Schwerpunkt
Bio-Boom von Baden bis Bregenz

| Johannes Lau 
| 02.09.2026

Im Bio-Segment gibt es wieder deutliche Zuwächse. Das erklärt sich aber nicht nur anhand gestiegener Preise – auch die Absätze ziehen an. KEYaccount hat bei der AMA-Marketing, bei Bio Austria und bei Alnatura nachgefragt.

 

Trotz Teuerung bleiben sie umweltfreundlich: Frau und Herr Österreicher konsumieren verstärkt nachhaltig und kaufen entsprechende Lebensmittel, die in der Regel meist ein wenig mehr kosten. Die Nachfrage von Bio-Produkten steigt daher weiter – das zeigt nun auch die aktuelle jährliche Umsatzanalyse der AMA-Marketing, die ein Wachstum im LEH, im Direktvertrieb, im Fachhandel sowie in der Gastronomie verzeichnet. Hiernach wurden 2025 Bio-Produkte im Wert von circa 3,4 Milliarden Euro umgesetzt, was ein Plus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Das Umsatzwachstum liegt damit klar sichtbar über der Inflationsrate (3,7 Prozent).

Im LEH wuchs der Bio-Anteil mit elf Prozent bei Lebensmitteln und Getränken nach kleineren Rückgängen 2023 wieder auf das Niveau der Pandemie-Zeit (2021 und 2022). Laut der AMA-Marketing ist die Ursache aber nicht bloß die allgemeine Preissteigerung, sondern ebenso der gestiegene Absatz. "Die Zahlen zeigen, dass Bio nach den herausfordernden vergangenen Jahren wieder deutlich an Dynamik gewonnen hat", erklärt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing. "Besonders erfreulich ist, dass sich dieses Wachstum nicht nur im Lebensmitteleinzelhandel zeigt, sondern auch in der Gastronomie sowie im Direktvertrieb und Fachhandel." So entfielen um die 80 Prozent des Bio-Umsatzes auf den LEH und zwölf Prozent auf Direktvertrieb und Fachhandel, der nach einer zwischenzeitlichen Abschwächung wieder zulegt. Acht Prozent entfielen auf die Gastronomie, die sich besonders dynamisch entwickelte. Dort stieg der Bio-Anteil in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf 4,5 Prozent. "Das macht deutlich, dass Bio über alle Absatzkanäle hinweg wieder stärker nachgefragt wird. Konsumentinnen und Konsumenten greifen wieder bewusster zu Bio – ein wichtiges Signal für die gesamte Bio-Wertschöpfungskette."

Bio-Bauern mehr unterstützen

Darüber freut man sich naturgemäß auch bei Bio Austria, dem Netzwerk der österreichischen Biobäuerinnen und Biobauer. Obfrau Barbara Riegler betonte aber bereits im Februar, dass man angesichts dieser Entwicklung nun der Produktion unter die Arme greifen müsse: "Marktchancen durch steigende Nachfrage müssen genutzt werden. Bio ist gefragt wie lange nicht. Umso problematischer ist es, wenn ausgerechnet jetzt der Zugang zur Bio-Maßnahme versperrt ist. Das ist ein schlechtes Signal an alle Betriebe, die bereit wären, auf Bio umzustellen. Entscheidend ist das Signal: Bio ist gewollt. Der Nutzen für Markt, Umwelt und Versorgungssicherheit wäre erheblich." Nach den herausfordernden Jahren 2022 bis 2024 sei es gelungen, die große Mehrheit der Bio-Betriebe zu halten. "Diese Stabilisierung ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Jetzt braucht es wieder neue Impulse für Wachstum. Der Markt wächst, die Nachfrage ist da. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass die heimische Bio-Produktion mitwachsen kann. Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, laufen wir Gefahr, Marktchancen nicht zu nutzen und Versorgungslücken am Ende mit Importware schließen zu müssen." Seit Ende 2024 sind jedoch Neueinstiege in das Bio-Förderprogramm ÖPUL nicht mehr möglich und Ende 2025 ist der Umstieg innerhalb laufender Verpflichtungen ausgelaufen. "Betriebe, die jetzt auf Bio umstellen wollen, stehen vor verschlossenen Türen, und ihre Leistungen werden nicht angemessen honoriert. Gerade in einer Phase wachsender Nachfrage brauchen wir Einstiege und Umstiege. Wenn Bio politisch gewollt ist, muss Bio auch politisch ermöglicht werden." Angesichts der knappen Staatskassa ist das aber nicht so einfach.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) reagierte daher im Frühjahr mit einem Kompromiss: Bäuerinnen und Bauern, die aktuell schon gewisse Umweltauflagen erfüllen und auf den Bio-Zug aufspringen, bekommen ab 2027 einen Zuschlag von 80 Euro pro Hektar. Das wird wohl wieder einige Landwirt:innen motivieren, sich dem Kreis der Bioproduzenten anzuschließen. Bislang arbeiten laut Bio Austria hierzulande rund 23 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe biologisch und bewirtschaften circa 27 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Das sind insgesamt rund 23.563 Bio-Betriebe mit knapp 690.900 Hektar Bio-Fläche – ein europäischer Spitzenwert. 

Alnatura: Nachfrage ungebrochen

Den gestiegenen Bio-Bedarf hat natürlich auch ein darauf spezialisiertes Unternehmen wie Alnatura bemerkt: "Die Nachfrage nach nachhaltigen, gesunden und gleichzeitig genussvollen Bio-Produkten ist ungebrochen – insbesondere in Österreich, wo der Bio-Anteil traditionell hoch ist und sich weiterhin positiv entwickelt", sagt Irmgard Schuhmann-Lucny, Standortleiterin von Alnatura Österreich. Im Geschäftsjahr 2024/25 konnte Alnatura ein Umsatzplus erzielen. "Alnatura blickt zuversichtlich auf das weitere Jahr 2026. Auch bei unseren Handelspartnern in Österreich sehen wir eine stabile Entwicklung. Das bestärkt uns darin, dass wir als Unternehmen und mit unserem Sortiment gut aufgestellt sind."

Besonders erfreulich entwickele sich das Frühstückssegment, das für viele Konsument:innen ein zentraler Berührungspunkt mit Bio-Produkten sei. "Ein deutliches Wachstum verzeichnen wir zudem im Snacksegment." Hier wurde das Sortiment zuletzt etwa um Linsen- und Kichererbsenwaffeln ergänzt. Aber trotz guter Ergebnisse spüre man ebenfalls die derzeitigen Herausforderungen wie steigende Produktions- und Rohstoffpreise. "Dennoch ist unser Fokus, unsere Preise stabil zu halten und gleichzeitig unsere Qualitätsstandards sowie faire Bedingungen für Erzeuger zu sichern. Unser zertifiziertes Lieferkettenmanagement "We Care" ist ein Beispiel dafür, wie wir Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette übernehmen – ganz im Sinne unserer Vision: "Sinnvoll für Mensch und Erde"."

www.amainfo.at

www.bio-austria.at

www.alnatura.de

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV