Politik & E-Commerce
Zollgebühr stößt auf mehr Verständnis als die Paketsteuer

| Redaktion 
| 08.06.2026

Während die geplante nationale Paketsteuer auf breite Ablehnung stößt, wird die neue EU-Zollgebühr auf Pakete aus Drittstaaten deutlich positiver bewertet. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz.

Die Diskussion um zusätzliche Abgaben im Onlinehandel bekommt eine neue Facette. Während die von der Bundesregierung geplante Paketsteuer seit Wochen für Kritik sorgt, stößt die ebenfalls bevorstehende EU-Zollgebühr auf Pakete aus Drittstaaten auf deutlich mehr Verständnis bei den Konsument:innen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz.

Ab Juli wird für Direktimporte aus Drittstaaten eine Zollgebühr von drei Euro pro Paket eingehoben. Sie soll bis zum Wegfall der bisherigen Zollfreigrenze im Jahr 2028 als Übergangslösung dienen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Händler stärken. Laut Studie sehen 46 Prozent aller Online-Shopper:innen diese Maßnahme positiv. Selbst unter jenen Konsument:innen, die regelmäßig bei asiatischen Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress bestellen und somit direkt betroffen sind, zeigen 35 Prozent Verständnis für die Gebühr.

Deutlich mehr Zustimmung als zur Paketsteuer

Zum Vergleich: Die zuletzt diskutierte nationale Paketsteuer in Höhe von zwei Euro wird lediglich von 24 Prozent aller Online-Shopper:innen befürwortet. Unter den Käufer:innen asiatischer Plattformen sinkt die Zustimmung sogar auf nur 19 Prozent. "Überraschend hoch ist das Verständnis der heimischen Online-Shopper:innen für die Einführung einer EU-weiten Zollgebühr auf Pakete aus Drittstaaten – höher als bei der zuletzt diskutierten nationalen Paketsteuer", sagt IHaM-Handelsforscher Ernst Gittenberger.

Der Grund dürfte laut Studie weniger in der Höhe der Abgabe liegen als in ihrer Wahrnehmung. Während die Zollgebühr von vielen als Beitrag zu faireren Wettbewerbsbedingungen verstanden wird, erscheint die Paketsteuer vielen Konsument:innen vor allem als zusätzliche finanzielle Belastung.

Große Verhaltensänderungen bleiben aus

Die Studie zeigt allerdings auch, dass weder die Zollgebühr noch die Paketsteuer das Einkaufsverhalten grundlegend verändern dürften. Lediglich fünf Prozent der betroffenen Käufer:innen asiatischer Plattformen geben an, künftig wieder häufiger stationär einkaufen zu wollen. Neun Prozent würden überhaupt keine Bestellungen mehr bei Temu, Shein oder AliExpress tätigen.

Die Mehrheit reagiert anders: 51 Prozent wollen künftig Preise noch genauer vergleichen und beim jeweils günstigsten Anbieter bestellen. Weitere 35 Prozent würden trotz der zusätzlichen Kosten weiterhin bei asiatischen Plattformen einkaufen.

Auch bei der Paketsteuer erwarten die Forscher:innen nur begrenzte Verhaltensänderungen. Elf Prozent der Online-Shopper:innen würden dadurch häufiger stationär einkaufen, während 44 Prozent künftig noch intensiver nach dem günstigsten Online-Angebot suchen würden.

Für Institutsvorstand Christoph Teller zeigen die Ergebnisse vor allem eines: Konsument:innen beurteilen neue Abgaben nicht nur nach ihrer finanziellen Wirkung. Entscheidend sei auch, ob eine Maßnahme als fair und nachvollziehbar wahrgenommen werde. Genau darin liege der wesentliche Unterschied zwischen der EU-Zollgebühr und der nationalen Paketsteuer.
 
 www.jku.at

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