"Global Telecom Health Index"
Österreich verliert beim Glasfaserausbau international den Anschluss

| Larissa Bilovits 
| 12.08.2026

Während wir beim 5G-Mobilfunk weltweit an der Spitze liegen, reicht es im Festnetz nur für den letzten Platz. Eine Analyse von 34 Telekommärkten zeigt, woran das liegt und was sich daraus lernen lässt.

Ob ein Land digital gut aufgestellt ist, entscheidet sich längst nicht mehr an der Frage, wie gut das Handynetz funktioniert. Cloud-Anwendungen, vernetzte Produktion und datenintensive Verwaltungsprozesse laufen nämlich über Leitungen, die im Boden liegen. Genau dort tut sich Österreich schwer, während es beim Mobilfunk wiederum international ganz vorne mitspielt. Wie weit diese beiden Welten auseinanderliegen, zeigt der aktuelle "Global Telecom Health Index" (siehe Infobox) der Unternehmensberatung Kearney, der die Verfassung von 34 Märkten weltweit über fünf Dimensionen bewertet.

Ein Markt mit zwei Geschwindigkeiten

Im Gesamtranking des Index landet Österreich auf Rang 24 von 34. Hinter diesem Mittelfeldplatz stecken jedoch zwei gegenläufige Entwicklungen: Auf der einen Seite gehört das Land beim Mobilfunk zur absoluten Spitze – die 5G-Bevölkerungsabdeckung liegt bei 100 Prozent, womit sich Österreich den ersten Platz unter allen untersuchten Märkten verdient hat. Auch wirtschaftlich stehen die heimischen Betreiber solide da, die finanzielle Performance zählt zur oberen Hälfte des Feldes. Auf der anderen Seite dreht sich das Bild beim Festnetz: Bei der Glasfaser-Anschlussquote bildet Österreich das Schlusslicht aller 34 Märkte, bei der kommerziellen Leistungsfähigkeit reicht es nur für Rang 32.

"Österreich hat im Mobilfunk geliefert und wirtschaftet solide. Im Festnetz zahlt der Markt jetzt den Preis für einen spät begonnenen Umbau. Wer Kund:innen nicht auf Glasfaser bringt, verschenkt genau die Erträge, die den nächsten Investitionszyklus finanzieren müssten", erklärt Christoph Neunkirchen, Partner & Managing Director bei Kearney und Co-Autor der Studie.

Deutschland und die Schweiz als Gegenpole

In einem Punkt ähneln sich die drei DACH-Länder laut der Studie: Solide Finanzen stehen überall einem unterdurchschnittlichen Glasfaserausbau gegenüber. Alles, was dazwischenliegt, trennt sie. Deutschland zeigt etwa, wie sich ein Rückstand verfestigen kann. Am Mobilfunk liegt es nicht, das 5G-Netz erreicht 99 Prozent der Bevölkerung und damit Rang 10. Entscheidend ist, was bei den Haushalten ankommt: Glasfaser liegt bei 40 Prozent der Haushalte an, tatsächlich angeschlossen sind 15 Prozent, während die internationalen Vergleichswerte bei 75 und 51 Prozent liegen. Beim Tempo liegen sowohl das Festnetz als auch der Mobilfunk bei rund 50 Prozent des internationalen Schnitts. Das spüren die Kund:innen, deren Zufriedenheit im Fest- wie im Mobilfunknetz auf Rang 29 landet, und es trifft das Geschäft: Rang 33 von 34 bei der kommerziellen Leistungsfähigkeit, Rang 31 beim Technologieausbau.

Die Studie sieht darin eine Abwärtsspirale, die sie in mehreren Märkten wiederfindet, weil schwache Netzqualität die Zahlungsbereitschaft drückt und magere Erträge den nächsten Ausbauschritt bremsen. Ausgelöst hat sie eine über Jahre gewachsene Anreizlage, in der sich mit den alten Leitungen verlässlich verdienen ließ und der Umstieg deshalb immer wieder aufgeschoben wurde. "Deutschland sieht heute die Folgen jahrelanger Fehlanreize und eines unvollendeten Infrastrukturumbaus. Soliden Telco-Finanzen steht ein Markt gegenüber, in dem zu lange auf Altinfrastruktur gesetzt wurde und Glasfaser zu langsam skaliert. Das hemmt die Investitionsfähigkeit genau dort, wo sie künftig gebraucht wird: beim Aufbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur", so Neunkirchen.

Den Gegenentwurf liefert die Schweiz mit 70 von 100 Punkten und Rang 5. In vier der fünf Dimensionen liegt sie im oberen Drittel, nämlich bei finanzieller Performance, kommerzieller Leistungsfähigkeit, Marktumfeld und Kundenzufriedenheit. Bei der EBITDA-Marge zählt sie mit 42 Prozent zu den sieben stärksten Märkten des Index, im Festnetz stehen durchschnittlich knapp 300 Mbit/s zur Verfügung, und 82 Prozent der Mobilfunkkund:innen sind bereits auf 5G unterwegs. Luft nach oben bleibt auch hier, bei der Glasfaserabdeckung reicht es nur für Rang 27.

Was gesunde Märkte auszeichnet

Als vorbildlich gelten der Studie nicht die Ausreißer in einzelnen Kennzahlen, sondern die über alle Dimensionen hinweg ausgewogenen Märkte, wofür sie neben der Schweiz Norwegen anführt. Finnland schafft es vor allem dank der hohen Kundenzufriedenheit unter die zehn besten Märkte, und dass es auf Größe oder Wirtschaftskraft nicht ankommt, belegt Malaysia mit Rang 6 bei einem Pro-Kopf-Einkommen auf Platz 32.

Ein weiteres Muster zieht sich durch alle 34 Märkte, im Mobilfunk wie im Festnetz: Wie viele Anbieter sich einen Markt teilen, hat messbaren Einfluss auf dessen Zustand. Wo weniger Betreiber unterwegs sind, fallen finanzielle Performance, kommerzielle Leistungsfähigkeit und Technologieausbau im Schnitt besser aus, und die Kundenzufriedenheit leidet nicht darunter, sie liegt zumindest auf gleichem Niveau. Im Festnetz kommt der Konzentrationsgrad dazu. Je stärker sich das Geschäft auf einige wenige große Player verteilt, desto weiter ist das Glasfasernetz ausgebaut und desto mehr Haushalte nutzen es auch tatsächlich.

Was das für Österreich bedeutet

Für Österreich fällt dieser Befund zweigeteilt aus. Nach dem Anteil der drei größten Anbieter gehört der heimische Festnetzmarkt in die weniger konzentrierte Gruppe, also genau in jene, für die die Studie im Durchschnitt den schwächeren Glasfaserausbau ausweist. Im Mobilfunk landet Österreich mit seinen drei Netzbetreibern dagegen in der Gruppe mit den insgesamt besseren Werten.

Der Weg aus dieser Lage führt für Kearney über die Qualität der Netze, weil daraus Zahlungsbereitschaft und in weiterer Folge die Erträge für den nächsten Investitionszyklus entstehen. "Österreich hat die finanzielle Basis dafür und muss sie jetzt im Festnetz einsetzen", appelliert Neunkirchen abschließend.

www.kearney.com

Über die Studie

Der Global Telecom Health Index der Unternehmensberatung Kearney bewertet die Gesundheit des Telekommunikationssektors in 34 Märkten weltweit anhand von 20 Kennzahlen in fünf Dimensionen: finanzielle Performance, kommerzielle Leistungsfähigkeit, Technologieausbau, Marktumfeld und Kundenzufriedenheit. Grundlage sind Kearney-Daten, eine eigene Verbraucherbefragung und externe Quellen. Der Index knüpft an den European Telecom Health Index 2025 an; aufgrund der weiterentwickelten Methodik sind die Ergebnisse nicht direkt mit dem Vorjahr vergleichbar.

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Über die Studie

Der Global Telecom Health Index der Unternehmensberatung Kearney bewertet die Gesundheit des Telekommunikationssektors in 34 Märkten weltweit anhand von 20 Kennzahlen in fünf Dimensionen: finanzielle Performance, kommerzielle Leistungsfähigkeit, Technologieausbau, Marktumfeld und Kundenzufriedenheit. Grundlage sind Kearney-Daten, eine eigene Verbraucherbefragung und externe Quellen. Der Index knüpft an den European Telecom Health Index 2025 an; aufgrund der weiterentwickelten Methodik sind die Ergebnisse nicht direkt mit dem Vorjahr vergleichbar.

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