Trend bei Firmeninsolvenzen
In Österreich schlittern zunehmend etablierte Unternehmen in die Pleite

| Tobias Seifried 
| 12.08.2026

Als einziges DACH-Land verzeichnete Österreich im ersten Halbjahr weniger Firmeninsolvenzen. Hinter dieser positiven Entwicklung verbirgt sich laut Analyse jedoch ein auffälliger Trend: Langjährig etablierte Betriebe geraten deutlich häufiger in Schwierigkeiten.

In Österreich haben im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.881 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Laut einer aktuellen Analyse von Dun & Bradstreet waren das um 5,8 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2025, als 1.990 Fälle registriert wurden. Rechnerisch gingen damit täglich rund zehn Unternehmen in die Insolvenz.

Im DACH-Vergleich entwickelt sich Österreich den Angaben zufolge damit gegen den Trend. Während hierzulande die Fallzahlen zurückgingen, legten sie in Deutschland um 15,8 Prozent und in der Schweiz sogar um 54,7 Prozent zu.

Dirk Radetzki, Senior Vice President, Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet Deutschland, sieht Österreich nach den starken Insolvenzanstiegen der Jahre 2023 bis 2025 in einer Konsolidierungsphase. Ein Teil jener Unternehmen, die infolge der Normalisierung nach der Pandemie unter Druck geraten seien, habe die Insolvenz mittlerweile durchlaufen.

Entwarnung bedeute das aus seiner Sicht allerdings nicht. "Gleichzeitig tragen viele Betriebe noch immer geschwächte Bilanzen aus mehreren Jahren mit Inflation, steigenden Lohnkosten und höheren Finanzierungskosten, auch wenn sich die Lage in Teilen bereits stabilisiert", so Radetzki.

Bei älteren Unternehmen dreht sich der Trend

Besonders auffällig sei die Entwicklung bei der Betrachtung nach Unternehmensalter. Die meisten Insolvenzen entfielen zwar weiterhin auf Unternehmen, die zwischen sechs und zehn Jahre bestehen. Ihre Zahl sank allerdings gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 36 Prozent auf 385 Fälle.

Anders sehe es bei länger bestehenden Unternehmen aus: Bei Firmen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren erhöhte sich die Zahl der Insolvenzen laut Dun & Bradstreet von 156 auf 337 – ein Plus von 116 Prozent. Noch stärker fiel demnach der Anstieg bei Unternehmen zwischen 26 und 50 Jahren aus. Hier kletterte die Zahl von 111 auf 309 Fälle und damit um 178 Prozent. Ein ähnlicher Trend zeige sich laut der Analyse auch in Deutschland und der Schweiz.

"Viele dieser Betriebe haben ihr Geschäftsmodell unter ganz anderen Kosten- und Nachfragebedingungen aufgebaut und stehen jetzt vor strukturellen Umbrüchen wie der Digitalisierung, der Energiewende und dem Fachkräftemangel", erklärt Radetzki. Gerade diese Unternehmen stellten traditionell einen großen Teil der Beschäftigung im Mittelstand.

Vorarlberg mit auffälligem Anstieg

Regional zeigt sich der Analyse zufolge ein sehr unterschiedliches Bild. Die meisten Insolvenzen wurden mit 859 Fällen weiterhin in Wien registriert, obwohl ihre Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,7 Prozent zurückging. Dahinter folgen Niederösterreich mit 258 und Oberösterreich mit 215 Fällen.

Besonders kräftig sanken die Zahlen in Salzburg (-32,1 Prozent), im Burgenland (-30,4 Prozent) und in Tirol (-28,2 Prozent). Gegen den österreichweiten Trend entwickelten sich hingegen die Steiermark mit einem Plus von 10,3 Prozent und Vorarlberg mit einem Anstieg um 80,6 Prozent. Bei Letzterem verweist die Analyse allerdings auf die vergleichsweise kleine Unternehmensbasis, wodurch bereits wenige zusätzliche Fälle hohe prozentuale Veränderungen verursachen.

Als möglichen Faktor nennt Dun & Bradstreet zudem die starke Ausrichtung Vorarlbergs auf exportorientierte Industrie- und Bauunternehmen und damit deren Abhängigkeit von der schwachen Nachfrage in Deutschland sowie höheren Betriebskosten.

Handel und Bau bleiben besonders betroffen

Laut der Analyse entfielen nach Branchen die meisten Insolvenzen auf den Handel mit 311 Fällen, knapp gefolgt von der Bauwirtschaft mit 306. Bei juristischen, kommerziellen und technischen Dienstleistungen wurden demnach 239 Fälle gezählt. In allen drei Bereichen seien die Insolvenzzahlen allerdings gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen.

Zuwächse verzeichnete die Analyse unter anderem im Bereich Unterricht, Museen und Galerien (+50 Prozent) sowie bei medizinischen und sozialen Diensten (+22,2 Prozent). Die stärksten Rückgänge gab es hingegen im Finanz- und Beteiligungssektor (-38,8 Prozent) sowie bei Kfz-Diensten (-28,6 Prozent).

www.dnb.com

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