Der österreichische Papierfachhandel steht unter Druck, behauptet sich aber weiterhin gegenüber Onlineplattformen und branchenfremden Anbieter:innen. Rund 50 Prozent des B2C-Marktes für Papier-, Büro- und Schreibwaren entfallen nach einer aktuellen Branchenstudie auf den Facheinzelhandel. Gleichzeitig ist die Zahl der Unternehmen seit 2008 um rund 31 Prozent gesunken.
Erstellt wurde die Untersuchung vom Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw) im Auftrag des Bundesgremiums Papier- und Spielwarenhandel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Analysiert wurden nach Angaben der Auftraggeber der Fach- und Großhandel, das Onlinegeschäft sowie konkurrierende Anbieter:innen wie Lebensmittel- und Drogeriehändler:innen.
Zahl der Unternehmen seit 2008 deutlich gesunken
Der PBS-Einzelhandel – die Abkürzung für Papier-, Büro und Schreibwaren - umfasste zuletzt 372 Unternehmen mit insgesamt 3.338 Beschäftigten. Der Umsatz belief sich laut Studie auf rund 500 Millionen Euro. Bei den meisten Betrieben handelt es sich um Kleinunternehmen mit höchstens fünf Mitarbeiter:innen.
WKÖ-Branchensprecher Andreas Auer verwies darauf, dass sich die Zahl der Schließungen zuletzt verringert habe. Der Großteil der Transformationsprozesse sei aus seiner Sicht bereits bewältigt. "Es ist kein Geheimnis, dass sich der gesamte Einzelhandel in einem Strukturwandel befindet und der Papierfachhandel besonders betroffen ist. Leicht positiv stimmt uns aber, dass die Zahl der Schließungen zuletzt leicht rückläufig war und die Branche den Großteil des Transformationsprozesses bereits hinter sich hat", so Auer.
Und auch der Fachgroßhandel ist geschrumpft. Im Jahr 2024 waren in diesem Bereich 187 Unternehmen mit 1.216 Beschäftigen erfasst. Sie erzielten zusammen einen Umsatz von rund 743 Millionen Euro. Gegenüber 2008 sank die Zahl der Großhandelsunternehmen laut Studie um etwa 22 Prozent.
Wachstum kommt aus dem Onlinehandel
Während die Zahl der Fachbetriebe zurückging, gewann der Onlinehandel an Bedeutung. Zwischen 2017 und 2025 stieg der Onlineumsatz mit Papier-, Büro- und Schreibwaren laut Daten des E-Commerce-Marktforschungsunternehmens ECDB um rund 90 Prozent. Im Jahr 2025 erreichte er demnach etwa 280 Millionen Euro.
Das gesamte B2C-Marktvolumen wird in der Studie auf rund 1,02 Milliarden Euro netto geschätzt. Etwa die Hälfte soll auf den Facheinzelhandel entfallen, rund 20 Prozent auf das Onlinegeschäft und etwa 30 Prozent auf branchenfremde Anbieter:innen. Dazu zählen etwa Lebensmittel- und Drogerieketten, die insbesondere rund um den Schulbeginn Schreibwaren in ihr Sortiment aufnehmen, sowie große Filialunternehmen aus anderen Handelsbereichen. Zwischen 2022 und 2024 entwickelte sich der Gesamtmarkt laut Untersuchung leicht rückläufig. Der Anstieg im Jahr 2025 sei ausschließlich auf das Onlinegeschäft zurückzuführen gewesen.
Fachgeschäfte sollen Sortimente erweitern
Studienautor Peter Voithofer sieht digitale Vertriebskanäle daher nicht mehr als bloße Ergänzung, sondern als strukturelle Voraussetzung für viele Marktteilnehmer:innen. Chancen erkennt die Untersuchung vor allem für stark spezialisierte Betriebe sowie für Händler:innen, die ihr Angebot um zusätzliche Produktgruppen erweitern.
Als mögliches Wachstumssegment nennt die Studie Geschenkartikel. Auch Student:innen, Einpersonenunternehmen und Kleinstbetriebe werden als potenziell relevante Kund:innengruppen angeführt. Konkrete Daten zur Entwicklung dieser Segmente enthält die Aussendung zur Studie jedoch nicht.
Welche Ergänzungen sinnvoll sind, hängt laut Voithofer vom Standort, der bestehenden Spezialisierung und der jeweiligen Kundschaft ab. Gerade für kleine Fachgeschäfte besteht dabei ein Zielkonflikt: Zusätzliche Sortimente können neue Zielgruppen erschließen, erhöhen aber zugleich den Kapital- und Flächenbedarf.
WKÖ kritisiert Paketsteuer und EU-Vorgaben
Im Zusammenhang mit dem wachsenden Onlinegeschäft wandte sich WKÖ-Branchensprecher Auer gegen zusätzliche regulatorische Belastungen. Er forderte Änderungen an der EU-Verpackungsverordnung und kritisierte die österreichische Paketsteuer (LEADERSNET berichtete). Dabei handelt es sich um interessenpolitische Positionen der Wirtschaftskammer und nicht um Ergebnisse der Branchenstudie.
Die Paketsteuer wurde bereits beschlossen und soll für betroffene Zustellungen ab Oktober 2026 gelten. Vorgesehen sind zwei Euro pro Paket. Steuerpflichtig sind Unternehmen, deren Versandhandelsumsatz in Österreich im vorangegangenen Wirtschaftsjahr mehr als 100 Millionen Euro betrug. Nach Angaben des Finanzministeriums soll die Abgabe unter anderem Umweltfolgen des wachsenden Paketverkehrs berücksichtigen, den stationären Handel unterstützen und zur Gegenfinanzierung der Umsatzsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel beitragen.
Auer forderte zugleich einheitliche Wettbewerbsbedingungen für stationäre Geschäfte und internationale Plattformen wie Temu und Shein. Wer europäische Kund:innen beliefere, müsse denselben Regeln unterliegen.
www.wko.at
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