Hohe Temperaturen und niedrige Wasserstände haben in mehreren europäischen Ländern Auswirkungen auf die Energieproduktion. Das ungarische Kernkraftwerk Paks musste aufgrund eines historisch niedrigen Donaupegels vollständig vom Netz genommen werden. Auch ein Reaktorblock im rumänischen Cernavodă sowie das Schweizer Kernkraftwerk Beznau standen still. In Frankreich sei die Leistung an mehreren Standorten reduziert worden, da zurückgeleitetes Kühlwasser die bereits stark erwärmten Flüsse zusätzlich belastet hätte.
Hinter diesen Entwicklungen stehe laut dem Grazer Unternehmen Emerald Horizon eine gemeinsame technische Abhängigkeit. Klassische Kernkraftwerke benötigen große Mengen an Flusswasser für die Kühlung. Steigt die Wassertemperatur oder fällt der Pegel, kann eine Reduktion der Kraftwerksleistung erforderlich werden. Emerald Horizon sieht darin nicht nur eine Herausforderung für die Netzstabilität, sondern zunehmend auch für die wirtschaftliche Wertschöpfung.
Produktionsstopps in Rumänien
Besonders deutlich würden die wirtschaftlichen Folgen derzeit in Rumänien. Ministerpräsident Ilie Bolojan hat am 3. August in Bukarest bekannt gegeben, dass die Renault-Tochter Dacia und Ford ihre rumänischen Werke vorerst bis 19. August vollständig stillgelegt werden. Die Unternehmen seien damit einem Aufruf der Regierung gefolgt, den Energieverbrauch freiwillig zu reduzieren.
Florian Wagner, CEO von Emerald Horizon, sieht darin ein grundsätzliches Problem bestehender Energieinfrastrukturen: "Bei Dürre fällt im Netz nicht eine Säule aus, sondern zwei gleichzeitig: die Wasserkraft und die Kernkraft. Beide hängen an derselben Ressource."
Dieses Doppelrisiko werde bei der von Emerald Horizon entwickelten Technologie nach Angaben Wagners von Beginn an ausgeschlossen.
Energiesystem ohne Wasser zur Kühlung
Das Unternehmen entwickelt mit SMRX ein System, das sich aus der Accelerator Driven Energy Source (ADES) und dem Energiespeichersystem DUALstorePlus zusammensetzt. Letzteres soll sowohl Strom als auch Wärme speichern können. Nach Angaben des Unternehmens unterscheidet sich das Konzept damit nicht nur von konventionellen Kernkraftwerken, sondern auch von den meisten anderen Small-Modular-Reactor-Konzepten.
ADES wird vom Grazer Unternehmen als thoriumbasiertes, beschleunigergetriebenes und dauerhaft unterkritisches Energiesystem mit einer thermischen Leistung von 25 Megawatt beschrieben. Die entstehende Wärme werde über einen geschlossenen Salzschmelze-Kreislauf geführt. Wasser komme bei dem System nicht zur Kühlung zum Einsatz. Hitze, Trockenheit und niedrige Wasserstände hätten deshalb nach Angaben des Unternehmens keinen negativen Einfluss auf den Betrieb.
Auch das Funktionsprinzip unterscheidet sich laut Emerald Horizon von klassischen Reaktoren. Die Kettenreaktion sei nicht selbsterhaltend, sondern auf einen extern betriebenen Teilchenbeschleuniger angewiesen. Werde dieser abgeschaltet, ende auch der Prozess. Das Unternehmen bezeichnet eine Kernschmelze bei diesem Konzept als physikalisch ausgeschlossen. Als Brennstoff werde Thorium verwendet, während das System ohne Uran und Plutonium auskommen und auf die Vermeidung transuraner Abfälle ausgelegt sein soll.
Aktie seit Juni an der Wiener Börse
Neben der technologischen Entwicklung thematisiert Emerald Horizon aktuell auch die Entwicklung seiner Aktie. Die Aktie mit dem Ticker SMRX und der ISIN AT0000A3UZE1 wird seit 26. Juni 2026 an der Wiener Börse gehandelt. Bereits im Juli 2025 seien im Zuge einer Kapitalerhöhung Zeichnungen zu 760 Euro je Aktie erfolgt.
Mit der Handelsaufnahme sei die Aktie erstmals frei handelbar geworden. Die damit verbundene Liquiditätsprämie habe laut Unternehmen zu einer Anpassung in Richtung 1.000 Euro geführt. Anschließend habe sich der Kurs etwa einen Monat auf diesem Niveau bewegt und im Zusammenhang mit dem Nachrichtenfluss rund 1.150 Euro erreicht. Bezogen auf das von Emerald Horizon genannte Konsolidierungsniveau von rund 1.000 Euro entspreche dies einer Entwicklung von etwa 15 Prozent.
Am 8. Juli 2026 nahm zudem das Hamburger Researchhaus NuWays AG die Coverage des Unternehmens auf. Der Analyst bewertet die Aktie laut einer Aussendung mit "Buy" und nennt ein Kursziel von 1.300 Euro. Emerald Horizon betont, dass es sich dabei ausschließlich um die Einschätzung des Analysten und nicht um eine eigene Prognose zur weiteren Kursentwicklung handle.
Technischer Meilensteine
Für Florian Wagner steht bei der weiteren Unternehmensentwicklung vor allem die technische Umsetzung im Mittelpunkt. Die Börsennotierung habe aus seiner Sicht nicht den Wert des Unternehmens verändert, sondern dessen Sichtbarkeit erhöht.
"Jeder technische Meilenstein auf dem Weg zum Prototyp macht aus einer Erwartung letztendlich eine Tatsache", so Wagner. Die Arbeit der kommenden Jahre liege genau in dieser Entwicklung, erklärte Wagner und zeigte sich mit Blick darauf zuversichtlich.
www.emerald-horizon.com
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