Die Reform der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bekommt mit dem Voranschlag für 2027 einen finanziellen Rahmen. Der am 4. November dem Finanzausschuss vorgelegte Entwurf sieht ein ausgeglichenes Bilanzergebnis vor. Dafür sollen unter anderem Strukturen gestrafft, der Personalstand reduziert und Sachaufwendungen gesenkt werden. Die geplante Entlastung über eine niedrigere Kammerumlage 2 folgt zeitversetzt.
Mit dem Budgetentwurf konkretisiert die WKÖ ihren Sparkurs unter Präsidentin Martha Schultz. "Wir wollen eine moderne, effiziente Wirtschaftskammer, die sich auf ihre Kernaufgaben konzentriert und ihre Mitgliedsbetriebe nachhaltig entlastet", erklärt WKÖ-Vizepräsident und Finanzreferent Wolfgang Hesoun.
Umlagensenkung soll 2028 beginnen
Das gemeinsame Ziel der Wirtschaftskammerorganisation bleibt, die Mitgliedsbetriebe ab 2030 österreichweit um rund 100 Millionen Euro jährlich zu entlasten. Die WKÖ will ihren Beitrag dazu über eine schrittweise Senkung der Kammerumlage 2 in den Jahren 2028 und 2029 leisten.
Der Entlastungsfahrplan ist Teil des bereits angekündigten Reformprogramms. Dazu gehören auch der Abbau von Doppelgleisigkeiten und schlankere Führungsstrukturen. Über die Vorhaben und weitergehende Forderungen anderer Kammerfraktionen hat LEADERSNET bereits berichtet.
Für die Einordnung ist entscheidend, welche Betriebe die Umlage entrichten. Die Kammerumlage 2 wird grundsätzlich auf Basis der Arbeitslöhne berechnet. Ein-Personen-Unternehmen ohne Beschäftigte profitieren daher nicht unmittelbar von ihrer Senkung.
262,3 Millionen Euro aus Kammerumlagen eingeplant
Für die Bundesorganisation sieht der Voranschlag 2027 laut WKÖ Kammerumlagen von insgesamt 262,3 Millionen Euro vor. Davon entfallen 101,4 Millionen Euro auf die Kammerumlage 1 und 160,9 Millionen Euro auf die Kammerumlage 2. Hinzu kommen Waren- und Leistungserlöse von 21,3 Millionen Euro sowie sonstige betriebliche Erträge von 32,9 Millionen Euro. Letztere bestehen vor allem aus Zuschüssen und Förderbeiträgen für kofinanzierte Projekte.
Dem stehen ein Personalaufwand von 157,1 Millionen Euro und ein Sachaufwand von 155,8 Millionen Euro gegenüber. Beim Personal sollen die laufenden Aufwendungen infolge des eingeleiteten Stellenabbaus sinken. Zugleich berücksichtigt der Entwurf Vorsorgen für den Sozialplan und gesetzliche Abfertigungen.
Der Sachaufwand soll nach Angaben der Kammer deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Die WKÖ führt dies sowohl auf Einsparungen aus dem Reformprozess als auch auf den Wegfall eines zusätzlichen Förderpakets bei "go-international" zurück.
Rücklagen für Investitionen und Sanierungen
Beim Betriebserfolg rechnet die WKÖ mit einem Plus von 3,5 Millionen Euro, beim Finanzerfolg mit weiteren 1,7 Millionen Euro. Nach Steuern und einer Rücklagenzuweisung für notwendige Investitionen und Sanierungen am WKÖ-Bürogebäude soll ein ausgeglichenes Bilanzergebnis verbleiben.
Hesoun verbindet die Budgetplanung mit dem längerfristigen Entlastungsziel. "Der Reformprozess ist entscheidend, um die Wirtschaftskammer langfristig finanziell solide aufzustellen und zugleich die Belastung unserer Mitgliedsbetriebe zu reduzieren", sagt der Finanzreferent.
Exportberatung, KI und Berufsbildung bleiben Schwerpunkte
Parallel zu den Einsparungen will die WKÖ ihre internationalen Aktivitäten und Beratungsangebote fortführen. Die Außenwirtschaft Austria soll Unternehmen weiterhin über ihr weltweites Netzwerk, Messebeteiligungen und Wirtschaftsmissionen beim Zugang zu Auslandsmärkten unterstützen. Zu den angekündigten Schwerpunkten für 2027 zählt die Expo in Belgrad (LEADERSNET berichtete).
Im Servicebereich plant die Kammer einen verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz, um Informationen rascher und gezielter bereitzustellen. Im Bildungsbereich nennt sie die EuroSkills in Düsseldorf und die AustrianSkills in Salzburg als zentrale Vorhaben.
Der Voranschlag beschreibt damit, wie die WKÖ ihre Ausgaben im kommenden Jahr ausrichten will. Welche konkrete Beitragsersparnis einzelne Unternehmen erwarten können, bleibt bis zur Festlegung der angekündigten Umlagensenkungen offen.
www.wko.at
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