"Internet of Trees"
Am Zentralfriedhof melden junge Bäume jetzt per Sensor ihren Wasserbedarf

Im Rahmen des Projekts "Internet of Trees" testen die Wiener Stadtwerke derzeit gemeinsam mit mehreren Partnern, wie digitale Messdaten bei der Bewässerung von Jungbäumen helfen können. Ziel ist es, diese besser durch Hitzeperioden zu bringen und Ressourcen effizienter einzusetzen.

Hitze, Trockenheit und urbane Wärmeinseln werden für Städte zunehmend zur Belastungsprobe. Eine wichtige Rolle im Kampf gegen diese Entwicklung spielen Bäume: Sie spenden Schatten und kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung, verbessern dabei die Luftqualität und können zusätzlich Lärm reduzieren. Damit sie diese Wirkung langfristig entfalten können, müssen sie allerdings selbst gut durch die ersten Jahre kommen. Gerade Jungbäume sind in Hitzeperioden besonders anfällig für Trockenstress und können absterben, bevor sie ausreichend widerstandsfähig sind. Während andere Städte bereits auf digitale Lösungen setzen – in München etwa melden einige Bäume selbstständig per KI ihren Wasserbedarf (LEADERSNET berichtete) –, wird nun auch in Wien an einer smarten Bewässerungslösung gearbeitet.

Daten sollen beim Gießen helfen

Unter dem Namen "Internet of Trees" erproben die Wiener Stadtwerke im Auftrag der Aspern Smart City Research (ASCR) gemeinsam mit der Stadt Wien, Wien 3420 und Mobiles Grün aktuell, wie Jungbäume mithilfe von Messdaten besser versorgt werden können. Aus der Wiener Stadtwerke-Gruppe ist unter anderem Wien Energie in das Projekt eingebunden.

Konkret werden Sensoren im Bereich der Wurzeln eingesetzt. Sie erfassen, wie trocken oder feucht der Boden ist, und liefern damit Hinweise darauf, wann ein Baum Wasser benötigt. Übertragen werden die Messwerte per LoRaWAN, einer stromsparenden Funktechnologie für kleine Datenmengen über größere Distanzen. Ziel ist es, nicht pauschal, sondern möglichst bedarfsgerecht zu bewässern. Das soll Jungbäumen helfen, die kritische Anwachsphase zu überstehen, und zugleich Wasser sowie Arbeitsaufwand effizienter einsetzen.

Praxistest am Zentralfriedhof mit vier Modellen

Das Projekt wurde zunächst mit einem Vergleichstest vorbereitet. Aus 18 ausgewählten Sensormodellen wurden im Herbst 2024 insgesamt 50 Geräte auf einem Testfeld eingesetzt. Dabei ging es unter anderem um Messgenauigkeit, technische Robustheit, Kosten und die Frage, wie gut sich die gelieferten Daten weiterverarbeiten lassen. Nach dieser Vorauswahl blieben vier Modelle übrig. Statt eines klaren Siegers zeigte sich, dass die Geräte je nach Standort und Einsatzart unterschiedliche Vorteile haben. Während manche Sensoren etwa besonders einfach wieder entfernt werden können, eignen sich andere besser für bestimmte Bodentiefen oder längerfristige Messungen.

In der aktuellen Projektphase werden die vier Systeme nun unter realen Bedingungen getestet. An den jeweiligen Standorten kommen jeweils zwei Modelle zum Einsatz, damit die Daten über den Sommer 2026 miteinander verglichen werden können. Einer der Teststandorte befindet sich am Wiener Zentralfriedhof. Dort wurde eine Fläche mit jungen Bäumen und Sensoren ausgestattet, die künftig zum fünften Waldfriedhof auf dem rund 2,5 Quadratkilometer großen Areal werden soll. Bis dort Naturbestattungen möglich sind, wird es voraussichtlich rund zehn Jahre dauern. Die Sensorik soll allerdings nur während jener Phase eingesetzt werden, in der die Jungbäume besonders empfindlich sind. Nach rund zwei bis drei Jahren sollte diese Anwachsphase abgeschlossen sein. Danach könnten die Geräte entfernt und an anderen Standorten erneut verwendet werden.

Entscheidung nach dem Sommer

Bisher wurden im Rahmen des Projekts 314 Sensoren eingesetzt, einschließlich jener aus der ersten Testphase. Ende des Jahres sollen die gesammelten Daten ausgewertet werden. Danach entscheiden die Projektpartner, ob und in welcher Form die Lösung künftig breiter eingesetzt wird. Parallel dazu wird das LoRaWAN-Netz in Wien weiter ausgebaut: Bis Ende 2028 sollen rund 500 Funkstandorte entstehen, bereits jetzt sind laut Wiener Stadtwerken rund 40.000 entsprechende Sensoren im Einsatz.

Mehr Informationen zum Projekt können Sie hier nachlesen.

www.wienerstadtwerke.at

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