Ig-Nobelpreis
Spaßnobelpreis für Studien über Kakerlakenmilch und spritzfreie Urinale

| Larissa Bilovits 
| 06.09.2026

Auch heuer durften sich wieder zehn wissenschaftliche Arbeiten, die ebenso kurios wie ernst gemeint sind, über den Ig-Nobelpreis freuen. Abgehalten wurde die Verleihung heuer erstmals nicht in den USA.

Während die Nobelpreise für Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin sowie Literatur traditionell in Stockholm und der Friedensnobelpreis in Oslo verliehen werden, entstand in den USA vor einigen Jahrzehnten ein ganz eigenes Pendant. Die Rede ist vom Ig-Nobelpreis, der jährlich zehn reale wissenschaftliche Studien auszeichnet, die "erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen" sollen. Vergeben wird die satirische Auszeichnung seit 1991 vom US-Wissenschaftsmagazin Annals of Improbable Research. Rund 9.000 bis 10.000 Nominierungen gehen dafür jedes Jahr ein, überreicht werden die Preise traditionell von echten Nobelpreisträger:innen.

Heuer wurden unter anderem Forschungen über den Körpergeruch von Babys und Teenagern, das richtige Naseputzen, das Verhalten von Giftschlangen und spritzfreie Urinale prämiert. Auch der Austragungsort sorgte für eine Premiere.

Die Zeremonie ist nach Europa übersiedelt

Nach 35 Jahren im Raum Boston ging die Gala am vergangenen Donnerstagabend erstmals im Zürcher Kongresshaus über die Bühne. Gründer Marc Abrahams hatte im März erklärt, er könne Preisträger:innen und Journalist:innen eine Reise in die USA nicht mehr guten Gewissens zumuten. 2025 waren vier von zehn Gewinnerteams ferngeblieben, weil sie Probleme bei der Einreise befürchteten.

Der ETH-Rat und die Universität Zürich hatten sich erfolgreich um die Veranstaltung bemüht. Künftig soll sie in jedem geraden Jahr in Zürich stattfinden, dazwischen in einer anderen europäischen Stadt. Kees Moeliker, Leiter des Europabüros von Improbable Research, begründete die Wahl so: "Die Welt steht in Flammen. Es fühlt sich sicher an, die Zeremonie in diesem schönen neutralen Land abzuhalten."

Zwei Preise für die Nase

Der Preis für Geruchswahrnehmung ging an ein Team aus Polen, Deutschland und Schweden, das 235 Eltern zum Körpergeruch ihrer eigenen Kinder befragte. Babys riechen demnach hervorragend, bei Teenagern kippt die Bewertung deutlich. Dahinter vermuten die Forscher:innen einen biologischen Mechanismus. Ein angenehm empfundener Geruch stärkt die Bindung und damit die Bereitschaft zur Fürsorge. Nach der Pubertät ist diese intensive Betreuung nicht mehr im selben Ausmaß nötig.

Ebenfalls prämiert wurde der japanische HNO-Arzt Tokuji Unno, der bereits 1977 die Aerodynamik des Naseputzens untersuchte und empfahl, immer nur ein Nasenloch zuzuhalten und behutsam durch das andere zu schnäuzen. Den Medizinpreis erhielt er nun posthum.

Wer auf Schlangen steigt, lernt etwas über Schlangenbisse

Für den Biologiepreis traten Forscher:innen aus Brasilien und Australien wiederholt und vorsichtig auf verschiedene Körperteile von Giftschlangen, bei unterschiedlichen Temperaturen und zu unterschiedlichen Tageszeiten. Das Ergebnis zeigt, dass die Tiere eher tagsüber und bei Wärme zubeißen, und vor allem dann, wenn man auf den vorderen Teil ihres Körpers tritt. Junge Weibchen reagieren am aggressivsten.

Ohne Nachspiel blieb die Arbeit nicht. Sie erschien 2024 in Scientific Reports und wurde im Februar 2025 zurückgezogen, weil die Ethikkommission des Butantan-Instituts weder die Methode des sanften Auftretens noch den Einsatz neugeborener Schlangen genehmigt hatte. Erstautor João Miguel Alves-Nunes spricht von einem Kommunikationsfehler und nahm den Preis in Zürich persönlich entgegen.

Von der Unterhose bis zum spritzfreien Urinal

In der Kategorie Bodenkunde vergrub ein europäisches Team 1.000 idente Unterhosenpaare in mehr als 25 Ländern und grub sie nach zwei Monaten wieder aus. Je stärker die Baumwolle zersetzt war, desto aktiver das Bodenleben. In biologisch bewirtschafteten Böden blieb erkennbar weniger übrig als auf konventionellen Flächen.

Der Physikpreis ging wiederum an ein internationales Team, das Urinale so umgestaltete, dass der Strahl in einem flacheren Winkel auftrifft und damit kaum noch zurückspritzt. Der Preis für Chemie würdigte die Analyse von Kakerlakenmilch, deren Proteine rund dreimal so viel Energie enthalten wie jene aus Kuhmilch.

Prämiert wurden außerdem Mückenrüssel als Düsen für den 3D-Druck, eine wissenschaftlich brauchbare Definition des Küssens und der Nachweis, dass sich Angehörige höherer sozialer Schichten häufiger unethisch verhalten.

Papierflieger statt Millionen

Reich wird von den Auszeichnungen allerdings niemand. Die Gewinner:innen erhalten eine Banknote über zehn Billionen wertlose Simbabwe-Dollar und heuer zusätzlich eine Trophäe in Form eines Blauschimmelkäses, aus dem Pilze sprießen. Wie jedes Jahr bewarf das Publikum die Ausgezeichneten außerdem mit Papierfliegern. Diese Tradition begleitet die Zeremonie seit ihren Anfängen.

www.improbable.com

Die Gewinner:innen des Ig-Nobelpreises 2026

Biomechanik: Matilda Brindle, Catherine Talbot und Stuart West für eine präzisere Definition des Küssens, die sich auf Ameisen, Vögel, Eisbären und Menschen gleichermaßen anwenden lässt.

Wirtschaft: Paul Piff, Daniel Stancato, Stéphane Côté, Rodolfo Mendoza-Denton und Dacher Keltner für den Nachweis, dass sich Angehörige höherer sozialer Schichten eher aus einem für Kinder bestimmten Süßigkeitenvorrat bedienen und sich auch sonst häufiger unethisch verhalten.

Chemie: Ein Team rund um Sanchari Banerjee und Subramanian Ramaswamy für die Entdeckung, dass die Milchproteine lebendgebärender Kakerlaken rund dreimal so viel Energie enthalten wie jene von Kühen.

Medizin: Der verstorbene Tokuji Unno für seine Studie über die Aerodynamik des Naseputzens.

Biologie: João Miguel Alves-Nunes, Adriano Fellone, Selma Maria Almeida-Santos, Carlos Roberto de Medeiros, Ivan Sazima und Otavio Augusto Vuolo Marques dafür, dass sie wiederholt, bei unterschiedlichen Temperaturen und zu unterschiedlichen Tageszeiten vorsichtig auf verschiedene Körperteile von Giftschlangen traten, um herauszufinden, was einen Biss auslöst.

Physik: Randy Hurd, Zhao Pan, Tadd Truscott und Kaveeshan Thurairajah für theoretische und experimentelle Versuche, ein spritzfreies Urinal zu entwerfen.

Technologie: Ein Team rund um Justin Puma und Changhong Cao für die Verwendung von Mückenrüsseln als hochauflösende Düsen im 3-D-Druck, ein Verfahren namens "Necroprinting".

Geruchswahrnehmung: Ilona Croy, Tomasz Frackowiak, Thomas Hummel und Agnieszka Sorokowska für die Erkenntnis, dass Babys für ihre Eltern wunderbar riechen, Teenager hingegen nicht.

Frieden: Jaimie Arona Krems, Rebecka Hahnel-Peeters, Laureon Merrie, Keelah Williams und Daniel Sznycer für die Dokumentation, dass wir jene Freund:innen schätzen, die sich gegenüber Menschen bösartig verhalten, die wir nicht mögen.

Bodenkunde: Franz Bender, Marcel van der Heijden, Atlant Bieri und Pia Viviani dafür, dass sie 1.000 idente Unterhosenpaare in mehr als 25 Ländern vergruben und nach zwei Monaten wieder ausgruben.

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Die Gewinner:innen des Ig-Nobelpreises 2026

Biomechanik: Matilda Brindle, Catherine Talbot und Stuart West für eine präzisere Definition des Küssens, die sich auf Ameisen, Vögel, Eisbären und Menschen gleichermaßen anwenden lässt.

Wirtschaft: Paul Piff, Daniel Stancato, Stéphane Côté, Rodolfo Mendoza-Denton und Dacher Keltner für den Nachweis, dass sich Angehörige höherer sozialer Schichten eher aus einem für Kinder bestimmten Süßigkeitenvorrat bedienen und sich auch sonst häufiger unethisch verhalten.

Chemie: Ein Team rund um Sanchari Banerjee und Subramanian Ramaswamy für die Entdeckung, dass die Milchproteine lebendgebärender Kakerlaken rund dreimal so viel Energie enthalten wie jene von Kühen.

Medizin: Der verstorbene Tokuji Unno für seine Studie über die Aerodynamik des Naseputzens.

Biologie: João Miguel Alves-Nunes, Adriano Fellone, Selma Maria Almeida-Santos, Carlos Roberto de Medeiros, Ivan Sazima und Otavio Augusto Vuolo Marques dafür, dass sie wiederholt, bei unterschiedlichen Temperaturen und zu unterschiedlichen Tageszeiten vorsichtig auf verschiedene Körperteile von Giftschlangen traten, um herauszufinden, was einen Biss auslöst.

Physik: Randy Hurd, Zhao Pan, Tadd Truscott und Kaveeshan Thurairajah für theoretische und experimentelle Versuche, ein spritzfreies Urinal zu entwerfen.

Technologie: Ein Team rund um Justin Puma und Changhong Cao für die Verwendung von Mückenrüsseln als hochauflösende Düsen im 3-D-Druck, ein Verfahren namens "Necroprinting".

Geruchswahrnehmung: Ilona Croy, Tomasz Frackowiak, Thomas Hummel und Agnieszka Sorokowska für die Erkenntnis, dass Babys für ihre Eltern wunderbar riechen, Teenager hingegen nicht.

Frieden: Jaimie Arona Krems, Rebecka Hahnel-Peeters, Laureon Merrie, Keelah Williams und Daniel Sznycer für die Dokumentation, dass wir jene Freund:innen schätzen, die sich gegenüber Menschen bösartig verhalten, die wir nicht mögen.

Bodenkunde: Franz Bender, Marcel van der Heijden, Atlant Bieri und Pia Viviani dafür, dass sie 1.000 idente Unterhosenpaare in mehr als 25 Ländern vergruben und nach zwei Monaten wieder ausgruben.

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