Beim Newcomer kombiniert die italienische Sportwagenschmiede enorme Leistung, Fahrleistungen wie vom anderen Stern, lupenreine Rennsporttechnik mit "grüner" Hybridtechnologie.
Im Rahmen der traditionsreichen Monterey Car Week in den USA hat Lamborghini den neuen Revuelto SV vorgestellt. Mit dem Newcomer setzt die italienische Sportwagenschmiede ihre "Super Veloce"-Tradition fort und macht aus dem bereits 1.015 PS starken Revuelto (LEADERSNET berichtete) eine nochmals konsequenter auf Performance ausgelegte Variante.
SV steht bei Lamborghini seit dem Miura SV von 1971 für "Super Veloce". Seither trugen unter anderem Diablo, Murciélago und Aventador das Kürzel. Beim Revuelto umfasst die Überarbeitung nicht nur zusätzliche Leistung, sondern auch Aerodynamik, Fahrwerk, Bremsanlage und Reifen.
"Jedes Element des Revuelto SV haben wir neu entwickelt, um das Fahrerlebnis noch intensiver, direkter und fesselnder zu gestalten", sagte Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann bei der Weltpremiere. Exklusivität und technische Weiterentwicklung würden bei der SV-Version nochmals stärker in den Vordergrund rücken.
Im Zentrum bleibt der 6,5-Liter-V12-Saugmotor. Er leistet 825 PS bei 9.250 Umdrehungen pro Minute und dreht bis 9.500 Touren. Unterstützt wird er von drei Elektromotoren: Zwei Axialflussmotoren sitzen an der Vorderachse, ein weiterer Elektromotor ist in die Antriebseinheit am quer hinter dem V12 angeordneten Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert.
Gemeinsam stellt das System 1.065 PS und ein maximales Systemdrehmoment von 1.425 Newtonmetern bereit. Gegenüber dem Revuelto entspricht das einem Plus von 50 PS. Die Energie liefert eine 7,3-kWh-Lithium-Ionen-Batterie. Das Leistungsgewicht gibt Lamborghini mit 1,66 Kilogramm pro PS an. Im Gegensatz zu normalen Hybridantrieben steht hier aber nicht der Ökogedanke im Vordergrund, sondern die weitere Steigerung der Performance.
Dementsprechend fallen die Fahrleistungen aus: Von null auf 100 km/h soll der Revuelto SV 2,4 Sekunden benötigen, Tempo 200 ist nach fast irrwitzigen 6,7 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 345 km/h. Damit bezeichnet Lamborghini den SV als bislang stärksten und schnellsten Serien-Lamborghini aus Sant'Agata Bolognese.
Zusätzliche Leistung allein war den Entwickler:innen allerdings nicht genug. Frontsplitter, Unterboden und die aerodynamische Balance wurden überarbeitet. Am Heck sitzt ein feststehender Flügel mit einem vom Motorsport inspirierten Doppel-Flügel-Design an den Außenseiten und einer Gurney-Klappe. Auch die Kühlung von Motor und Bremsen wurde angepasst.
Laut Lamborghini erzeugt der Revuelto SV dadurch insgesamt 80 Prozent mehr Abtrieb als der reguläre Revuelto und zehn Prozent mehr als der Aventador SVJ. Gleichzeitig soll sich die Effizienz des Verhältnisses zwischen Abtrieb und Luftwiderstand gegenüber dem Revuelto um 60 Prozent verbessert haben. Die Kühlung der Bremsen an der Vorderachse wurde den Angaben zufolge um zwölf Prozent verbessert.
Auch optisch unterscheidet sich der SV entsprechend deutlich vom Ausgangsmodell. Sichtbares Carbon, eine neu gestaltete Front, der feststehende Heckflügel und neue Räder mit Zentralverschluss schärfen den Auftritt. Bis zu 25 Exterieurkomponenten können in Sichtcarbon ausgeführt werden.
Design Director Mitja Borkert zufolge sei jedes Element mit einem klar leistungsorientierten Ansatz entwickelt worden. Ziel sei es gewesen, "aerodynamische Effizienz, Leichtbaumaterialien und einen technischeren, vom Motorsport inspirierten Charakter" miteinander zu verbinden.
Beim Fahrwerk setzt Lamborghini auf manuell vierfach einstellbare passive Dämpfer, deren Technologie aus dem GT3-Rennsport abgeleitet wurde. Sie sollen eine präzisere Abstimmung auf Straße und Rennstrecke ermöglichen. Gegenüber dem Revuelto verspricht der Hersteller 17 Prozent mehr Agilität und zehn Prozent mehr Querhaftung.
Neu ist außerdem der Fahrmodus "Pilota". Über einen eigenen Drehregler am Lenkrad lässt sich eine fünfstufige Traktionskontrolle konfigurieren. Sie basiert ebenfalls auf Lamborghinis GT3-Erfahrungen und soll unter anderem unterschiedliche Streckenbedingungen und den Reifenverschleiß berücksichtigen. Daneben stehen weiterhin die Fahrprogramme Strada, Sport und Corsa zur Verfügung.
Für Alessandro Farmeschi, Revuelto Product Line Director bei Lamborghini, sollen die Änderungen eine direktere Verbindung zwischen Fahrer:in und Fahrzeug ermöglichen. Aerodynamik, Fahrwerk und Bremssystem seien darauf ausgelegt worden, Präzision und Beständigkeit sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke zu steigern.
Neue Carbon-Keramik-Bremse
Besonderes Augenmerk legten die Entwickler:innen auf die Verzögerung. Der Revuelto SV erhält erstmals die neue CCM-R-Plus-Carbon-Keramik-Bremsanlage. Vorne kommen 420 mal 40 Millimeter große Scheiben zum Einsatz, hinten messen sie 410 mal 32 Millimeter.
Laut Lamborghini steigt die maximale Verzögerungsleistung gegenüber dem Revuelto um elf Prozent, während die Wärmeableitung um 23 Prozent verbessert worden sei. Eine Bremsung aus 200 km/h bis zum Stillstand soll nach 110 Metern abgeschlossen sein. Ergänzt wird die Hardware durch eine neue elektronische Bremssteuerung, die mithilfe eines 6D-Sensors die Fahrzeugbewegungen in Echtzeit erfasst.
Den Kontakt zum Asphalt übernehmen eigens entwickelte Bridgestone-Reifen. Für den Rennstreckeneinsatz steht der straßenzugelassene Semi-Slick Potenza Race R zur Verfügung, daneben gibt es den Potenza Sport sowie einen Blizzak LM005 für winterliche Bedingungen.
Dass die Überarbeitung nicht nur auf dem Datenblatt Wirkung zeigen soll, demonstrierte Lamborghini auf dem Hockenheimring. Werksfahrer Marco Mapelli umrundete die Strecke nach Angaben des Herstellers in 1:41,6 Minuten. Damit sei der Revuelto SV das bislang schnellste dort gemessene Serienfahrzeug.
"Jedes Element des Revuelto SV haben wir neu entwickelt, um das Fahrerlebnis noch intensiver, direkter und fesselnder zu gestalten", betonte Winkelmann. Der SV solle das Potenzial des Revuelto auf ein nochmals höheres Niveau heben.
Im Innenraum setzt sich der Performance-Ansatz nahtlos fort. Carbon-Türverkleidungen und Sportsitze mit Carbon-Schalen gehören zur Serienausstattung, optional stehen noch leichtere Monocoque-Rennsitze zur Verfügung. Insgesamt kommt laut Lamborghini mehr Carbon zum Einsatz als bei jeder bisherigen Revuelto-Variante.
Einen prominenten Platz am Lenkrad erhält der rote Wahlschalter für den neuen Pilota-Modus. Gleichzeitig bleibt für Kund:innen reichlich Spielraum zur Individualisierung: Neben unterschiedlichen Leder- und Corsa-Tex-Ausführungen bietet Lamborghini spezielle SV-Lackierungen und zahlreiche Carbon-Optionen an.
Limitiert
Mit 1.065 PS, deutlich mehr Abtrieb und einer stärker vom Rennsport geprägten Fahrwerks- und Bremsabstimmung rückt der Revuelto SV damit noch näher an den Trackday heran, ohne seine Straßenzulassung aufzugeben. Die auf 1.963 Exemplare begrenzte Auflage – eine Referenz an das Gründungsjahr der Marke – dürfte zudem dafür sorgen, dass der bislang extremste Revuelto auch unter Sammler:innen entsprechend begehrt sein wird. Einen Preis nennen die Italiener noch nicht. Hierzulande wird man aber mit mehr als 650.000 Euro rechnen müssen.
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