WU-Studie
Was Wien zu einer lebenswerten Stadt macht

| Redaktion 
| 07.09.2026

Eine Studie der WU Wien untersuchte, welche Akteur:innen aus Sicht der Bevölkerung besonders zur Lebensqualität der österreichischen Hauptstadt beitragen. 

Wien gehört seit Jahren zu den Städten mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Doch welche Faktoren sind aus Sicht der Menschen dafür tatsächlich entscheidend? Forschende der WU Wien haben untersucht, welche Einrichtungen und gesellschaftlichen Akteur:innen die Bevölkerung mit einem lebenswerten Wien verbindet. Dabei zeigt sich: Kultur, Bildung, lokale Wirtschaft und Gesundheitsversorgung stehen besonders hoch im Kurs.

Lebensqualität aus Sicht der Bevölkerung

Im "Global Liveability Index" des Economist erreichte Wien nach drei Jahren auf Platz eins sowohl 2025 als auch 2026 den zweiten Rang. Internationale Rankings dieser Art orientieren sich unter anderem an Stabilität, Gesundheitsversorgung, Bildung und Infrastruktur.

Die aktuelle Untersuchung der WU Wien wählt einen anderen Zugang. Statt ausschließlich auf solche Kriterien zu setzen, konzentrierten sich die Forschenden darauf, wie die Menschen in Österreich selbst die Lebensqualität der Hauptstadt beurteilen.

Die Studie basiert auf Interviews und einer Quotenstichproben-Befragung von 1.787 Personen in Österreich. Hinzu kamen eine Medienanalyse von 39 städtischen Konfliktpunkten sowie fünf Conjoint-Experimente mit insgesamt 1.354 Teilnehmer:innen.

Museen und Universitäten besonders wichtig

Bei der Frage, welche Akteure einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität leisten, landeten Museen, Universitäten, lokale Unternehmen und Krankenhäuser weit vorne. Regierungen, Parlamente und politische Parteien wurden dagegen deutlich schwächer bewertet.

Die Ergebnisse würden darauf hinweisen, dass die Befragten Lebensqualität vor allem mit jenen Institutionen verbinden, die ihren städtischen Alltag unmittelbar beeinflussen. Dazu zählen insbesondere Angebote in den Bereichen Kultur, Bildung und Gesundheit sowie Möglichkeiten zur sozialen Interaktion.

"Unsere Forschung zeigt, dass die Menschen Lebensqualität stark mit Zugang zu Kultur, Bildungsangeboten und Räumen für kreatives Schaffen verbinden. Sie sehen Lebensqualität in erster Linie aus dem Blickwinkel des städtischen Alltagslebens heraus und legen weniger Augenmerk auf formale politische Strukturen", sagt Studien-Hauptautorin Angela Samuel.

Als eine mögliche Erklärung dafür wird in der Studie das europaweit sinkende Vertrauen in politische Institutionen angeführt.

Teilhabe als Faktor einer lebenswerten Stadt

Neben den Angeboten einer Stadt beschäftigt sich die Untersuchung auch mit der Frage, wer als legitimer Mitgestalter:in des städtischen Lebens wahrgenommen wird. In fünf Experimenten zeigte sich, dass Personen beziehungsweise Akteur:innen mit mehr Stimmrechten, besseren Sprachkenntnissen und größeren wirtschaftlichen Beiträgen auch mehr Einfluss zugeschrieben wurde.

Daraus lasse sich ableiten, dass die Beiträge bestimmter Bevölkerungsgruppen eher anerkannt würden als jene anderer. Für die Lebensqualität sei daher nicht nur relevant, welche Leistungen und Einrichtungen eine Stadt bietet, sondern auch, wer an ihrer Gestaltung teilhaben könne.

"Lebensqualität hängt auch davon ab, wessen Beiträge anerkannt werden, wessen Interessen zählen und wer an der Gestaltung des städtischen Lebens mitwirken kann", betont Co-Autorin Katharina Dinhof.

Städte, die ihre hohe Lebensqualität erhalten wollten, sollten nach Ansicht der Forscherinnen deshalb nicht ausschließlich auf formale Möglichkeiten der Partizipation achten. Entscheidungsprozesse sollten vielmehr die Vielfalt der in der Stadt lebenden Bevölkerung widerspiegeln.

Mehr Möglichkeiten zur Mitgestaltung

Eine stärkere Beteiligung könne laut den Studienautorinnen auf unterschiedliche Weise erreicht werden. Dazu gehörten mehr Mitsprachemöglichkeiten für Menschen ohne Staatsbürgerschaft, mehrsprachig zugängliche öffentliche Dienstleistungen und Beteiligungsformate, die unterschiedliche Bevölkerungsgruppen erreichen.

Samuel nennt dazu konkrete Beispiele: "Dazu gehört zum Beispiel, Menschen ohne Staatsbürgerschaft eine stärkere Stimme zu geben, öffentliche Dienstleistungen in mehreren Sprachen zugänglich zu machen und ein breiteres Bevölkerungsspektrum miteinzubeziehen, etwa durch Bürger:innenversammlungen, Nachbarschaftsräte und andere partizipative Formate."

Detaillierte Studienergebnisse und weitere Informationen finden Sie hier

www.wu.ac.at

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