"Bloom"
Blume persönlich

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 12.08.2026

Die neue Ausstellung in Schloss Trautenfels mit dem Titel "Blume persönlich" betrachtet die Blume als sensibles und lebendiges Gegenüber

Die neue Sonderausstellung Blume persönlich entfaltet einen vielschichtigen Dialog, der die Blume aus kulturhistorischer, naturwissenschaftlicher und künstlerischer Perspektive beleuchtet. Als sinnliches und kulturelles Phänomen des Alltags rückt sie dabei die Beziehung zwischen Mensch und Blume in den Mittelpunkt. Die Schau ist Teil des Themenschwerpunkts Bloom im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz und ist eine von insgesamt zehn Ausstellungen.

Die Blume ist weitaus mehr als ein ästhetisches Objekt, sie ist Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, politisches Symbol oder Ausdruck menschlicher Gefühle – von Liebe bis Trauer, von Hoffnung bis Vergänglichkeit. In der Ausstellung Blume persönlich eröffnen sieben Themenräume unterschiedliche Perspektiven auf Blumen. Dabei wird stets der Frage nachgegangen, wo und wie uns Blumen im Alltag begegnen – und wie wir sie mit allen Sinnen wahrnehmen.

"Die ausgewählten Objekte stammen aus einer überschaubaren Umgebung und stehen stellvertretend für die enorme Vielfalt von 'blumigen Erscheinungsformen', die den Menschen in seinem Lebensumfeld begleiten. Historische Objekte, persönliche Leihgaben und künstlerische Positionen laden Besucher:innen ein, die Ausstellung mit allen Sinnen wahrzunehmen und die eigene Beziehung zur Blume zu reflektieren. So entsteht ein Parcours durch eine vielschichtige 'Museums-Blumenwiese', die Objekte zwischen Kultur, Natur und Mensch verbindet und zum 'Weiterwachsen' konzipiert ist", fasst Katharina Krenn, Leiterin von Schloss Trautenfels und Kuratorin der Ausstellung, zusammen.

"Das Jahresthema Bloom hat es geschafft, die Häuser des Universalmuseums Joanneum miteinander zu verbinden und dabei wertvolle Synergien zu schaffen. Unterschiedliche Perspektiven auf die Blume treten in Dialog und eröffnen neue Zugänge für unsere Besucher:innen. Die Ausstellung "Blume persönlich" in Schloss Trautenfels lädt dazu ein, sich individuell und mit allen Sinnen anzunähern: Zahlreiche Objekte erzählen persönliche Geschichten und schaffen ein Angebot bei dem tatsächlich für jede und jeden etwas dabei ist", so Marko Mele wissenschaftlicher Direktor des Universalmuseums Joanneum.

Sieben Themenräume erzählen vom Aufblühen, von Blumenpersönlichkeiten und Vielfalt

Die Narzisse ist seit jeher in der Kulturgeschichte verankert: Sie erscheint in Mythen, Kunstwerken und literarischen Texten und wird häufig mit Frühling, Neubeginn, aber auch mit Selbstbezug und Vergänglichkeit assoziiert. Auch in der Gegenwart, nicht zuletzt durch Österreichs größtes Blumenfest, ist die Narzisse sehr populär und von Bedeutung für das Ausseerland. Ein Raum ist daher ganz dieser Blume gewidmet und eröffnet mit Illustrationen, Impressionen des Narzissenfests sowie einem Habitat-Display der Stern-Narzisse vielfältige Zugänge zu einer der bekanntesten Frühjahrsblumen.

Blume persönlich
Der Narzisse ist ein ganzer Raum gewidmet: Eine der bekanntesten Frühjahrsblumen, die nicht zuletzt wegen Österreichs größtem Blumenfest von besonderer Bedeutung ist © Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Ein Schwerpunkt liegt auf den heimischen Wiesenblumen: Sie sind optimal an ihre lokalen Lebensräume angepasst und leisten einen wichtigen Beitrag für die heimische Tierwelt. Ausgewählte "Pflanzenporträts" veranschaulichen die Vielfalt der Blütenpflanzen, ihre Lebensräume sowie ihre kulturellen Bedeutungen und erzählen von Mythen und Symbolik, etwa rund um das Gänseblümchen oder die Karthäusernelke. Im Zentrum steht eine audiovisuelle Installation, die Blüten in Bewegung zeigt und von Insektengeräuschen begleitet wird – eine immersive Inszenierung, die die visuelle, akustische und dynamische Vielfalt einer Blumenwiese unmittelbar erfahrbar macht.

Blütendüfte nehmen eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung von Pflanzen ein, sie dienen als Lockmittel für Insekten und ermöglichen damit eine erfolgreiche Vermehrung. Erstmals werden in dieser Ausstellung die wissenschaftlichen Arbeiten der Botanikerin und Expertin für Blütendüfte Marie-Louise Oschatz einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Das von ihr entwickelte Klassifikationssystem von Blütenduftfamilien und Blütengeruchsfamilien führt in die Welt dieser Düfte ein.

Die Ausstellung widmet sich zudem der kulturellen Dimension der Blumen: Sie erscheinen als symbolische Träger in Ritualen und Bräuchen, in denen sie Schutz, Identität oder Gemeinschaft repräsentieren. Das Sonnwendbüscherl etwa verweist auf eine traditionelle Praktik, bei der Pflanzen eine schützende oder segensbringende Funktion übernehmen. Bei dem in Stainach jährlich stattfindenden Glöcklerlauf zeigen zahlreiche Lichterkappen florale Motive als Teil festlicher Inszenierungen und kollektiver Identitätsstiftung.

Gleichzeitig sind sie Ausdruck persönlicher Beziehungen und finden sich als wiederkehrende Motive in Kunsthandwerk, Alltagskultur und Gestaltung wieder: Keramik, bäuerliche Möbel und dekorative Objekte zeugen davon.

Die biologische Vielfalt ist ein Fundament für menschliches Wohlergehen sowie alle Lebenssysteme – seit jeher wird versucht, diese zu erfassen. Was heute mit einer App schnell und einfach bestimmt werden kann, war früher ein aufwendiger Prozess: Botanisiertrommeln wurden etwa eigesetzt, um Pflanzen zu sammeln und geschützt transportieren zu können, ehe sie bestimmt wurden.

Kunstwerke von Klaus Gowald, Engelbert Radlingmayer und Josef Schiestl bieten eine künstlerische Perspektive auf das Verhältnis von Mensch und Natur. Insgesamt 12 Löwenzähne des Künstlers Thomas Stimm interpretieren das Pflanzenmotiv in reduzierter Formensprache und lenken den Blick auf strukturelle Eigenschaften von Pflanzen.

Blume persönlich
Auch künstlerische Arbeiten sind Teil der Ausstellung, unter anderem von Josef Schiestl, Klaus Gowald, Engelbert Radlingmayer © Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Künstlerische Interventionen verbinden alle Bloom-Ausstellungen

Power Flower Bells ist ein zeitgenössisches Kunstprojekt mit einer Klanginstallation aus miteinander kommunizierenden keramischen Klangkörpern. Die von Winfried Ritsch vom IEM und Ingolf Christian konzipierte Arbeit verbindet Netzwerkkunst, Klangkunst und Keramik und wird in Zusammenarbeit mit Schüler:innen Zweig "Keramik Art Craft" der Ortweinschule Graz und dem Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) umgesetzt.

Blume persönlich lädt dazu ein, genauer hinzusehen – auf Strukturen und Funktionen ebenso wie auf symbolische Bedeutungen. Im Zusammenspiel von Objekt, Bild und Erzählung eröffnet sich ein Raum, in dem die Blume nicht nur betrachtet, sondern neu gedacht werden kann: als sensibles und lebendiges Gegenüber in einer sich wandelnden Umwelt.

Blume persönlich.
Von Mythen, Symbolen, Duft und Liebe
Schloss Trautenfels, Trautenfels 1, 8951 Stainach-Pürgg

Laufzeit: bis 31. Oktober 2026, Di–So, feiertags, 10–17 Uhr, sowie Saison 2027
Kuratiert von Katharina Krenn unter Mitarbeit von Karin Hochegger, Marie-Louise Oschatz, Romana Rojer und Alexandra Trost
Gestaltung: Michael Pletz, Vonnebenan

www.schloss-trautenfels.at

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Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

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