterreich erreichten jeweils 0,4 Prozent, das Burgenland kam auf 0,3 Prozent. Oberösterreich stagnierte mit -0,2 Prozent nahezu, während Kärnten mit einem Rückgang von rund -0,9 Prozent das schwächste Ergebnis aller Bundesländer verzeichnete.
Robert Schwarz, Ökonom der UniCredit Bank Austria, verweist auf die anhaltenden Unterschiede zwischen den Regionen. Bundesländer mit stabiler Industrie und einer vergleichsweise robusten Entwicklung im Bauwesen hätten 2025 stärker expandieren können. Gleichzeitig sei die Dynamik in vielen Industrieregionen trotz erster Erholungsschritte weiterhin begrenzt geblieben.
Industrie findet langsam zurück auf Wachstumskurs
Nach zwei Jahren rückläufiger Entwicklung konnte die Industrie 2025 erstmals wieder leicht zulegen. In mehreren Bundesländern stieg die industrielle Wertschöpfung moderat an. Vor allem technologieintensive Branchen wie die Pharmaindustrie und die Elektronikproduktion wirkten stabilisierend.
Von einer nachhaltigen Trendwende könne allerdings noch nicht gesprochen werden. Die Entwicklung sei weiterhin stark von der internationalen Nachfrage abhängig geblieben und habe insgesamt nur geringe Dynamik entfaltet.
Bauwirtschaft bleibt Sorgenkind
Während die Industrie erste positive Signale sendete, blieb die Bauwirtschaft weiterhin unter Druck. Insbesondere der Wohnbau litt unter hohen Baukosten und gestiegenen Finanzierungskosten, wodurch die Nachfrage gedämpft wurde. "Die gedämpfte Nachfrage im Wohnbau aufgrund hoher Baukosten und höherer Finanzierungskosten belastete die Baukonjunktur auch 2025 deutlich", sagt Schwarz.
Dienstleistungen stützen die regionale Wirtschaft
Als wichtigste Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung erwies sich erneut der Dienstleistungssektor. Öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen und Immobilienwirtschaft trugen in den meisten Bundesländern positiv zur Wertschöpfung bei.
Weniger günstig entwickelte sich hingegen der Bereich der wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Dieser habe weiterhin unter der schwachen Investitionstätigkeit und der nur verhaltenen Industriekonjunktur gelitten.
Positiv verlief dagegen die Entwicklung im Handel. Nach den Rückgängen der Vorjahre profitierte die Branche von einer leichten Stabilisierung der Konsumnachfrage und konnte wieder zulegen.
Tourismus mit mehr Gästen, aber geringeren Effekten
Die Tourismusbranche verzeichnete 2025 erneut steigende Nächtigungszahlen. Besonders Tirol, Salzburg und Wien profitierten von einer hohen Nachfrage. Die Zahl der Übernachtungen entwickelte sich weiterhin positiv und blieb auf hohem Niveau.
Die gestiegenen Kosten begrenzten jedoch die wirtschaftlichen Effekte. Der Zuwachs der realen Wertschöpfung fiel vergleichsweise schwach aus, weshalb der Tourismus in den meisten Bundesländern keinen nennenswerten Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten konnte.
Arbeitslosigkeit steigt in allen Bundesländern
Am Arbeitsmarkt setzte sich die schwierige Entwicklung fort. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich 2025 bereits das zweite Jahr in Folge in allen Bundesländern. Besonders stark fiel der Anstieg in den industriell geprägten Regionen aus. Tourismus- und dienstleistungsorientierte Bundesländer entwickelten sich vergleichsweise stabiler.
Insgesamt blieb die Lage angespannt, da die wirtschaftliche Erholung noch nicht stark genug war, um eine nachhaltige Entspannung am Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Moderate Erholung im Jahr 2026 erwartet
Für 2026 prognostiziert die UniCredit Bank Austria ein österreichweites Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Die Verbesserung der Konjunktur dürfte sich fortsetzen, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Die Industrie werde ihre Erholung schrittweise fortsetzen und wieder positiv zum Wachstum beitragen, während der Dienstleistungssektor die wichtigste Stütze bleiben dürfte.
Kärnten könnte zum Aufholer werden
Besonders gute Perspektiven sehen die Ökonomen für Kärnten, Wien und Tirol. Für Wien und Tirol wird jeweils ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent erwartet. Beide Bundesländer würden weiterhin von ihrer starken Dienstleistungsorientierung profitieren. Darüber hinaus bilde der pharmanahe Industriebereich in beiden Regionen ein wichtiges Fundament für die wirtschaftliche Entwicklung.
"Wir erwarten, dass insbesondere Oberösterreich und vor allem Kärnten im Jahr 2026 merklich aufholen", so Schwarz. Mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 1,4 Prozent könnte Kärnten 2026 sogar die Spitzenposition unter den Bundesländern einnehmen. Als wesentlicher Treiber werden Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz genannt. Nach Einschätzung der Ökonomen sollten im kommenden Jahr alle Bundesländer wieder ein positives Wirtschaftswachstum erreichen können.
Arbeitsmarkt dürfte sich nur langsam stabilisieren
Auch am Arbeitsmarkt wird keine rasche Trendwende erwartet. Die Arbeitslosigkeit dürfte sich im Verlauf des Jahres zwar stabilisieren, ein deutlicher Rückgang sei jedoch vorerst nicht in Sicht. Lediglich in Oberösterreich und Kärnten werde ein leichter Rückgang der durchschnittlichen Arbeitslosenquote erwartet.
Regionale Arbeitslosenquote 2025/26 © Amis Datenbank/Statistik Austria/UniCredit
Nach einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent im Jahr 2025 rechnen die Experten für Österreich im Jahr 2026 mit einem Wert von 7,5 Prozent.
Geopolitische Risiken bleiben Belastungsfaktor
Trotz der verbesserten Aussichten sehen die Ökonomen weiterhin erhebliche Unsicherheiten. Die Entwicklung der US-Zollpolitik sowie geopolitische Spannungen im Nahen Osten könnten die internationale Nachfrage beeinträchtigen und damit insbesondere exportorientierte Bundesländer belasten.
"2026 rechnen wir mit der Fortsetzung der leichten Erholung. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern werden aufgrund der unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen weiterhin deutlich bestehen", so Bruckbauer abschließend.
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