30 Millionen Euro Passiva
Bekannter Anlagenbauer legt zweite Großpleite hin

| Tobias Seifried 
| 13.09.2026

Ein verlorener Rechtsstreit bringt einen angesehenen Industriebetrieb mit drei österreichischen Standorten ins Wanken. Den 180 Beschäftigten und 450 Gläubiger:innen droht ein massiver Sanierungsfall.

Hiobsbotschaft für den steirischen Industriesektor: Über das Vermögen der Christof Industries Austria GmbH ordnete das Landesgericht Graz die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung an. Wie der KSV1870 vermeldet, stellt der Schritt unter der Leitung der Geschäftsführer Johann Christof und Wolfgang Körner die zweite gerichtliche Restrukturierung des Grazer Anlagenbauers innerhalb von vier Jahren dar. Von der Großinsolvenz sind rund 180 Dienstnehmer:innen sowie etwa 450 Gläubiger:innen betroffen.

Verlorener Millionen-Prozess in London

Der im Jahr 2015 gegründete Großbetrieb des allgemeinen Maschinen-, Anlagen- und Behälterbaus – mit weiteren Standorten in Wels und Wien – hatte nach Marktverwerfungen und Pandemiefolgen bereits 2022 ein Insolvenzverfahren durchlaufen, das 2023 nach vollständiger Befriedigung der Sanierungsquote erfolgreich abgeschlossen wurde. Trotz positiver operativer Entwicklung blieb der Zugang zu klassischen Bankfinanzierungen seither jedoch verwehrt.

Als entscheidender Auslöser für die erneute Schieflage wird seitens des Unternehmens ein langwieriges Schiedsgerichtsverfahren in London angeführt. Nach Auseinandersetzungen über Nachforderungen aus einem Großprojekt sei der entsprechende Schiedsspruch Ende August 2026 überraschend nur zu einem Bruchteil zugunsten des Anlagenbauers ausgefallen. Dieser Ausfall habe schlussendlich zu einem akuten Liquiditätsengpass geführt, da der Zugang zu klassischen Bankfinanzierungen seit dem vorangegangenen Verfahren erschwert gewesen sein soll.

Massives Schadenspotenzial

Die Passiva beziffert der KSV1870 auf Basis von Liquidationswerten mit rund 30 Millionen Euro. Im Falle einer vollständigen Zerschlagung drohen durch Kosten für nicht fertiggestellte Projekte sowie Regressansprüche weitere 32 Millionen Euro – was ein potenzielles Gesamtschadensausmaß von bis zu 62 Millionen Euro bedeutet. Den Aktiva zu Zerschlagungswerten stehen aktuell lediglich rund sechs Millionen Euro gegenüber.

Fortführung geplant

Trotz der dramatischen Wende strebt die Unternehmensleitung eine Fortführung des Betriebes an. Den Gläubiger:innen wird vorerst ein Sanierungsplan mit der gesetzlichen Mindestquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von 24 Monaten nach Rechtskraft der Bestätigung, angeboten. Die nötigen Mittel sollen aus dem fortlaufenden Projektgeschäft erlöst werden.

"Der Insolvenzverwalter wird nunmehr zu prüfen haben, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger:innen liegt und der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann", so René Jonke, KSV1870 Leiter Region Süd.

Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Stefan Weileder bestellt. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung wurde für den 17. November 2026 anberaumt; die Entscheidung über den Sanierungsplan soll am 1. Dezember 2026 fallen.

www.ksv.at

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