„Die Einführung des Ioniq ist eine echte Zäsur“

Hyundai Österreich-Chef Punzengruber über Elektromobilität und die Revolution im Autohandel.

Mit dem Ioniq hat Hyundai das weltweit erste Fahrzeug auf den Markt gebracht, das mit drei elektrifizierten Antrieben ausgestattet ist. Seit Herbst 2016 ist er in Österreich in der Hybrid-Variante (HEV) und einer reinen Elektroversion (EV)  erhältlich. Heuer wird er zudem auch als Plug-In (PHEV) zu haben sein. leadersnet hat Hyundai Österreich-Managing Director Roland Punzengruber zum Interview getroffen und sich mit ihm über neuen Vertriebsstrategien, die Veränderungen in der Autobranche sowie Fahrprofilanalysen und Ladekarten für Hyundaikunden unterhalten.

leadersnet: Kann man die Einführung des Hyundai Ioniq als Zäsur in der Automobilbranche bezeichnen?

Punzengruber: Ja, der Ioniq und die ganze Welt der Elektromobilität sind für uns als Importeur und für unser Händlernetz eine echte Zäsur in der Bearbeitung des Automobilmarktes. Es ist auch eine absolute Zäsur, was die Vertriebsstrategie betrifft. Durch die Elektromobilität muss die Wertschöpfungskette für den Automobilhandel auf breitere Beine gestellt werden. Diese besteht nicht nur aus dem Verkauf des Fahrzeugs – also Angebot, Finanzierung, Versicherung, und Zubehör – sondern es kommt eine Reihe von neuen, peripheren Dienstleistungsprodukten ins Spiel.

leadersnet: Um welche Produkte handelt es sich dabei?

Punzengruber: Dazu gehört die Ladeinfrastruktur für Kunden – sprich Voltboxen, Ladekabel oder Photovoltaik-Carports mit Batteriespeicher. Parallel dazu ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten im Bereich der zukünftigen Mobilitätsdienstleistungen.

leadersnet: Können Sie konkret benennen, um welche Mobilitätsdienstleistungen es sich dabei handelt?

Punzengruber: Wir werden zusammen mit dem Carsharing-Anbieter Zipcar ein eigenes E-Car-Sharing anbieten. Hierbei handelt es sich um ein extrem flexibles Konzept, das einen offenen und geschlossenen Nutzerkreis bietet. Das ist ein Thema, das auch für Hotels, Tourismusverbände, Gemeinden, Shoppingcenter oder Firmenkunden interessant ist. Sie können diese Art des E-Car-Sharings als Poolcaransatz wählen und schlüssellos verwalten. Hier liegt die Wertschöpfungskette beim Handel, weil der Händler sich um das Fahrzeug integral selbst kümmert. Der ganze Prozess – vom Reinigen des Fahrzeugs bis hin zum Umstecken von Winter- auf Sommerreifen – wird beim Handel abgewickelt.

Hyundai Ioniq © Hyundai

leadersnet: Das bedeutet, dass sowohl Händler als auch Mechaniker neu geschult werden müssen, um diese neuen Aufgaben für den Kunden zufriedenstellend erledigen zu können.

Punzengruber: Genau, das ist ein Riesenthema. Ein wichtiger Teil davon ist die Hochvoltausbildung für den Aftersales-Bereich. Das wird bei uns so gemacht, dass wir die Hochvoltausbildung (OVE Richtlinie R19 – Anm. d. Red.) für alle Techniker im Handelsbetrieb und in der Werkstatt als Zertifizierung vorschreiben. Das heißt, dass zumindest ein Mechaniker aus der Werkstatt auf R19 hin zertifiziert ist. Parallel dazu ist es natürlich so, dass die ganze Verkaufsmannschaft spezielle Kenntnisse benötigt, die über das klassische Produktwissen hinausgehen, wie etwa die Bedienung einer Ladesäule oder die Fahrprofilanalyse.

leadersnet: Was ist die Fahrprofilanalyse?

Punzengruber: Das ist ebenfalls ein Zusatzprodukt, das von Händlerseite an den Kunden vermittelt wird. Wir können dem Kunden dadurch helfen, das richtige Fahrzeug für ihn zu finden. Dafür wird ein Dongel einen Monat an den Zigarettenanzünder des Fahrzeugs gesteckt. In dieser Zeit zeichnet er das Fahrverhalten lückenlos auf und wir können das Fahrprofil des Kunden in all seinen Facetten analysieren. Wir wissen, wie lange seine Wegstrecken waren oder wo er seine Ladeinfrastruktur benötigen würde. Alle Schlüsse, die wir aus diesen Aufzeichnungen ziehen können, werden in Form eines eigenen Reports zusammengeschrieben.

leadersnet: Wie sieht so ein Report im Detail dann aus?

Punzengruber: Dort ist dann beispielsweise nachzulesen, wieviel CO2 durch Elektrobetrieb eingespart werden kann oder wie hoch die TCO (Total Cost of Ownership, Gesamtbetriebskosten) der einzelnen Antriebskonzepte – also Hybrid, Pluginhybrid und Batterieelektromobilität – sind. Dadurch haben wir für den Fuhrparkbetreiber oder den Privatkunden eine konkrete Entscheidungsgrundlage, ob die Batterieelektromobilität schon heute für ihn umsetzbar ist. Das ist ein äußerst innovatives Produkt und macht für Hyundai insofern Sinn, als dass wir die einzige Marke sind, die überhaupt über so eine breite elektrifizierte Palette verfügt. Parallel dazu werden wir dann ebenfalls im Frühjahr mit einer eigenen Hyundai Ladekarte auf den Markt kommen, die jeder Kunde bekommt, der einen Ioniq erwirbt. Diese Ladekarte erlaubt ihm, bei Hydundaivertragspartnern, die auf Elektromobiliät spezialisiert sind zu günstigeren Tarifen zu laden und bargeldlos zu bezahlen. So etwas gibt es in dieser Form am ganzen Markt noch nicht. Das ist ein absoluter USP. Wenn man dann das E- Carsharing auch noch berücksichtigt, dann schließt sich der Kreis für den Automobilhandel. Das zeigt sehr schön, wie die Wertschöpfungskette insgesamt erweitert wird und wie sich auch der Automobilhandel in Richtung Mobilitätsdienstleister entwickelt. Dadurch können wir die Zukunft, die in den nächsten fünf Jahren so richtig beginnen wird, heute schon in ihren Grundzügen abdecken. Das gibt uns wiederum einen Vorsprung auf die Konkurrenz.

leadersnet: Hyundai begeht heuer sein 25-jähriges Jubiläum in Österreich. Ist für das Jubiläum etwas Spezielles geplant?

Punzengruber: 25 Jahre Hyundai in Österreich ist für uns natürlich eine große Sache. Die Marke, die 1992 als kleiner, belächelter Außenseiter begonnen hat, hat sich seitdem zu einer fixen und sehr ernstgenommenen Größe im Top 5-Bereich am österreichischen Markt etabliert. Wir sind mittlerweile seit mehreren Jahren die stärkste asiatische Marke in Österreich und haben den riesengroßen Vorteil, dass sich gerade in den letzten Jahren schon das Produktportfolio extrem in Richtung Volumensprodukt hinentwickelt hat. Design ist ganz klar der Kaufentscheidungsgrund Nummer eins bei unseren Kunden. Für unsere Designs gewinnen wir regelmäßig Preise. Das gehört zu einer unserer absoluten Stärken. Wenn man dann noch den Trend Richtung Elektromobilität dazu nimmt, dann haben wir die allerbesten Voraussetzungen, dass wir auch in den nächsten Jahren massiv wachsen werden. Das ist auch unser erklärtes Ziel und das bedeutet, dass wir jetzt nach diesen 25 Jahren an einem Punkt angelangt sind, wo es darum geht, unsere Position zu konsolidieren, unsere Stärken zu positionieren und unsere Organisation fit für die Zukunft zu machen. Es hat die letzten Jahre keine Marke gegeben, die so schnell und erfolgreich gewachsen ist wie wir. Dementsprechend blicken wir mit großer Zuversicht auf die kommenden Jahre, weil sich extrem viel tun wird, was der Marke noch einmal zu einem deutlichen Schub verhelfen wird.

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