KI-Boom verändert die Spielregeln
Warum trotz Rekordinvestitionen vielen Unternehmen Kapital fehlt

Trotz weltweit beispielloser Kapitalflüsse wird Wachstumskapital für viele Firmen schwer zugänglich. Advicum Consulting sieht dahinter einen Strukturwandel, bei dem Investor:innen zunehmend auf skalierbare KI- und Deep-Tech-Modelle setzen. 

Historische Höchststände bei Venture-Capital-Investitionen sorgen nicht automatisch für bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Advicum Consulting beobachtet einen Strukturwandel, bei dem Investor:innen verstärkt auf skalierbare KI- und Deep-Tech-Modelle setzen.

Kapital konzentriert sich auf wenige Zukunftsmodelle

Das weltweite Venture-Capital-Volumen hat im ersten Quartal 2026 mit 330,9 Milliarden US-Dollar einen historischen Höchststand erreicht. Dennoch sei die Finanzierungssituation vieler Unternehmen weiterhin angespannt. Laut Advicum Consulting liege der Grund dafür weniger in fehlendem Kapital als vielmehr in einer veränderten Investitionslogik.

"Wer nur auf die Volumina blickt, übersieht den eigentlichen Wandel", sagt Daniel Knuchel, Equity Partner bei Advicum Consulting. Das Kapital sei nicht breiter geworden, sondern deutlich stärker fokussiert. Den Zahlen zufolge entfällt ein erheblicher Teil der weltweiten Investitionsvolumen auf wenige große US-Unternehmen. Besonders gefragt seien Firmen, die auf Large Language Models und künstliche Intelligenz setzen. Knuchel erklärt, Kapital folge heute vor allem Unternehmen mit nachvollziehbaren Wachstumsperspektiven und klaren Zukunftsaussichten. 

Banken stoßen bei Wachstumsfinanzierung an Grenzen

Nach Einschätzung von Advicum Consulting bleibt auch das klassische Finanzierungssystem eine Herausforderung für innovative Unternehmen. Banken würden in erster Linie vergangenheitsbezogene Kennzahlen und historische Cashflows bewerten, während Wachstumsunternehmen vor allem auf zukünftige Potenziale angewiesen seien. 

"Wer heute allein mit Bankkrediten skalieren will, kämpft oft mit Werkzeugen von gestern gegen die Herausforderungen von morgen", so Knuchel. Gerade in frühen Entwicklungsphasen sowie bei der Skalierung fehle es häufig an geeigneten Finanzierungsinstrumenten und strategischer Begleitung.

KI entwickelt sich zur zentralen Infrastruktur

Advicum beobachtet zudem, dass Investor:innen verstärkt auf technologische Infrastruktur setzen. Im Mittelpunkt steht dabei künstliche Intelligenz "KI ist kein Trend mehr, sondern der neue Unterbau industrieller Wertschöpfung", so Knuchel. 

Neben klassischen Softwarelösungen würden insbesondere Deep-Tech-Bereiche wie Robotics, Defense-Tech, Energieinfrastruktur und industriegetriebene KI-Anwendungen stärker in den Fokus rücken. Investor:innen würden laut Advicum weniger nach einzelnen Produkten suchen, sondern nach langfristig tragfähigen Geschäftsmodellen mit belastbaren Skalierungsperspektiven. 

Strategie und Finanzierung müssen zusammen gedacht werden

Advicum Consulting sieht in dieser Entwicklung für österreichische Unternehmen sowohl Risiken als auch Chancen. Entscheidend sei, Finanzierung und strategische Ausrichtung frühzeitig miteinander zu verbinden. "Finanzierung ohne Strategie verbrennt Geld, Strategie ohne Finanzierung verhungert", erklärt Knuchel.

Unternehmen müssten verstärkt alternative Finanzierungsformen nutzen und öffentliche Fördermöglichkeiten gezielt einsetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Innovation könne dabei nachhaltiges Wachstum absichern und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die zentrale Herausforderung bestehe laut den Expert:innen von Advicum darin, Zukunftsfähigkeit glaubwürdig und rasch am Markt sichtbar zu machen. 

"Die gute Nachricht ist: Kapital ist da", sagt Knuchel und ergänzt abschließend: "Aber es gehört denen, die ihre Zukunftsfähigkeit glaubwürdig und schnell auf den Markt bringen."

Hier geht es zum KPMG "Venture Puls Q1 2026" Bericht.  

www.advicum.com

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