Das sind die Hauptgründe
Warum immer mehr Österreicher im Privatkonkurs landen

| Tobias Seifried 
| 11.08.2026

Eine Analyse von rund 8.000 Privatpleiten zeigt, woran finanziell am häufigsten gescheitert wird. Auffällig sind dabei nicht nur Verschiebungen an der Spitze, sondern auch große Unterschiede zwischen den Generationen.

Hohe Lebenshaltungskosten, die Folgen der Inflation und die Zinsbelastung haben viele österreichische Haushalte auch 2025 finanziell unter Druck gesetzt. Trotzdem blieb die Zahl der Privatkonkurse weitgehend stabil: Österreichweit wurden im Vorjahr 8.766 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet – um 0,6 Prozent weniger als im Jahr davor. Eine aktuelle Analyse des KSV1870 zeigt nun, welche Ursachen besonders häufig hinter den Privatkonkursen stehen.

Dabei gab es an der Spitze einen Wechsel. Mit einem Anteil von 28,3 Prozent war eine frühere Selbstständigkeit 2025 erstmals seit 2019 wieder die häufigste Ursache. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg um 1,6 Prozentpunkte. Besonders ausgeprägt war dieser Grund in Tirol und Salzburg, wo er jeweils auf 35 Prozent der untersuchten Fälle zutraf.

Persönliches Verschulden knapp dahinter

Mit 27,8 Prozent folgt persönliches Verschulden auf Platz zwei. Darunter fasst der KSV1870 unter anderem die Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit und einen problematischen Umgang mit Geld zusammen. Gegenüber dem Vorjahr ging der Anteil um 3,2 Prozentpunkte zurück. Werden ehemalige Selbstständige aus der Betrachtung herausgenommen und ausschließlich "echte" Privatkonsument:innen analysiert, bleibt persönliches Verschulden allerdings die häufigste Insolvenzursache.

"Positiv ist, dass zuletzt einige Betroffene sorgsamer mit ihren Finanzen umgegangen sind, weshalb 'persönliches Verschulden' als Hauptgrund im Vorjahr etwas seltener aufgetreten ist", sagt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz beim KSV1870.

Auf Rang drei folgt mit 16 Prozent die Reduktion des Einkommens. Allein Arbeitslosigkeit war 2025 für 13,2 Prozent der untersuchten Privatkonkurse verantwortlich, nach 11,3 Prozent im Jahr davor. Lebenskrisen machten zwölf Prozent aus, persönliche Probleme 9,9 Prozent und familiäre Belastungen sechs Prozent.

KSV1870 Privatkonkurse Jahresvergleich

Bei jungen Menschen zeigt sich ein anderes Bild

Besonders deutlich unterscheiden sich die Insolvenzursachen nach dem Alter. Bei Menschen über 60 Jahren war eine ehemalige Selbstständigkeit mit 36,9 Prozent mit Abstand der häufigste Grund. Auch bei den 41- bis 60-Jährigen lag diese Ursache mit 30 Prozent an erster Stelle.

Bei jüngeren Betroffenen dreht sich das Bild hingegen um. Unter den 25- bis 40-Jährigen war persönliches Verschulden mit 31,8 Prozent die häufigste Ursache. Bei den unter 25-Jährigen steigt der Anteil sogar auf 35,2 Prozent.

Götze sagt zu dieser Entwicklung: "Es ist ein alarmierendes Signal, dass sich viele junge Menschen bereits früh im Leben verschulden und sich damit eine finanzielle Hypothek für ihre Zukunft auferlegen." Aus Sicht des Experten unterstreiche dies die Bedeutung finanzieller Bildung bereits in jungen Jahren.

Langfristig bleibt persönliches Verschulden Nummer eins

Der Blick über mehrere Jahre relativiere allerdings den Führungswechsel des vergangenen Jahres. Seit 2019 betrachtet, bleibt persönliches Verschulden mit durchschnittlich 28,5 Prozent die häufigste Ursache für Privatkonkurse in Österreich. Dahinter folgen ehemalige Selbstständigkeit mit 27,6 Prozent und Einkommensreduktionen mit 17 Prozent.

Deutlich seltener führten im Mehrjahresvergleich Lebenskrisen mit 12,2 Prozent, persönliche Probleme mit 8,8 Prozent oder Belastungen aus der Familie mit sechs Prozent in die Insolvenz.

"Insbesondere in Zeiten hoher Kosten ist ein bewusster Umgang mit den eigenen Finanzen entscheidend", so Götze. Ausgaben sollten seiner Ansicht nach gut überlegt und die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit realistisch eingeschätzt werden, um einer Überschuldung vorzubeugen.

www.ksv.at

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