Der neue ÖBB Railjet M ist erstmals öffentlich präsentiert worden. Siemens Mobility zeigte den für den inneralpinen Fernverkehr vorgesehenen Elektrotriebzug auf der internationalen Bahnmesse InnoTrans. Die Präsentation erfolgte nur wenige Tage, nachdem die ÖBB einen Milliardenauftrag für die Digitalisierung ihrer Sicherungstechnik unter anderem an Siemens Mobility vergeben haben (LEADERSNET berichtete). Nun rückt mit dem Railjet M eine weitere neue Zuggeneration in den Fokus. Sie soll mehr Kapazität und Komfort bieten und gleichzeitig durch neue Technologien eine hohe Verfügbarkeit erreichen. Die Aufnahme des regulären Betriebs ist für 2028 vorgesehen.
Grundlage für die neuen Fahrzeuge ist ein im Sommer 2023 abgeschlossener Rahmenvertrag. Die ÖBB haben insgesamt 100 Elektrotriebfahrzeuge auf Basis der Mireo-Plattform von Siemens bestellt. 31 davon werden in der Ausführung Railjet M geliefert.
ÖBB-Holding-CEO Andreas Matthä verweist in diesem Zusammenhang auf die steigende Nachfrage nach Bahnreisen. Die ÖBB würden deshalb konsequent in moderne Fahrzeuge mit zusätzlichen Kapazitäten investieren. Der Railjet M sei speziell für inneralpine Strecken entwickelt worden und solle den Fahrgästen mehr Kapazität, Qualität und Komfort bieten. "Gemeinsam mit starken Industriepartner:innen stellen wir so die Weichen für die zukünftige Generation an Zügen in Österreich", sagt Matthä.
Bis zu 160 km/h und digitale Selbstdiagnose
Technische Basis des rund 106 Meter langen Railjet M ist die Mireo-Plattform von Siemens Mobility. Der Elektrotriebzug erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und ist mit dem Zugsicherungssystem ETCS ausgestattet.
Eine wesentliche Rolle spielt die digitale Überwachung des Fahrzeugs. Durch eine kontinuierliche Selbstdiagnose sollen notwendige Wartungsarbeiten frühzeitig erkannt werden. Die entsprechenden Informationen können über eine sichere Funkverbindung direkt an die Servicestützpunkte übermittelt werden.
Neuer ÖBB Railjet M feiert Weltpremiere auf der InnoTrans © Siemens Mobility
Tanja Kienegger, Managing Director Siemens Mobility Austria, bezeichnet die Mireo-Züge als flexible Fahrzeuge, die sowohl im urbanen als auch im alpinen Raum sowie grenzüberschreitend eingesetzt werden könnten. "Gleichzeitig sind sie rollende Computer: Mit ihrer Diagnosefähigkeit werden sie hochverfügbar und besonders wirtschaftlich unterwegs sein."
Auch die Leichtbauweise der Züge soll zur wirtschaftlichen Effizienz beitragen. Sie reduziert laut Siemens den Energieverbrauch und soll zugleich die Infrastruktur schonen.
Technik aus Graz für den alpinen Einsatz
Für den Railjet M wurde das Fahrzeug auf Basis der Mireo-Züge als Einzelwagenkonzept weiterentwickelt. Ein Teil der dafür notwendigen Technik stammt aus Österreich: Die Fahrwerke wurden im Siemens-Weltkompetenzzentrum für Fahrwerke und Pantographen in Graz entwickelt.
Die gewichts- und bauraumoptimierte Konstruktion schafft zusätzlichen Platz im Innenraum, der für mehr Fahrgastkomfort genutzt werden kann. Gleichzeitig sollen die Fahrwerke die betriebliche Zuverlässigkeit und wirtschaftliche Effizienz der Züge auch unter den anspruchsvollen Bedingungen des alpinen Bahnverkehrs erhöhen.
Erprobung bei Frost, Schnee und Wind
Bevor die neue Zuggeneration in den regulären Betrieb geht, muss sie umfangreiche Tests absolvieren. Bereits im Frühjahr wurde der Railjet M im Klima-Wind-Kanal in Wien erprobt (LEADERSNET berichtete). Dabei war das Fahrzeug Temperaturen von bis zu minus 25 Grad Celsius sowie simuliertem Schneefall und hohen Windgeschwindigkeiten ausgesetzt.
Mit diesen Tests soll sichergestellt werden, dass der Zug auch bei strengem Frost und alpinen Wetterbedingungen zuverlässig funktioniert. Weitere Fahrzeuge dieser Bauart werden derzeit im Siemens-Testcenter Wegberg-Wildenrath getestet. Einige wichtige Meilensteine seien dort bereits erfolgreich absolviert worden.
257 Plätze und Raum für Fahrräder und Ski
Im Innenraum bietet der Railjet M Platz für insgesamt 257 Fahrgäste. Davon entfallen 27 Plätze auf die 1. Klasse und 188 auf die 2. Klasse. Zusätzlich stehen 42 Klappsitze zur Verfügung. Bei der Gestaltung wurde besonderer Wert auf Barrierefreiheit gelegt, so Siemens Mobility. Niederflureinstiege und Schiebetritte zur Überbrückung des Spalts zwischen Zug und Bahnsteig sollen den Ein- und Ausstieg erleichtern. Für Reisende mit größerem Gepäck oder Sportausrüstung sind in den unterschiedlichen Bereichen großzügige Gepäckregale vorgesehen.
Der Mehrzweckbereich verfügt über 14 Fahrradstellplätze. Darüber hinaus gibt es spezielle Halterungen für bis zu 54 Paar Ski oder Snowboards. Eine Catering-Zone mit Automaten für Snacks und Getränke ergänzt die Ausstattung.
Weitere Merkmale
Auch für Familien sind eigene Bereiche vorgesehen. Eine Family-Zone soll mit Kinderkino und Spielmöglichkeiten für Beschäftigung während der Fahrt sorgen.
Für die digitale Versorgung an Bord setzt der Railjet M auf mobilfunkdurchlässige Fenster und ein laut dem Unternehmen leistungsfähiges WLAN-System. Fahrgäste erhalten darüber auch Zugang zum Railnet-Portal.
Bis zum geplanten Betriebsstart 2028 steht für die neuen Fahrzeuge zunächst die weitere Erprobung im Mittelpunkt. Mit dem Railjet M wollen die ÖBB ihre Flotte für den inneralpinen Fernverkehr um Fahrzeuge erweitern, die zusätzliche Kapazitäten mit digitaler Zugtechnik und einer auf unterschiedliche Reisebedürfnisse ausgelegten Innenausstattung verbinden sollen.
www.oebb.at
www.siemens.com
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