Fotos der Ehrung 2026
Medienlöwinnen rückten Machtstrukturen in der Branche in den Fokus

| Janet Teplik 
| 04.11.2026

Ingrid Thurnher erhielt die Auszeichnung in Gold, Eva Sager wurde für eine Recherche über Machtmissbrauch geehrt. Der Teampreis ging an einen Podcast über Frauen, deren Leistungen in der Geschichtsschreibung wenig Beachtung finden.

Wer führt Medien, wie gehen Redaktionen mit Machtmissbrauch um und welche Lebensgeschichten werden erzählt? Diese Fragen verbanden die Auszeichnungen der Medienlöwinnen 2026, die am 3. November im Wiener Haus der Industrie verliehen wurden. Am Vorabend des Österreichischen Journalistinnenkongresses gingen die Preise an ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher, die Journalistin Eva Sager sowie das Team der Podcast-Reihe "Lost Sheroes – Frauen, die in den Geschichtsbüchern fehlen".

Goldene Medienlöwin würdigte Thurnhers Lebenswerk

Mit der Goldenen Medienlöwin wurden Thurnhers Lebenswerk, ihre Vorbildfunktion und ihre Durchsetzungskraft gewürdigt. In ihrer Begründung hoben die Veranstalter:innen insbesondere ihre Führung des ORF während der jüngsten Krisen hervor. Sie werteten diese als Signal gegen die Duldung übergriffigen Verhaltens gegenüber Frauen.

Thurnhers Laufbahn beim ORF begann 1985. Sie führte unter anderem durch die "ZIB 2" und "Im Zentrum", wurde 2017 Chefredakteurin von ORF III und 2022 Radiodirektorin. Im März 2026 übernahm sie interimistisch die Generaldirektion, am 23. April wurde sie für die Funktionsperiode bis Jahresende regulär bestellt. Zur Ehrung erklärte Thurnher mit einem Augenzwinkern: "Ich freue mich sehr darüber, aber offenbar ist Krisenmanagement die neue Königsdisziplin im Journalismus geworden." Neben ihr waren Ingrid Brodnig und Barbara Haas nominiert. Die Entscheidung fiel laut Veranstalter:innen durch eine Punktevergabe von rund 77 Journalist:innen. 

Sagers Recherche untersuchte Machtmissbrauch im Journalismus

Während die Goldene Medienlöwin das bisherige Gesamtwerk einer Journalistin würdigt, zeichnet die Silberne einen einzelnen Beitrag mit Frauenschwerpunkt aus. Diesen Preis erhielt Eva Sager für ihren in der "Wiener Zeitung" erschienenen Artikel "Wenn ich einen guten Arsch sehe, muss ich draufhauen – Machtmissbrauch in der Medienbranche".

Sager beschäftigte sich darin mit sexueller Belästigung im journalistischen Arbeitsumfeld. Die Jury würdigte die Verbindung persönlicher Erfahrungsberichte mit einer Analyse jener Machtstrukturen, die Übergriffe ermöglichen. Ebenfalls nominiert waren Luise Hermann von der ARD und Nele Sophie Karsten von der "Süddeutschen Zeitung".

"Lost Sheroes" machte übersehene Frauen sichtbar

Der Medienlöwe für eine Redaktion beziehungsweise ein Team ging an "Lost Sheroes", eine Produktion von Radio Bremen für WDR COSMO. Die Podcast-Reihe widmet sich Frauen, deren Leistungen in der historischen Wahrnehmung zu wenig berücksichtigt werden. Die Jury hob insbesondere die zugängliche und zeitgemäße Aufbereitung hervor.

Bei der Entgegennahme der Trophäe sprach Milena Straube allerdings auch die unsichere Zukunft des Formats an. "Leider ist unser Podcast von Einstellung bedroht", erklärte sie. Damit stand neben der Anerkennung für das Erreichte auch die Frage im Raum, unter welchen Bedingungen solche journalistischen Angebote fortgesetzt werden können.

LEADERSNET begleitete die Ehrung. Einen Eindruck können Sie mittels Galerie gewinnen. 

www.journalistinnenkongress.at

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