IV OÖ stößt Debatte an
Welche Forschung soll der Staat mit Steuergeld finanzieren?

Angesichts knapper Budgets stellt die IV Oberösterreich die Vergabe öffentlicher Forschungsgelder zur Diskussion. Dabei nimmt sie auch konkrete, mit mehreren Hunderttausend Euro geförderte Projekte ins Visier.

Angesichts der angespannten Budgetsituation fordert die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) eine stärkere Diskussion über die Vergabe öffentlicher Mittel für die Grundlagenforschung. Konkret stellt sie die Frage, ob wissenschaftliche Exzellenz als Förderkriterium ausreicht oder gesellschaftliche Relevanz und die Wirkung geförderter Projekte stärker berücksichtigt werden sollten.

Studie über Vermögenselite als Auslöser

Anlass für die Kritik ist unter anderem ein vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstütztes Projekt über die "oligarchische Vermögenselite in Österreich". Darin untersuchen Forschende in Linz die Wirtschaftsnetzwerke besonders vermögender österreichischer Familien. Studienleiter ist Stephan Pühringer vom Linz Institute for Transformative Change und dem Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) an der JKU.

Die IV OÖ kritisiert sowohl die verwendete Bezeichnung als auch politische Schlussfolgerungen der Studie, zu denen laut Aussendung unter anderem Vermögens- und Erbschaftssteuern, eine stärkere Regulierung von Privatstiftungen sowie Überlegungen zu Obergrenzen für Vermögen zählen. "Von mit Steuergeld finanzierter Wissenschaft darf man sich mehr als eine einseitige und rein ideologische Argumentation erwarten", sagt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ.

IV OÖ hinterfragt weitere geförderte Projekte

Die Interessenvertretung nahm das zum Anlass, weitere wissenschaftliche Projekte unter die Lupe zu nehmen, die 2025 und 2026 vom FWF laut IV OÖ mit jeweils 200.000 bis 500.000 Euro unterstützt wurden. Genannt werden unter anderem Forschungsarbeiten zu Adornos Ästhetik im Zeitalter des Anthropozäns, intersektionalen Identitäten, queeren Tänzer im Tanzsport, LGBTQ+-Exil-Autor und queeren Lesarten der Hebräischen Bibel.
Grundlagenforschung müsse nach Ansicht der IV OÖ zwar keinen kurzfristigen wirtschaftlichen Nutzen liefern. Weil jedoch mehr wissenschaftlich geeignete Projekte vorhanden seien als Fördermittel zur Verfügung stünden, finde zwangsläufig eine Priorisierung statt. Zur Diskussion stehe daher, nach welchen Kriterien diese erfolgen solle und ob wissenschaftsinterne Peer-Reviews dafür alleine ausreichten.

Forderung nach stärkerer Wirkungskontrolle

Die IV OÖ spricht sich unter anderem für systematische Ex-post-Evaluierungen geförderter Projekte aus. Forschungsfreiheit bedeute aus ihrer Sicht zudem nicht automatisch einen Anspruch auf staatliche Finanzierung eines konkreten Vorhabens. Gleichzeitig hält die Interessenvertretung ausdrücklich fest, dass auch sogenannte "Orchideenforschung" möglich bleiben müsse und eine ausschließliche Förderung kurzfristig verwertbarer Forschung dem Wissenschaftssystem schaden würde. Entscheidend seien wissenschaftliches Potenzial, Originalität und das Verhältnis zwischen eingesetzten Ressourcen und erwartetem Erkenntnisgewinn.

Bei Projekten mit stark normativen Fragestellungen müsse zudem auf Ergebnisoffenheit geachtet werden. Werden aus Forschungsergebnissen politische Empfehlungen abgeleitet, stelle sich nach Ansicht der IV OÖ die Frage nach der Grenze zwischen Erkenntnisgewinn und gesellschaftspolitischer Intervention.

Haindl-Grutsch pocht auf hohe Qualitätskriterien

"In Zeiten hoher Budgetdefizite trotz Rekordsteuereinnahmen muss sich auch die wissenschaftliche Grundlagenforschung einer Diskussion über die Wirksamkeit des dafür eingesetzten Steuergeldes und ihrem Beitrag zu Fortschritt und Innovation für Österreich stellen", so Haindl-Grutsch. Gerade unter Spardruck seien besonders hohe Qualitätskriterien erforderlich.

www.oberoesterreich.iv.at

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