Editorial des Herausgebers
Zwischen Fußballfest und FIFA-Realität

| Wolfgang Zechner 
| 10.06.2026

Die Fußball-WM sorgt auch im österreichischen Handel für Vorfreude. Rund 200 Millionen Euro an zusätzlichem Umsatz werden erwartet. Doch während die Fans feiern, wirft die Wahl der Austragungsorte einmal mehr Fragen auf.

Am Donnerstag wurde die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko angepfiffen. Für unzählige Menschen rund um den Globus beginnt damit ein vierwöchiges Sportfest. Und auch der österreichische Handel darf sich freuen. Laut einer aktuellen Erhebung von Reppublika Research im Auftrag des Handelsverbands plant knapp ein Drittel der Bevölkerung zusätzliche Ausgaben rund um das Turnier. Von Snacks und Getränken bis zu Fernsehern und Fanartikeln erwartet die Branche einen Mehrumsatz von rund 200 Millionen Euro.

Das ist erfreulich. Schließlich kann die Wirtschaft in diesen Zeiten jeden positiven Impuls gut gebrauchen.

Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack.

Denn die Gastgeberwahl der FIFA wirkt seit Jahren zunehmend befremdlich. Die Weltmeisterschaft 2018 fand in Russland statt. 2022 folgte Katar. Nun sind die USA Austragungsort eines Großteils des Turniers. Ein Land, das aktuell einen Krieg führt und dessen Präsident regelmäßig mit Drohungen, Eskalationen und außenpolitischen Alleingängen für Schlagzeilen sorgt. Die WM 2034 soll dann in Saudi-Arabien stattfinden.

Man könnte fast meinen, die FIFA habe eine besondere Vorliebe für autoritäre Staaten und politisch umstrittene Gastgeber.

Natürlich soll Sport verbinden. Natürlich soll Fußball Menschen zusammenbringen. Aber irgendwann muss man auch die Frage stellen, wo die Grenze zwischen sportlicher Begeisterung und politischer Naivität verläuft.

Während Unternehmen heute jede Nachhaltigkeitsstrategie, jede Lieferkette und jede ESG-Kennzahl offenlegen müssen, scheint für die FIFA oft ein anderer Maßstab zu gelten. Dort zählen offenbar vor allem Geld, Infrastruktur und Garantien. Alles andere wird gerne zur Nebensache erklärt. Und wenn sich ein Autokrat nach internationalem Glanz sehnt, findet sich bei der FIFA offenbar immer noch eine Bühne. Notfalls inklusive "Friedenspreis".

Der wirtschaftliche Nutzen einer Weltmeisterschaft steht außer Frage. Die eigentliche Frage lautet jedoch: Welchen Preis ist der internationale Fußball bereit, dafür zu bezahlen?

Die Antwort darauf fällt seit Jahren ernüchternd aus.

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