World Humanoid Robot Games
Roboter sprinten schneller als Usain Bolt, scheitern aber am Haushalt

| Larissa Bilovits 
| 27.08.2026

Bei den zweiten "World Humanoid Robot Games" in Peking blieben gleich mehrere Maschinen unter der Bestzeit des Jamaikaners. Bei simplen Alltagsaufgaben stießen die Rekordläufer jedoch an ihre Grenzen.

In der Leichtathletik sind Usain Bolts 9,58 Sekunden über 100 Meter weiterhin das Maß aller Dinge. Humanoide Roboter sind inzwischen schneller, wie die jüngsten Robo-Wettkämpfe in Peking gezeigt haben. Dort sorgten die Maschinen allerdings nicht nur mit ihren Laufzeiten für Aufsehen, denn mehrere von ihnen landeten nach dem Zieleinlauf ungebremst in den Schutzmatten und mussten anschließend auf Tragen abtransportiert werden. Die Veranstaltung lieferte damit nicht nur eindrucksvolle Bilder des technischen Fortschritts, sondern zeigte zugleich auch dessen Grenzen auf. Besonders deutlich wurden diese bei jenen Aufgaben, die Menschen jeden Tag erledigen, ohne dafür je eine Medaille zu bekommen.

Roboter überholte sich mehrfach selbst

Von 22. bis 26. August gingen in der Olympia-Eisschnelllaufhalle in Peking die zweiten World Humanoid Robot Games über die Bühne, mit 2.056 humanoiden Robotern, 666 Teams aus 16 Ländern und 51 Disziplinen. Der Star der Veranstaltung war "Tiangong Ultra" vom staatlich getragenen Beijing Humanoid Robot Innovation Center, das auch als X-Humanoid auftritt. Tiangong Ultra eröffnete die Spiele mit einem 100-Meter-Sprint in nur 9,39 Sekunden, verbesserte sich im Semifinale auf 8,86 und siegte im Finale am Mittwochabend schließlich mit 8,64 Sekunden. Bei der Premiere der Spiele vor zwölf Monaten hatte derselbe Roboter dieselbe Distanz noch in 21,50 Sekunden gewonnen.

Auch "Lightning" vom Smartphone-Hersteller Honor blieb unter Bolts Bestzeit und kam im Eröffnungslauf auf 9,47 Sekunden, in einem Testlauf am selben Tag sogar auf 9,32. Über 400 Meter unterbot Tiangong Ultra mit 38,15 Sekunden den Weltrekord von Wayde van Niekerk (43,03 Sekunden) deutlich, über 1.500 Meter reichten 2:21,64 Minuten für den Titel. Offizielle Weltrekorde sind das freilich keine, weil die Roboter außerhalb des Leichtathletik-Reglements antreten.

Weniger souverän zeigten sich die Maschinen allerdings beim Anhalten nach dem Zieleinlauf. Kontrolliert abzubremsen ist für die Roboter nämlich technisch deutlich anspruchsvoller als zu beschleunigen, weil sie dabei Tempo, Gleichgewicht und Bodenkontakt gleichzeitig regeln müssen. Entsprechend endeten mehrere Läufe direkt in der Polsterung am Bahnende. Aber auch während der Läufe kam es vermehrt zu Stürzen – ein Roboter fing sogar Feuer und musste von Einsatzkräften gelöscht werden.

Am Wäschekorb hörte der Rekordlauf auf

Neben den Leichtathletik-Wettkämpfen waren 21 der 51 Bewerbe heuer erstmals Alltagsszenarien gewidmet, von Notfallrettung und Brandbekämpfung über Gartenarbeit bis zum Gastgewerbe. Die Disziplin "Haushalt" etwa wurde in einer möblierten Musterwohnung eines Smart-Home-Herstellers ausgetragen, inklusive Küche, Waschmaschine und Schlafzimmerschrank.

Die Aufgabenliste der Roboter dürfte dabei für viele nach einem durchschnittlichen Samstagvormittag klingen: ein Paket an der Tür übernehmen, Schmutzwäsche in die Maschine räumen, saubere Wäsche zum Trocknen aufhängen, Kleidung zusammenlegen und einschlichten sowie das Wohnzimmer aufräumen. Zeitlimit: 30 Minuten. Das ZDF durfte als einziges ausländisches Medium mitfilmen und dokumentierte fünf Stunden lang, wie kein einziger Humanoid die Liste zu Ende brachte – selbst Bolt-Bezwinger "Tiangong" nicht. Er räumte ein paar Gegenstände weg und blieb dann wegen Netzwerkproblemen stehen.

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