9,5 Millionen Euro Passiva
Industrieller Traditionsbetrieb schlittert in Millionenpleite

| Tobias Seifried 
| 06.09.2026

Stark gestiegene Personalkosten, teure Energie und verpatzte Diversifizierungsversuche führten den Produzenten von Schlössern, Türbeschlägen und Fensterkomponenten in die Insolvenz.

Für den niederösterreichischen Industriesektor gibt es einen (weiteren) Dämpfer: Die in Hainfeld ansässige Rohrbacher Schlosswarenfabrik Wilh. Grundmann Gesellschaft m.b.H. hat beim Landesgericht St. Pölten die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragt. Wie AKV und KSV1870 berichten, ging dem Schritt ein Eigenantrag des Traditionsunternehmens voraus.

Von der Schieflage des 1976 gegründeten Herstellers von Schlössern, Türbeschlägen und Fensterkomponenten sind 63 Dienstnehmer:innen betroffen.

Kostenexplosion und gescheitertes Zweitstandbein

Als wesentliche Ursachen für die Zahlungsunfähigkeit nennt Alleingesellschafter und Geschäftsführer Friedrich Gruber drastisch gestiegene Lohnkosten im Metallsektor, hohe Energiepreise sowie erhebliche Zinsaufwendungen für Veranlagungen der Vergangenheit. Zusätzlich belagerten ungeplante Mehrkosten infolge von Baumängeln an einer neu errichteten Produktionshalle die Liquidität.

Erschwerend sei hinzugekommen, dass der versuchte Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes – die Produktion und Abfüllung von Spirituosen – nicht die erhofften Erträge einspielte und stattdessen wertvolle Barmittel gebunden habe.

9,5 Millionen Euro Passiva und Fortführung angestrebt

Laut den Kreditschutzverbänden belaufen sich die Gesamtverbindlichkeiten auf rund 9,5 Millionen Euro. Dem stehen Vermögenswerte – bestehend aus betriebsnotwendigen Liegenschaften, dem Maschinenpark, Lagerbeständen und offenen Forderungen – im Buchwert von rund 7,72 Millionen Euro gegenüber, was eine rechnerische Überschuldung von knapp 1,78 Millionen Euro ergibt.

Das Management der Rohrbacher Schlosswarenfabrik strebt die Fortführung und nachhaltige Entschuldung des Traditionsbetriebs an. Den Gläubiger:innen wird ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren ab Annahme, vorgelegt.

Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Volker Leitner bestellt; die Sanierungsplantagsatzung findet am 1. Dezember 2026 statt.

www.ksv.at

www.akv.at

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