"Traivelling" statt "Orient-Express": Austro-Start-up besetzt ungenutzte Nische um internationale Zugreisen

Der 19-jährige Elias Bohun und sein Vater organisieren mit "Traivelling" transatlantische Fernreisen CO2-arm mit dem Zug.

Was viele Fluggesellschaften Kunden kostet, bedeutet für ein junges Wiener Start-up richtigen Aufwind: das neue Umweltbewusstsein um Greta Thunberg und die Fridays For Future-Bewegung hat zum Phänomen des "Flightshaming" geführt. Das Resultat: auch wenn sich mehr Menschen denn je das Reisen per Flugzeug leisten können, entscheiden sich immer mehr (besonders junge) Reisende dagegen – der Umwelt zuliebe.

Weil die junge Generation aber auch so reisefreudig wie nie ist, sind Alternativen gefragt, und dass diese nicht immer so einfach zu finden und zu organisieren sind, macht sich ein junges Start-up aus Niederösterreich nun zu Nutze. Das Stichwort "Flightshaming" war auch für Elias Bohun ein Thema – und brachte ihn schließlich auf eine vielversprechende Geschäftsidee. Gemeinsam mit seinem Vater gründete der 19-jährige das Start-up "Traivelling", mit dem sie auch für Fernreisen ein bislang nicht vorhandenes Zugreise-Angebot schaffen. Nach der Wahl zur "Besten Geschäftsidee 2019" durch die 120-Sekunden-Initiative von meinbezirk.at sowie Berichterstattungen in Der Standard, Heute, dem Brutkasten und zuletzt auch dem Business Insider bekommt das Jungunternehmen noch mehr Aufwind – allein nach der Erstberichtstattung im Standard habe er mehr als 2.000 Anfragen erhalten, erzählt Bohun.

Asien-Express statt Orient-Express

Die zündende Idee zu "Traivelling" kam Bohun mit der Planung seiner Maturareise. Es sollte nach Vietnam gehen, der Flug für ihn und seine Freundin war bereits lange im Voraus gebucht – doch dann stornierte der heute 19-Jährige, der selbst als Klimaaktivist aktiv ist – "Aus Flugscham", erklärt er. Der neue Plan: Er wollte mit dem Zug fahren. Ein nur mit erheblichem Aufwand ermöglichbares Unterfangen, wie sich herausstellte: Bohun musste sich etwa mehrfach Tickets für Anschlusszüge von Personen in Hotels hinterlegen lassen, die er über das Internet kennengelernt hatte – anders wäre es nicht möglich gewesen. Ein Planungsaufwand der drei Monate dauerte und "anspruchsvoller als die gesamte Matura" gewesen sei, erinnert sich Bohun.

Traivelling wurde Ende 2019 schließlich Wirklichkeit und ist nun ein "klimafreundliches Reisebüro, das weltweit Zugreisen individuell buchen kann", wie Elias Bohun zusammenfasst. Damit schließt das Start-up tatsächlich eine bis dato nicht dagewesene Lücke. Aktuell kümmert sich Traivelling ausschließlich um Zugvernbindungen, ob Zusatzservices wie die Buchung von beispielsweise Unterkünften in Zukunft dazukommen sollen, steht vorerst noch in den Sternen, ist aber laut Bohun aktuell auch nicht notwendig, da dies im Gegensatz zur Zugverbindung kein Problem darstellt.

Reges Interesse an Kooperationen – CTO für Traivelling gesucht

Das Interesse an dem Angebot von Traivelling zeigt sich indes – auch durch die nach wie vor hochaktuelle Bewegung von "Fridays For Future" begünstigt – sowohl von Seiten potentieller Kunden als auch möglichen Partnern im In- und Ausland durchaus groß. "Die ÖBB haben bereits insofern reagiert, als sie angeboten haben, uns als Partner in ihr Ticket-Distributionssystem aufzunehmen“, sagt Matthias Bohun erfreut. Auch Institutionen wie das Schauspielhaus Wien und die Kulturhauptstadt Hannover 2025 hätten bereits Interesse an Kooperationen bekundet. Schulen wollten Klassenreisen über Traivelling buchen. 

Nun suchen Elias und Matthias Bohun für Traivelling einen CTO (Chief Technology Officer), der ihr Know-How digitalisiert, um zukünftige unverbindliche Anfragen automatisch beantworten zu können, und einen Investor, der die Programmierung finanziert. Feste Buchungen sollen weiterhin von ihnen persönlich ausgeführt werden. (red)

www.traivelling.com

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