Die österreichische Industrie hat ihre Erholung im August 2026 deutlich beschleunigt. Der UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex erhöhte sich gegenüber dem Vormonat um 2,9 auf 54,4 Punkte. Damit erreichte der Frühindikator den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2022 und lag klar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Für UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer kamen wesentliche Impulse aus dem europäischen Umfeld. "Rückenwind kam dabei vor allem von der kräftigen Erholung der deutschen Industrie und der steigenden Nachfrage im Rest der Eurozone", sagt Bruckbauer.
Mehr Aufträge treiben die Produktion
In Österreich wurde die Verbesserung der Industriekonjunktur auf breiter Ebene sichtbar. Vor allem die Auftragslage entwickelte sich günstiger. Der Index für Neuaufträge stieg auf 53,6 Punkte und überschritt erstmals seit dem Frühjahr nachhaltig die Wachstumsschwelle. Gleichzeitig erhöhten sich die Exportaufträge, deren Index im August 53,2 Punkte erreichte.
Einkaufsmanagerindex © S&P Global/UniCredit Bank Austria
Die Unternehmen reagierten auf die stärkere Nachfrage aus dem In- und Ausland mit einer deutlichen Ausweitung ihrer Produktion. Der Produktionsindex kletterte auf 56,0 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Auch die noch nicht abgearbeiteten Bestellungen nahmen zu. Der Index für den Auftragsbestand erreichte 52,4 Punkte.
Damit steht die aktuelle Erholung nach Einschätzung von UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl auf einem breiteren Fundament. "Gleichzeitig verbesserten sich die Neu- und Exportaufträge spürbar, wodurch die Erholung auf einer deutlich breiteren Basis steht als noch vor wenigen Monaten", so der Experte. Der höhere Auftragsbestand spreche zudem für eine stärkere Auslastung der Produktionskapazitäten.
Erster Beschäftigungsaufbau seit rund 40 Monaten
Die bessere Geschäftslage wirkt sich inzwischen auch auf den Arbeitsmarkt aus. Der Beschäftigungsindex stieg im August auf 51,3 Punkte. Damit erhöhten die österreichischen Industriebetriebe ihren Personalstand erstmals seit rund 40 Monaten wieder. Im bisherigen Jahresverlauf ist der Rückstand gegenüber dem Vorjahr allerdings noch nicht aufgeholt. In den ersten acht Monaten 2026 waren etwas mehr als 618.000 Menschen in der heimischen Industrie beschäftigt und damit rund 6.500 weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Den größten Anteil am bisherigen Beschäftigungsrückgang hatte die Herstellung von Metallerzeugnissen mit 18 Prozent. Auf die Glaserzeugung entfielen 13,5 Prozent, auf die Metallerzeugung und die Kunststoffherstellung jeweils rund zehn Prozent.
Saisonbereinigt waren zuletzt etwas mehr als 18.000 Personen in der Industrie arbeitssuchend. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 4,4 Prozent und damit auf demselben Niveau wie in den vergangenen sechs Monaten. Auch im Jahresdurchschnitt 2026 werden 4,4 Prozent erwartet, nach jeweils 4,3 Prozent in den beiden Vorjahren. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft mit einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent bleibt die Situation in der Industrie damit deutlich günstiger.
Pudschedl wertet die jüngste Entwicklung dennoch als bedeutsames Signal: "Der Beschäftigungsaufbau im August markiert eine wichtige Trendwende." Dass die Unternehmen erstmals seit mehr als drei Jahren wieder Personal aufstockten, deute darauf hin, dass sie die Verbesserung der Konjunkturlage zunehmend, als nachhaltig einschätzten.
Vormateriallager werden aufgestockt
Mit der höheren Produktion haben die Industriebetriebe auch ihre Einkaufsaktivitäten verstärkt. Der Index für die Einkaufsmenge stieg auf 53,4 Punkte. Gleichzeitig wurden die Bestände an Vormaterialien weiter ausgebaut, der entsprechende Index erreichte 51,1 Punkte. Die Fertigwarenlager gingen hingegen leicht zurück und lagen mit einem Indexwert von 48,1 Punkten im Abbaubereich.
Diese gegenläufige Entwicklung ist Teil der Absicherungsstrategie der Unternehmen. "Die Unternehmen stellen derzeit die Absicherung ihrer Produktion in den Vordergrund", so Pudschedl. Angesichts geopolitischer Risiken und weiterhin verlängerter Lieferzeiten habe die Versorgungssicherheit hohe Priorität.
Die Situation in den Lieferketten bleibt angespannt. Der Lieferzeitenindex lag im August bei 40,3 Punkten und zeigt damit erneut längere Lieferzeiten an. Der Anstieg gegenüber dem Vormonat deutet laut Pudschedl zwar auf eine gewisse Entspannung hin, eine vollständige Normalisierung sei jedoch noch nicht erreicht.
Zusätzliche Vormaterialbestände sollen deshalb mögliche Produktionsunterbrechungen verhindern und die Unternehmen zugleich gegen Preisschwankungen absichern. Während Rohstoffe und Vorprodukte auf Lager gelegt werden, können vorhandene Fertigwarenbestände angesichts der besseren Nachfrage reduziert werden.
Einkaufsmanagerindex und Teilindizes © S&P Global/UniCredit Bank Austria
Kosten steigen weiterhin schneller als Verkaufspreise
Trotz der konjunkturellen Verbesserung bleibt die Kostensituation für die Industriebetriebe angespannt. Der Index für die Einkaufspreise erreichte im August 68,8 Punkte und signalisiert damit weiterhin kräftige Preissteigerungen bei Rohstoffen und Vorleistungen.
Gleichzeitig erhöhte sich der Index für die Verkaufspreise auf 58,0 Punkte. Die Unternehmen verfügen damit wieder über etwas mehr Spielraum, ihre höheren Aufwendungen an die Kund:innen weiterzugeben. Eine vollständige Kompensation gelingt allerdings nicht: Da die Kosten weiterhin schneller steigen als die Verkaufspreise, bleibe der Margendruck hoch und die Ertragslage vieler Industriebetriebe angespannt.
Unternehmen werden deutlich zuversichtlicher
Neben den aktuellen Konjunkturdaten haben sich auch die Erwartungen für die kommenden Monate verbessert. Der Erwartungsindex für die Produktion stieg im August auf 61,5 Punkte und erreichte damit laut UniCredit Bank Austria den höchsten Wert seit Beginn des Iran-Konflikts.
Ein weiteres positives Signal liefert das Verhältnis von Neuaufträgen zu Fertigwarenlagern. Dieses erhöhte sich auf 1,11. Die Kombination aus mehr neuen Bestellungen und vergleichsweise niedrigeren Fertigwarenbeständen lasse für die kommenden Monate weitere Produktionssteigerungen zur Erfüllung des Neugeschäfts erwarten.
Aus Sicht Bruckbauers spricht insbesondere das gleichzeitige Wachstum mehrerer zentraler Indikatoren für eine Fortsetzung der Erholung. Erstmals seit längerer Zeit steigen Produktion, Aufträge und Beschäftigung parallel. Zusammen mit dem kräftigeren Industrieaufschwung in Deutschland und der gesamten Eurozone sei die Entwicklung damit breiter abgestützt als noch vor wenigen Monaten. "Die österreichische Industrie dürfte ihren Erholungskurs vorerst fortsetzen", so Bruckbauer.
Hohe Kosten und geopolitische Risiken bleiben
Trotz der positiven Signale sei noch offen, ob die derzeitige Dynamik dauerhaft anhalten wird. Neben den weiterhin bestehenden Lieferkettenproblemen könnten vor allem geopolitische Entwicklungen und der starke Kostenauftrieb die weitere Erholung beeinträchtigen.
"Geopolitische Risiken, Lieferkettenprobleme und der hohe Kostendruck bleiben jedoch wesentliche Unsicherheitsfaktoren", warnt Bruckbauer. Erst die Entwicklung in den kommenden Monaten werde zeigen, ob das aktuell erreichte Wachstumstempo nachhaltig aufrechterhalten werden könne.
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