"Claudeforce"
Salesforce und Anthropic starten gemeinsames KI-Angebot für den Vertrieb

| Larissa Bilovits 
| 27.08.2026

Unter dem Namen "Claudeforce" bauen die beiden US-Konzerne ihre Zusammenarbeit deutlich aus. Ein Plug-in mit 37 vorgefertigten Funktionen bildet den Auftakt, auch Slack setzt künftig standardmäßig auf das KI-Modell.

Salesforce und Anthropic haben ihre strategische Partnerschaft erweitert und dafür ein gemeinsames Dach geschaffen. "Claudeforce" soll die Reasoning-Fähigkeiten des KI-Modells Claude mit der Steuerungsschicht der Salesforce-Plattform verbinden, sodass Daten, Workflows, Geschäftslogiken und Governance-Funktionen aus dem CRM-System künftig innerhalb von Claude nutzbar werden. Bekannt gegeben haben die beiden Unternehmen den Schritt am 26. August, zeitgleich mit den Quartalszahlen von Salesforce, also mitten in der Debatte darüber, ob KI-Assistenten das klassische Software-Geschäft mittelfristig überflüssig machen. Die Antwort des Konzerns fällt entsprechend offensiv aus, erstmals hängt Salesforce sein Namenssuffix an ein fremdes Produkt. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel zu.

37 vorgefertigte Funktionen für den Vertrieb

Den Auftakt macht das Angebot Salesforce in Claude, ein Plug-in mit 37 vorgefertigten Vertriebsfunktionen, die beide Unternehmen gemeinsam entwickelt haben. Dazu zählen unter anderem Meeting-Vorbereitung, die Bewertung einzelner Deals und Pipeline-Reviews. Wer im Vertrieb arbeitet, soll damit im Chatfenster bleiben können. Claude greift auf den laufenden Umsatzstand zu, schreibt Änderungen in die Pipeline zurück und führt freigegebene Schritte aus, statt sie nur vorzuschlagen. Beim Onboarding erfasst das Modell den geschäftlichen Kontext von Vertriebsmitarbeiter:innen aus Salesforce, Slack und weiteren verbundenen Quellen und baut daraus ein individuelles Dashboard mit den relevanten Kundenkonten und Pipeline-Daten.

Sämtliche Aktionen laufen dabei über Salesforce, damit die hinterlegten Geschäftsregeln greifen. Für die Einrichtung genügt eine einmalige Verbindung durch die Administrator:innen, Authentifizierung und Berechtigungen bleiben zentral verwaltet. Technische Grundlage ist AIforce, eine Salesforce-Ebene, die Geschäftsdaten und Workflows über MCP-Server, APIs und CLI-Tools für KI-Agenten zugänglich macht.

"Wir bringen die weltweit führende KI und das weltweit führende CRM zusammen – und verbinden damit das Beste aus beiden Welten. Heute starten wir Claudeforce, das direkt auf Salesforce aufsetzt, über unser neues AIforce-UI-Harness, Headless 360, Data 360, Tableau und Slack. Jetzt wird KI zur Benutzeroberfläche: Sie ermöglicht es, dynamisch individuelle Anwendungen zu erstellen und jede Unternehmensfrage zu beantworten", erklärt Marc Benioff, Vorstandsvorsitzender und CEO von Salesforce.

Claude rückt ins Zentrum der Salesforce-Produkte

Die Bewegung läuft auch in die Gegenrichtung. In Agentforce fungiert Claude als Reasoning-Modell für die Atlas Reasoning Engine, ist Standard für Agentforce Vibes und Agentforce Coworker und steht im Agent Builder zur Verfügung. Über Amazon Bedrock läuft das Modell innerhalb der Salesforce Trust Boundary, womit auch Unternehmen aus regulierten Branchen KI-Anwendungen betreiben können, ohne ihre Daten aus der geschützten Umgebung zu nehmen. Im Messenger Slack wird Claude zum Standardmodell und damit zur Grundlage mehrerer Nutzungsebenen, vom Slackbot über die Entscheidungsunterstützung in Arbeitsgruppen bis zur gemeinsamen Softwareentwicklung mit Slack Code.

"Salesforce in Claude bringt genau diese innovative KI in jene Systeme ein, in denen ein Großteil der weltweiten Geschäftstätigkeit stattfindet. Durch diese Partnerschaft können Unternehmen Claude auf die Kundeninformationen und den Geschäftskontext ausrichten, die sie über Jahrzehnte in Salesforce aufgebaut haben – und diese Informationen nutzen, um ihr Unternehmen tatsächlich zu führen und weiterzuentwickeln", so Dario Amodei, CEO und Mitgründer von Anthropic.

Ungewöhnlich an der Konstellation ist, dass sich die Partner wechselseitig als Kunden führen. Anthropic setzt Salesforce als bevorzugtes CRM ein und wickelt Kommunikation und Workflows über Slack ab, umgekehrt stellt Salesforce Claude Code und Claude Enterprise allen Entwickler:innen und Wissensarbeiter:innen im Konzern zur Verfügung. Wie stark das intern durchschlägt, beziffert Salesforce mit einer eigenen Zahl. Der von Claude betriebene Slackbot bringe auf das Jahr hochgerechnet Produktivitätsgewinne von 8,1 Millionen Stunden.

Salesforce in Claude steht vorerst ausgewählten Pilotkund:innen zur Verfügung, im September 2026 soll eine offene Beta-Version folgen. Weitere vorgefertigte Funktionen wollen die beiden Unternehmen gegen Ende des Jahres nachliefern.

www.salesforce.com

www.anthropic.com

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