Seit Juni 2026 kann das Gebäude der Secession erstmals rund um die Uhr ertastet werden. Mit einem taktilen Modell ihres ikonischen Ausstellungshauses erweitert die Secession ihr Vermittlungsangebot und setzt ein deutliches Zeichen für mehr Inklusion und Barrierefreiheit. Der Bronzeguss im Maßstab 1:50 befindet sich im öffentlichen Raum zwischen dem Marc-Anton-Monument und dem Aufzug zur U-Bahn an der Friedrichstraße 12 im ersten Wiener Gemeindebezirk und ist jederzeit frei zugänglich.
Für Ramesch Daha, Präsidentin der Wiener Secession, geht mit der Realisierung des Projekts ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. "Ich bin jetzt gerade im Glück und Himmel, dass wir dieses Modell nun endlich realisieren konnten“, sagte sie gegenüber LEADERSNET.tv. Der aufwendig gefertigte Bronzeguss ermögliche es, "die Fassade, das Gebäude, bis ins letzte Detail zu ertasten und zu erfassen". Das sei "ein wunderbares Gefühl".
Ein Schlüsselwerk des Wiener Jugendstils neu erfahrbar machen
Die von Joseph Maria Olbrich entworfene Secession gilt als Schlüsselwerk des Wiener Jugendstils und zählt zu den bekanntesten Bauwerken der Stadt. Charakteristische Elemente wie die klare Geometrie des Baukörpers, das ornamentale Wanddekor und die markante Kuppel können durch das Modell erstmals umfassend mit den Händen erkundet werden. Besonders für blinde und sehbehinderte Menschen eröffnet das Modell neue Zugänge zur Architektur. Gleichzeitig lädt es alle Besucher:innen dazu ein, die Secession auf eine andere Art kennenzulernen – nicht nur visuell, sondern auch haptisch.
Daha betont, dass das Modell als Geschenk an die Stadt und ihre Bewohner:innen gedacht sei. Die Mitglieder der Secession und ihr Vorstand hätten Wien und Österreich bewusst ein frei zugängliches Angebot machen wollen. "Man muss keinen Eintritt zahlen und man kann das Haus ertasten und erfühlen", erklärte sie. "Wir laden jede:r ein, ein Teil unserer Vision zu werden."
Kunstwerk im Wandel durch Berührung
Das taktile Modell besteht aus Bronze und wird sich durch die Interaktion mit den Besucher:innen im Laufe der Zeit verändern. Miriam Bachmann, Architektin im Studio BKMA und Technikerin der Secession, erläuterte, dass das Modell zunächst schwarz vorpatiniert wurde. Dort jedoch, wo Menschen das Modell besonders häufig berühren, werde die Oberfläche nach und nach goldener. Bachmann geht davon aus, dass die Spuren der Nutzung nicht nur sichtbar, sondern auch fühlbar sein werden: "Ich glaube, dass man die Berührung nicht nur optisch, sondern auch haptisch spüren wird, weil es nicht nur goldener wird, sondern auch runder, weicher und glatter."
Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen
Konzipiert wurde das Modell unter Beratung von Margarete Waba und Veronika Mayer vom Blinden- und Sehbehindertenverband Wien, Niederösterreich und Burgenland. Für die Umsetzung wurden zudem der Modellbauer Ruben Mahler sowie die Kunstgießerei Loderer hinzugezogen.
Margarete Waba zeigt sich vom Ergebnis überzeugt. Das Modell sei "sehr gelungen", gut tastbar und aus einem geeigneten Material gefertigt. Besonders hebt sie hervor, dass die wichtigen architektonischen Details sorgfältig ausgearbeitet wurden. Dadurch sei das Gebäude für blinde und sehbehinderte Menschen gut erfassbar und vorstellbar. Gerade große Bauwerke ließen sich allein durch Beschreibungen oft nur schwer begreifen, erklärte sie.
Detailtreue bis zur letzten Perle
Besonderes Augenmerk legten die Projektbeteiligten auf die markante Kuppel der Secession. Modellbauer und Architekt Ruben Mahler berichtet, dass dafür historische Pläne einer früheren Sanierung herangezogen wurden. "Das Wichtigste war die Kuppel mit den Perlen", sagte er. Diese seien anhand der Originalunterlagen detailgetreu nachmodelliert worden. "Jede einzelne Perle ist wirklich auch wie in der Realität." Zu seinen persönlichen Lieblingsdetails zählen die Eulenfiguren an den Seiten des Gebäudes.
Unterstützung für Kunst, Kultur und Teilhabe
Möglich gemacht wurde das Projekt auch durch die Unterstützung von JTI Austria. Silvia Polan, Director Corporate Affairs & Communications, verweist auf die lange Tradition des Unternehmens in der Kunst- und Kulturförderung. Bereits 1876 sei die firmeneigene Kunstsammlung gegründet worden. Es bereite große Freude, kulturelle Initiativen zu unterstützen und damit zur Vielfalt der österreichischen Kunst- und Kulturlandschaft beizutragen.
Beeindruckt zeigt sich Polan auch von den Dimensionen des Modells: "Es ist unglaublich massiv. Maßstab 1:50 – darunter konnte ich mir nicht sehr viel vorstellen. Und dann habe ich es hier stehen gesehen, im Schatten der echten Secession, und habe mich sehr gefreut."
Kulturelle Teilhabe als Grundrecht
Für Theresia Nickl, Geschäftsführerin der Vienna Art Week, reicht die Bedeutung des Projekts weit über die Vermittlung von Architektur hinaus. Sie sieht darin einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe. "Es ist extremst wichtig, es ist wirklich das Recht auf Teilhabe für Menschen jeglicher Art", betont sie. Auch für Menschen mit Behinderungen sei die Teilhabe am kulturellen Leben ein Grundrecht. Gerade deshalb sei ein Projekt wie dieses von großer Bedeutung.
Mit dem taktilen Modell erweitert die Secession ihr Engagement für Barrierefreiheit und Inklusion im öffentlichen Raum nachhaltig. Das dauerhaft zugängliche Angebot eröffnet einem breiten Publikum neue Perspektiven auf eines der bedeutendsten Bauwerke des Wiener Jugendstils und macht dessen architektonische Besonderheiten auf unmittelbare Weise erfahrbar.
Video-Interviews
LEADERSNET.tv holte neben Ramesch Daha (Präsidentin Wiener Secession), auch Miriam Bachmann (Architektin Studio BKMA & Technikerin Secession), Silvia Polan (Director Corporate Affairs & Communications JTI Austria), Margarete Waba (Vertreterin Blinden- und Sehbehindertenverband Wien, NÖ und Burgenland), Ruben Mahler (Modellbauer & Architekt) und Theresia Nickl (Geschäftsführerin Vienna Art Week) vor die Kamera. Was sie noch über das neue taktile Modell der Secession zu sagen haben, erfahren Sie im Video.
Einen zusätzlichen Eindruck von der Präsentation können Sie zudem mittels Galerie gewinnen.
www.secession.at
www.jti.com
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