In Wien-Döbling wurde ein markantes Zeichen für den städtischen Wandel gesetzt: Der ehemalige APA-Tower, der über zwei Jahrzehnte ungenutzt blieb, präsentiert sich nun als Träger des größten Wandgemäldes Österreichs. Auf einer Fläche von 1.100 Quadratmetern schuf der international renommierte Streetart-Künstler Okuda San Miguel das Werk "In Equality". Das 52 Meter hohe Monument dient nicht nur als optischer Fixpunkt im Rahmen des Eurovision Song Contest-Offstage-Programms, sondern markiert gleichzeitig den Beginn einer umfassenden Transformation des 2,5 Hektar großen Areals Gunold Süd.
Zusammenarbeit für ein neues Stadtbild
Das Projekt resultiert aus einer Kooperation zwischen der Stadt Wien, dem Grundstückseigentümer Buwog und der Streetart-Organisation Calle Libre. Innerhalb von drei Wochen wurden unter Verwendung von 800 Litern Farbe und 830 Spraydosen Botschaften von Buntheit, Toleranz und Offenheit visualisiert. Das Vorhaben versteht sich als visuelles Manifest, das den Startschuss für die Entwicklung von attraktivem Wohnraum, neuen Arbeitsplätzen sowie Grün- und Erholungsflächen gibt.
"Mit viel Farbe und ESC-Musik unserer U-Bahn-Stars haben wir den Tower heute sanft aus dem 21-jährigen Schlaf geholt. Wir freuen uns, dass das beeindruckende Bild zugleich der Beginn der Stadtentwicklung ist“, erklärte Stadträtin Ulli Sima. Sie betonte zudem, dass die Bürger:innen wie bei allen Planungsetappen von Anfang an die Möglichkeit hätten, sich mit ihren Ideen einzubringen.
Auch vonseiten der Buwog wird die gesellschaftliche Relevanz unterstrichen. Geschäftsführer Andreas Holler hielt fest: "Die Buwog versteht sich seit jeher als Förderin von Kunst und Kultur, deshalb ist es uns eine große Freude, hier am Standort Heiligenstadt gemeinsam mit der Stadt Wien und Calle Libre einem Künstler und zugleich gesellschaftlich relevanten Themen eine Plattform zu geben.“ Man sei außerdem stolz darauf, die Zukunft des Wiener Stadtbildes gemeinsam mit engagierten Bürger:innen mitzugestalten.
Städtebauliche Qualität und Partizipation
Für die NEOS-Abgeordnete Selma Arapović fungiert die künstlerische Gestaltung als klarer Auftakt für das Areal. Entscheidend sei es nun, diesen Impuls in eine qualitätsvolle Stadtentwicklung zu übersetzen. Durch die frühzeitige Einbindung der Bevölkerung werde die Grundlage für ein Quartier geschaffen, das sowohl funktional überzeuge als auch hohe Ansprüche an Architektur und Klimaanpassung erfülle.
Bezirksvorsteher Daniel Resch merkte an, dass der nun sichtbare Aufbruch erst der Anfang der Entwicklungen sei. Er blicke der Zeit entgegen, in der die Wandfarbe in zukünftig belebten und bewirtschafteten Gebäuden innerhalb des Quartiers ihre Fortsetzung fände. Mahboobeh Bayat, stellvertretende Bezirksvorsteherin von Döbling, bezeichnete das Projekt als kraftvolles Symbol für Zusammenhalt und Vielfalt, welches zeige, dass vieles besser werden könne.
V.l.n.r.: Andreas Holler, Ulli Sima, Selma Arapović und Jakob Kattner © Stadt Wien/Christian Fürthner
Künstlerisches Konzept: "In Equality"
Der spanische Künstler Okuda San Miguel realisierte mit diesem Projekt sein erstes Werk auf einer Fassade in Österreich. Seine Komposition ist geprägt von Farbe, abstrakter Geometrie und Dekonstruktion. Der Titel "In Equality“ zielt darauf ab, Aufmerksamkeit auf gesellschaftliche Strukturen und geschlechtsspezifische Lebensrealitäten zu lenken. Jakob Kattner, Kurator und Vorstandsvorsitzender von Calle Libre, wies darauf hin, dass die Wahl des ehemaligen APA-Turms bewusst getroffen wurde: Wo früher Nachrichten produziert wurden, trage nun eine Fassade eine Botschaft in den öffentlichen Raum. Im Rahmen des ESC erhalte diese Verbindung zusätzliche Sichtbarkeit.
Der Künstler Okuda San Miguel ergänzte: "Beim Projekt ‚In Equality‘ bildet die Architektur des APA-Turms den Ausgangspunkt, wobei die Form des Gebäudes einen visuellen Dialog mit seiner Umgebung schafft. Ich lade die Bevölkerung dazu ein, den städtischen Raum damit aus einer neuen, lebendigen und spannenden Perspektive zu betrachten.“
Am 7. Mai 2026 startete offiziell die Bürgerbeteiligung vor Ort. In weiteren Formaten sowie über ein Online-Portal haben Interessierte die Möglichkeit, Anregungen und Vorschläge für das künftige Stadtquartier Gunold Süd einzubringen.
www.buwog.at
www.wien.gv.at
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