LEADERSNET-AEHRE-KOOPERATION
Qualitätssiegel Roter Hahn – morgens Stall, nachmittags Berggipfel

Die neue aehre – das nachhaltige Businessmagazin – ist da. Im Rahmen der Kooperation zwischen LEADERSNET und aehre dürfen sich die Leser:innen dieses Mal auf einen Beitrag über Bauernhöfe als Urlaubsdestination der Zukunft freuen. 

LEADERSNET veröffentlicht regelmäßig Interviews, Porträts und Servicegeschichten von aehre. Dabei befasst sich das nachhaltige Businessmagazin stets mit einem der zentralen Themen der Gegenwart: Nachhaltigkeit, in all ihren Facetten von Environment über Social bis Governance, von Innovationen über Generationendiskurs bis zu Nachfolgethemen.

Nachdem es beim vergangenen Mal um Unternehmensnachfolge gegangen war, dreht sich dieses Mal alles um Urlaub mit Sinn. Der Bauernhof als Urlaubsdestination der Zukunft: Wie das Südtiroler Tourismus-Qualitätssiegel Roter Hahn die Sehnsucht Reisender nach Natur und Ursprünglichkeit stillt und gleichzeitig das Überleben von Bäuerinnen und Bauern sowie den Fortbestand bäuerlicher Kultur(landschaft) sichert.

 

Text: Sonja Planeta

Der Urlaubstag beginnt nicht am Frühstücksbuffet, sondern im Stall. Es riecht nach Tier, Heu und Mist statt nach Kaffee, Brot und Speck. Anstelle der Coffee-Tunes-Playlist erklingt ein Muhen und Mähen. Kinder in Gummistiefeln versorgen Kühe, Ziegen, Schafe und Hasen mit den ersten Streicheleinheiten des Tages. Später werden sie Apfelsaft zum Frühstück trinken, frisch gepresst am Hof, und abends wiederkommen, um der Bäuerin oder dem Bauern bei der Stallarbeit zu helfen.

»Roter Hahn steht für das, was echten Bauernhofurlaub ausmacht.«  
Daniel Gasser, Obmann Südtiroler Bauernbund

Urlaub auf dem Bauernhof ist kein neues Konzept, aber eines, das wieder an Relevanz gewinnt: nicht als kurzfristiger Trend, oberflächliches Greenwashing-Versprechen oder künstlich inszenierte Erlebniswelt, vielmehr – wie im Fall des Südtiroler Qualitätssiegels Roter Hahn – als zukunftsweisendes Modell mit wirtschaftlicher Substanz, das dem Erhalt bäuerlicher Kultur dient und Bauernfamilien ermöglicht, ganzjährig auf und von ihrem Hof zu leben. Denn bei Roter Hahn gelten klare Qualitätskriterien: keine Ferienwohnungen ohne Landwirtschaft, kein Tourismus ohne hofeigene Produktion und vor allem kein Bauernhof ohne Bäuerin und Bauer. "Bei uns müssen Landwirtin und Landwirt mehr Zeit im Stall als bei den Gästen verbringen. Das klingt paradox für ein Tourismusangebot, ist aber genau das, was echten Bauernhofurlaub ausmacht", so Daniel Gasser, Obmann des Südtiroler Bauernbundes.

Qualitätssiegel: Roter Hahn © Roter Hahn

Tourismus als Nebenerwerb

Dass das Modell funktioniert, zeigt ein Blick in die Geschichte. Bereits im 19. Jahrhundert begannen wohlhabende Bozner Familien, der Sommerhitze der Stadt in höhergelegenen Bergdörfern der Umgebung zu entfliehen. Urlaub auf dem Bauernhof war geboren – zuerst als Angebot für Einheimische, im Speziellen für das Bürgertum von Meran, Bozen und Brixen, später auch für Gäste aus Deutschland und dem restlichen Italien. 1998 gründete der Südtiroler Bauernbund das Qualitätssiegel Roter Hahn und ebnete damit den Weg für ein Urlaubsmodell der Zukunft – zu einer Zeit, in der zahlreiche Höfe von der Landwirtschaft allein längst nicht mehr leben konnten.

29.067 Betten gibt es für "Urlaub auf dem Bauernhof" in Südtirol insgesamt

Der Tourismus ist seither ihr zweites Standbein, aber nicht das dominierende. Er finanziert das Weiterbestehen von Kulturlandschaften, die ohne Bewirtschaftung verbuschen oder verschwinden würden, und hält die Wertschöpfung am Ort des Geschehens. Denn das zusätzliche Einkommen bleibt beim Hof, fließt in Gebäude und Infrastruktur, in die nächste Generation und in Investitionen, die der Landwirtschaft zugutekommen. Heute hat Südtirol mit insgesamt über 2.900 Betrieben (das sind rund 15 Prozent der Bäuerinnen und Bauern) die höchste Dichte an "Urlaub auf dem Bauernhof" in Europa.

35 Prozent Auslastungsplus innerhalb der letzten 10 Jahre

Über 1.700 Höfe in allen Regionen – vom Vinschgau bis in die Dolomiten, in Höhenlagen zwischen 200 und 1.900 Metern – sind Mitglied bei Roter Hahn und erwirtschaften über 3,7 Millionen Übernachtungen pro Jahr.

Tavolata. Gemeinsames Kochen als Erlebnis. © iStock

Eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass auf jedem Hof aktiv Landwirtschaft betrieben wird. Der Zeitaufwand dafür muss jenen für Gäste übersteigen, die Bewertung erfolgt nach festgelegten Tagschichten. Maximal fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmer sind erlaubt. Die Gäste werden von der Bauernfamilie persönlich betreut und dürfen, wenn sie möchten, auf dem Hof mithelfen. Ganzjährig wird ihnen mindestens ein Produkt aus hofeigener Erzeugung angeboten. Dadurch unterscheidet sich Roter Hahn von vielen anderen Tourismusangeboten: durch Echtheit, Ehrlichkeit, Authentizität, Nachhaltigkeit und bewusst kleine Strukturen.

8,5 Prozent "Urlaub auf dem Bauernhof"-Anteil am Südtiroler Gesamttourismus

Und genau darin liegt der Reiz für Gäste, die bereit sind, sich auf eine ungefilterte Realität einzulassen – eine Realität, die nicht nur auf sie ausgerichtet ist, jedoch als realer Ort im Gefüge der Landschaft existiert und Raum lässt für das, was moderne Reisende suchen: Individualität, Ursprünglichkeit, Naturverbundenheit und eine Auszeit vom Alltag.

Der Hof als Bühne

Mittlerweile umfasst die Dachmarke Roter Hahn neben Urlaub auf dem Bauernhof vier weitere Säulen: "Bäuerliche Schankbetriebe", "Qualitätsprodukte vom Bauern", "Bäuerliches Handwerk" und die "Roter Hahn Kochschule". Ein System, das Produktion, Verarbeitung und Erlebnis miteinander verbindet und die bäuerliche Kultur Südtirols erlebbar macht. In jeder Kategorie sorgen strenge Kriterien und regelmäßige Kontrollen für hohe Standards. So müssen beispielsweise die Zutaten für hofeigene Produkte zu mindestens 75 Prozent aus der eigenen Landwirtschaft stammen, maximal 25 Prozent können von einem anderen Hof in Südtirol zugekauft werden. In bäuerlichen Schankbetrieben stammen über 30 Prozent der Produkte vom eigenen Hof und Feld, auf den Speisekarten steht ausschließlich Hausgemachtes.

Sehnsuchtsort. Urlaub auf dem Bauernhof wird zum zukunftsweisenden Modell © Roter Hahn

Was das Modell aber wirklich trägt, sind die Menschen dahinter. Bäuerinnen und Bauern, Winzer:innen und Brenner:innen, die ihre Gäste einladen, Teil eines Alltags zu werden, der seit Generationen gelebt wird. Am Feldhof in Terlan bewirtschaften Gaby und Christian Turner auf 3,5 Hektar 12.500 Apfelbäume. Seit fast 60 Jahren werden hier Urlauber:innen inmitten einer eindrucksvollen Bergkulisse empfangen. Tochter Evi gibt Pilates-Stunden vor Ort, Oma Hildegard kümmert sich um Kräutergarten und Frühstück. Gaby und Christian sind zudem ausgebildete Mountainbike-Guides und nehmen Gäste wöchentlich kostenlos mit. Sechs Seilbahnen in der Umgebung bringen Bikes und Fahrer:innen mühelos bergwärts.

Gaby und Christian Turner. Ihr Feldhof schafft den Spagat zwischen Obstbau und Pilates © Feldhof

Im Knöspele in Brixen destilliert Martin Rastner in der modernsten Brennerei des Eisacktals aus Marillen, Äpfeln, Birnen und Weintrauben Brände und Liköre. Mit dem "Eisack Valley", dem ersten Eisacktaler Gin, schreibt er Brennereigeschichte.

Martin Rastner. Edelbrenner aus dem Eisacktal © Knöspele

In Nals im Etschtal führt Jutta Ebner, Kräuterpädagogin, Kneipp-Gesundheitstrainerin und Apfelsommelière, mit ihrem Bacherhof einen Kräuter- und Kneipp-Gesundheits-Bauernhof mit Naturbadeteich, Bauernbadl und Yogaraum. Ihr Mann Hubert, Obstbauer und Vollblutmusiker, kümmert sich um den biologischen Apfelanbau, Tochter Anna führt als Sommelière durch Verkostungen und gibt Yogastunden.

Jutta Ebner. Kräuterpädagogin, Kneipp-Gesundheitstrainerin und Apfelsommelière © St. Quirinus

In Sankt Quirinus oberhalb von Kaltern setzen Birgit und Robert Sinn auf ihrem Demeter-Weingut und ersten biozertifizierten Hof bei Roter Hahn auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten und experimentieren mit Amphorenweinen. Sohn Michael kreiert mit einer lokalen Brauerei das Fruchtbier "Lagrinus Sour" mit Lagrein-Traubenmost.

Demeter-Winzer. Robert Sinn mit Sohn Michael © bereitgestellt 

Und mit dem Großplonerhof in Lüsen führen Elisabeth und Martin Kaiser auf 1.000 Metern Seehöhe einen Viehbetrieb mit 50 Milchkühen, 25 Kälbern und vier Ferienwohnungen. Einmal pro Woche gibt es einen gemeinsamen Knödelabend. "Unsere Gäste sind meist echt interessiert und manchmal herrlich ahnungslos", lacht Elisabeth Kaiser. "Eine Familie hat einmal gefragt: Wie kann man sich so viel Arbeit antun? Und dann selbst die Antwort gegeben: weil es sinnerfüllt ist."

Elisabeth Kaiser. Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann den Großplonerhof in Lüsen. © Großplonerhof 

Urlaub mit Sinn

"Wir bringen Menschen ein Stück bäuerliche Südtiroler Lebensart näher", so der Leitsatz von Roter Hahn. Was einst aus klimatischer Notwendigkeit entstand, ist heute eine der vier tragenden Säulen der Landwirtschaft in Südtirol, gleichbedeutend mit der Weinwirtschaft. Auf die brennendsten Fragen Reisender – Was wollen wir erleben? Und wie viel davon ist echt? – liefert Roter Hahn keine theoretischen Antworten, sondern konkrete Wirklichkeit auf Südtiroler Bauernhöfen.

Reisen gilt als naturnah. Ungefilterte Realität statt künstlich inszenierte Erlebniswelt © iStock

Ein Konzept, das zeigt, dass Tourismus nicht zwangsläufig auf Wachstum, sondern auch auf Balance ausgelegt sein kann. Dass Qualität nicht durch Standardisierung entsteht, sondern durch Haltung. Und dass Nachhaltigkeit dann funktioniert, wenn sie wirtschaftlich tragfähig ist. Morgens im Stall, nachmittags auf dem Berg, abends bei bäuerlicher Küche. Erlebnisse, die man nicht bucht, sondern für sich entdeckt. Dazwischen familiäre Begegnungen und Gespräche, die bleiben. Womöglich ist genau das der Luxus, den wir in Zukunft auf Reisen suchen werden.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit finden Sie im nachhaltigen Businessmagazin aehre auf www.aehre.media und in der neuen Ausgabe, die am Kiosk oder auch online erhältlich ist.

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