Viele Jugendliche beschäftigen sich intensiv mit Geld, fühlen sich dabei jedoch oft nicht ausreichend vorbereitet. Das geht aus dem aktuellen YEP-Jugendbericht 2026 hervor, der gemeinsam vom Sozialunternehmen YEPworks und dem Financial Life Park (FLiP) erstellt wurde – mehr als 1.800 Jugendliche aus ganz Österreich brachten dafür ihre Erfahrungen, Meinungen und Erwartungen zum Thema Finanzen ein (siehe Infobox). Die Ergebnisse, die die Verantwortlichen vergangene Woche im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierten, zeigen deutliche Unterschiede beim Zugang zu Finanzbildung, hohe Belastungen durch Geldsorgen und einen wachsenden Bedarf an Orientierung in der digitalen Finanzwelt.
Schultyp beeinflusst Finanzwissen und Zukunftsgefühl
Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Blick auf die schulische Finanzbildung. Während 72 Prozent der AHS-Schüler:innen angeben, in der Schule eher nichts oder gar nichts über Geld und Finanzen zu lernen, sagen dies bei den BHS-Schüler:innen lediglich 17 Prozent. Entsprechend unterschiedlich fällt auch die Selbsteinschätzung aus – 59 Prozent der Jugendlichen aus allgemeinbildenden Schulen fühlen sich im Umgang mit Geld unsicher, bei berufsbildenden Schulen sind es 34 Prozent. Aber auch das Gefühl, ausreichend auf die finanzielle Zukunft vorbereitet zu sein, hängt stark vom Schultyp ab: So geben 64 Prozent der AHS-Schüler:innen an, sich nicht ausreichend vorbereitet zu fühlen. Bei den BHS-Schüler:innen liegt dieser Wert bei 38 Prozent.
"Wir sehen hier keine individuellen Wissenslücken, sondern ein strukturelles Problem. Wenn Finanzbildung davon abhängt, welche Schule man besucht oder aus welchem Umfeld man kommt, geht es letztlich um Chancengerechtigkeit", ist Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO der Erste Bank Österreich, überzeugt, und ergänzt im Rahmen der Studienpräsentation: "Finanzbildung ist heute nicht nur für den Einzelnen wichtig, sondern für die gesamte Gesellschaft. Wer versteht, wie Geld funktioniert, kann bessere Entscheidungen treffen und langfristig stabiler und selbstbestimmter leben. Umso wichtiger ist es uns, Finanzwissen breiter zugänglich zu machen und dabei nicht über junge Menschen zu sprechen, sondern gemeinsam mit ihnen Lösungen zu entwickeln."
Geldsorgen begleiten viele Jugendliche im Alltag
Finanzielle Themen sind für viele junge Menschen bereits heute mit Stress verbunden. Laut Studie fühlen sich 45 Prozent der Befragten oft oder zumindest manchmal durch Geldfragen belastet. Lediglich 17 Prozent geben an, dadurch nie gestresst zu sein. Die Sorgen entstehen dabei etwa durch Ausgaben für Essen, Mobilität, Schulaktivitäten, Freizeit oder Online-Shopping.
Besonders groß sind die Unterschiede je nach finanzieller Situation im Elternhaus. Ein Drittel der Jugendlichen aus finanziell weniger abgesicherten Haushalten berichtet, dass regelmäßig Geld für grundlegende Bedürfnisse fehlt. Unter Jugendlichen aus finanziell stabileren Familien trifft dies lediglich auf zehn Prozent zu.
Jugendliche wünschen sich mehr Praxis und Orientierung
Neben klassischen Finanzthemen gewinnt auch die digitale Finanzwelt zunehmend an Bedeutung. Online-Shopping, Ratenzahlungen und digitale Bezahlmethoden prägen den Alltag vieler junger Menschen. Gleichzeitig sehen 71 Prozent der Befragten eine hohe Gefahr, sich durch Online-Bezahldienste zu verschulden. Risiken wie Fake-Shops, Phishing, SMS- und WhatsApp-Betrug, gefälschte Gewinnspiele oder betrügerische Werbung in sozialen Medien gehören für viele bereits zur Lebensrealität. Entsprechend groß ist der Wunsch nach Aufklärung: 70 Prozent der Jugendlichen möchten mehr über Online-Betrug, Scams und digitale Finanzfallen lernen.
Darüber hinaus wünschen sich Jugendliche laut Bericht vor allem praxisnahe Inhalte. Besonders gefragt sind Themen wie Budgetplanung, Fixkosten, Schuldenvermeidung, Steuern, Verträge, Gehalt sowie Geldanlage und Vermögensaufbau. Der regelmäßige Kontakt mit Inhalten zu Aktien, ETFs, Kryptowährungen oder finanzieller Freiheit auf Social Media erhöhe den Bedarf an unabhängiger und realistischer Finanzbildung zusätzlich.
Vier zentrale Handlungsfelder
Aus den Ergebnissen leiten die Studienautor:innen dementsprechend vier zentrale Handlungsfelder ab: Finanzbildung soll verpflichtend in allen Schulen verankert werden, stärker auf praktische Anwendung setzen, offener gesellschaftlich diskutiert werden und die digitale Realität inklusive Betrugs- und Überschuldungsrisiken stärker berücksichtigen.
"Jugendliche treffen heute finanzielle Entscheidungen in einer deutlich komplexeren Welt – oft ohne ausreichende systematische Vorbereitung. Das macht Finanzbildung wichtiger denn je. FLiP setzt wichtige Schritte: Wir vermitteln Grundlagen, zeigen Risiken auf und schaffen Bewusstsein im Umgang mit Geld", erklärt Philip List, Leiter des FLiP, das mit seinen Bildungsangeboten laut eigenen Angaben bereits rund 600.000 Menschen, vor allem Jugendliche, erreicht habe. "Wir sehen jeden Tag, wie groß der Bedarf ist. Und wir sehen auch: Sobald Finanzbildung greifbar wird, steigt das Interesse enorm. Deshalb fließen die Ergebnisse des Jugendberichts auch direkt in die Weiterentwicklung unserer Angebote ein", so List.
"Jugendliche sind die Expert:innen ihrer eigenen Lebensrealität. Die Teilnahme von mehr als 1.800 jungen Menschen zeigt deutlich, wie wichtig es ihnen ist, gut auf ihre finanzielle Zukunft vorbereitet zu sein. Finanzbildung muss deshalb praxisnah, verständlich und für alle zugänglich sein. Denn nur wenn wir offen über Geld sprechen, können wir dazu beitragen, Chancen gerechter zu verteilen und jungen Menschen mehr Sicherheit für ihr Leben mitzugeben", meint auch Rebekka Dober, Gründerin von YEPworks.
"Finanzbildung ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Stabilität. Wenn wir wollen, dass junge Menschen selbstbestimmt leben können, müssen wir ihnen frühzeitig die richtigen Werkzeuge mitgeben", appelliert Holzinger-Burgstaller abschließend.
LEADERSNET war bei der Studienpräsentation und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.
www.sparkasse.at
www.financiallifepark.at
www.yep-works.org
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