Im Vorfeld der Fashion Show diskutierten Expert:innen aus Produktion, Design, Nachhaltigkeit und Abfallwirtschaft zu kreislauffähiger Mode. Fazit: Technische Lösungen für Textilrecycling sind bereits vorhanden. Damit sie in größerem Maßstab eingesetzt werden können, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und klare Verantwortlichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Der Handlungsbedarf ist groß: 2025 fielen laut Boston Consulting Group in Europa rund 13,3 Millionen Tonnen Post-Consumer-Textilabfälle an – etwa 25 Kilogramm pro Person1. Gleichzeitig stammt derzeit weniger als ein Prozent des globalen Fasermarktes aus Faser-zu-Faser-Recycling2. Die Lücke zwischen verfügbaren Alttextilien und ihrem Einsatz als Rohstoff für neue Textilien ist damit weiterhin erheblich.
Wo Mode im Mittelpunkt steht, gehört Textilrecycling auf den Laufsteg
Die VIENNA FASHION WEEK.26 bot die ideale Bühne dafür. Gemeinsam mit Designerin Gabriele Rigby (FRÖHLICH) zeigte Saubermacher, wie aus aufbereiteten Recyclingfasern neue Stoffe für den Laufsteg entstehen können. Im begleitenden Talk "Mode endet nicht. Sie beginnt neu." diskutierten Fair-Fashion-Aktivistin Nunu Kaller, Saubermacher-CEO Andreas Opelt, Textilrecycler Tércio Pinto von Refibertech und Gabriele Rigby unter der Moderation von Schauspielerin und Aktivistin Lilian Klebow über die Voraussetzungen für funktionierende textile Kreisläufe. Im Zentrum standen Produktdesign, Sortier- und Recyclingtechnologien sowie notwendige regulatorische Rahmenbedingungen für den Ausbau der Infrastruktur.

V.l.n.r.: Lilian Klebow, Schauspielerin und Aktivistin; Nunu Kaller, THINK kallerful; Tércio Pinto, Refibertech; Hans Roth, Gründer Saubermacher; Gabriele Rigby, Modelabel FRÖHLICH; Andreas Opelt, CEO Saubermacher © Saubermacher/Sabine Klimpt
Klare Spielregeln für mehr Investitionssicherheit
Der Talk machte deutlich: Für die Skalierung von Textilrecycling braucht es verlässliche Spielregeln. Viele dafür notwendige Schritte – recyclinggerechtes Produktdesign, eine erweiterte Herstellerverantwortung, der Ausbau von Sortier- und Recyclingkapazitäten – sind in der EU-Textilstrategie bereits angelegt3. Entscheidend ist nun die Umsetzung: Damit textile Kreisläufe in großem Maßstab funktionieren können, müssen alle Beteiligten ihren Beitrag leisten.
Hersteller:innen sind gefordert, textile Recyclingfähigkeit bereits bei Design, Materialwahl und Produktentwicklung zu berücksichtigen. Handel und Konsument:innen spielen eine wichtige Rolle bei Rückgabe, Sammlung, bewussten Konsumentscheidungen und Reuse. Die Recyclingwirtschaft wiederum muss geeignete Sortier- und Aufbereitungslösungen für jene Textilien bereitstellen, die nicht mehr weiterverwendet werden können. Gleichzeitig braucht es Investitionssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen, damit Unternehmen, die frühzeitig in entsprechende Lösungen investieren, daraus keinen Nachteil haben.
Heute schon an textiles Morgen denken
Saubermacher arbeitet mit Partnern aus Forschung, Handel, Textilproduktion und Recycling daran, Lücken im textilen Kreislauf zu schließen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Materialsortierung: Erst wenn Zusammensetzung und Farbe zuverlässig erkannt sind, lässt sich der passende Recyclingweg bestimmen. Erkenntnisse aus laufenden Projekten fließen in die Planung einer Materialsortieranlage im Großraum Graz ein. Dort sollen nicht mehr nutzbare Textilien künftig automatisiert nach Material und Farbe getrennt und gezielt für unterschiedliche Recyclingwege vorbereitet werden. Ziel ist es, aus einzelnen Projekten belastbare Strukturen für größere Mengen zu entwickeln.
1 Boston Consulting Group, "Advancing textile circularity. Europe’s textile waste surge: The case for system-level scale-up" (2026): www.circulareconomy.europa.eu
2 Textile Exchange, Materials Market Report 2025 (2025): textileexchange.org/knowledge-center/reports/materials-market-report-2025/
3 Die EU-Textilstrategie sieht unter anderem vor, dass bis 2030 alle in der EU auf den Markt gebrachten Textilien langlebig, reparierbar und recycelbar sind sowie zu einem großen Teil aus recycelten Fasern hergestellt werden. Mehr: EU-Textilstrategie.
Stimmen aus dem Talk "Mode endet nicht. Sie beginnt neu.":
Nunu Kaller, Textilexpertin und Fair-Fashion-Aktivistin, THINK kallerful: "Große Fast-Fashion-Unternehmen werben oft mit Recycling-Materialien. Dabei handelt es sich aber meistens um Downcycling aus PET-Flaschen oder Ähnliches. Weniger als ein Prozent der Altkleidung wird tatsächlich recycelt. Die große Herausforderung ist dabei nicht der Recyclingprozess selbst, sondern die Sortierung der Altkleidung nach ihrer Materialzusammensetzung. Genau da setzt Saubermacher an. Die Projekte und Pläne von Saubermacher können in Europa ein echter Gamechanger sein. Schön, wenn ein Pionier im Kampf um eine saubere Modewelt aus Österreich kommt!"
Andreas Opelt, CEO Saubermacher: "Für Textilrecycling gibt es bereits konkrete technische Lösungen. Entscheidend ist jetzt, die Voraussetzungen zu schaffen, damit daraus ein funktionierender Markt entstehen kann. Dafür brauchen Unternehmen eine ambitionierte und die Kreislaufwirtschaft fördernde Regulierung und damit Planungssicherheit, verlässliche Rahmenbedingungen und faire Wettbewerbsbedingungen. Gleichzeitig müssen alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette ihren Beitrag leisten – von Hersteller:innen über Designer bis hin zum Recycling."
Tércio Pinto, Refibertech: "So wie andere Unternehmen ihre Zulieferbetriebe haben, braucht es auch im Bereich des Textilrecyclings einen neuen Player am Markt: Entsorgungsunternehmen, die uns Recyclingbetrieben sortierte und aufbereitete Alttextilien zur Verfügung stellen, die wir dann zu neuen Fasern verarbeiten können. Auf EU-Ebene sind die notwendigen Gesetze bereits vorhanden – nationale Regierungen müssen diese nun rasch umsetzen, sodass neue Bestrebungen im Bereich Textilrecycling aktiv gefördert werden."
Gabriele Rigby, Designerin, Modelabel FRÖHLICH: "Für mich standen in der Designarbeit immer zwei Aspekte im Mittelpunkt: Kleidung soll sich gut anfühlen, bequem und alltagstauglich sein. Gleichzeitig ist es mir wichtig, vorhandene Ressourcen sinnvoll zu nutzen, anstatt laufend neue zu verbrauchen. Recyclingstoffe vereinen genau diese Eigenschaften. Sie sind weich, angenehm zu tragen und lassen sich sehr gut verarbeiten."
Über Saubermacher
Die Saubermacher AG ist ein internationales Entsorgungs- und Recyclingunternehmen mit Sitz in Feldkirchen bei Graz. Das Familienunternehmen wurde 1979 von Hans und Margret Roth gegründet und ist kompetenter Partner für ca. 1.600 Kommunen und rund 42.000 Unternehmen. Der Betrieb beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter:innen in Österreich, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Nordmazedonien. Saubermacher setzt auf smarte Services sowie innovative (Verwertungs-)Technologien und investiert in Forschung und Entwicklung, um neue Ideen in operative Lösungen zu überführen. Das Unternehmen ist Partner von zahlreichen Gemeinden, Städten und Entsorgungsunternehmen und wurde bereits mehrmals für sein Nachhaltigkeitsengagement international ausgezeichnet.
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