Fotos von der PK - ARGE Eigenheim
Klimaziele stellen gemeinnützigen Wohnbau vor Herausforderungen

Um die Vorgaben bis 2040 zu erreichen, müsse das Tempo deutlich steigen. Bei einer Pressekonferenz forderten Branchen- und Klimaexpert:innen dafür bessere finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen.

Die thermische Sanierung und der Abschied von fossilen Heizsystemen haben im gemeinnützigen Wohnbau 2025 an Tempo gewonnen. Rund 7.900 Wohnungen wurden thermisch saniert – um 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei weiteren 6.900 Wohnungen erfolgte die Umstellung auf klimafreundliche Heizsysteme.

Der Handlungsbedarf bleibt dennoch groß. Bei einer Pressekonferenz präsentierten Isabella Stickler, Obfrau der ARGE Eigenheim, Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000, und Wolfgang Amann, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen, ihre Forderungen zur Sanierung und Dekarbonisierung des Gebäudebestands. Im Mittelpunkt standen Finanzierung, Förderungen, Wohnrecht und Leistbarkeit.

348.000 Wohnungen noch fossil beheizt

Rund 34 Prozent des gemeinnützigen Wohnungsbestands beziehungsweise 348.000 Wohnungen werden noch fossil beheizt. Um diesen Bestand bis 2040 auf klimafreundliche Systeme umzustellen, wären jährlich rund 20.000 Heizungswechsel nötig, davon etwa 13.000 in Mietwohnungen.

Auch bei thermischen Sanierungen müsste das Tempo steigen. Im Mietwohnungsbestand der gemeinnützigen Bauvereinigungen wären bis 2040 jährlich rund 9.000 Sanierungen erforderlich. Dafür müsste die aktuelle Leistung auf das 1,5-Fache, bei Heizungsumstellungen auf das 2,5-Fache steigen.

"Die gemeinnützigen Bauvereinigungen sanieren und dekarbonisieren bereits auf hohem Niveau", sagte Stickler. Mit den derzeitigen Rahmenbedingungen lasse sich die notwendige Transformation bis 2040 jedoch nicht bewältigen.

Wenig Spielraum für größere Sanierungen

Eine zentrale Herausforderung ist die Finanzierung. Rund 60 Prozent der Instandhaltungs- und Sanierungsausgaben fließen bereits in die laufende Instandhaltung. Dadurch bleibe weniger Spielraum für größere Reparaturen, thermische Sanierungen und Dekarbonisierungsmaßnahmen.

Der EVB-Vorlagenstand des gemeinnützigen Sektors beläuft sich auf rund 2,2 Milliarden Euro. Steigende Bau- und Sanierungskosten, fehlende langfristige Förderperspektiven und schwierige wohnrechtliche Rahmenbedingungen könnten die Finanzierungslücke weiter vergrößern.

Der Förderstopp bei der Sanierungsoffensive 2026 zu Jahresbeginn habe laut den Beteiligten gezeigt, wie wichtig planbare Förderungen seien. Auch komplizierte Verfahren könnten Projekte verzögern und verteuern.

"Zeit ist bei der Sanierung mehr als ein Kostenfaktor", betonte Stickler. Förderstopps, fehlende wohnrechtliche Regelungen und Verzögerungen würden die Finanzierungslücke vergrößern. Nötig seien stabile Förderungen, ein zukunftsfähiger Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrag sowie klare rechtliche Vorgaben.

Änderungen im Wohnrecht gefordert

Nach rund 20 Runden der Wohnrechtsverhandlungen hält Stickler die bisher diskutierten Regelungen für unzureichend. Eine Beschränkung auf Klimaeinzelgeräte greife zu kurz. Es brauche Vorgaben, die Sanierungen ermöglichen und zugleich für die Bewohner:innen praktikabel seien.

Vorgeschlagen wird, die Duldungspflichten gemäß § 8 Mietrechtsgesetz auf die Zentralisierung und Dekarbonisierung von Heizung, Kühlung und Kochgas auszuweiten. Bestehende Wärmeverteilsysteme sollen nach Möglichkeit weitergenutzt werden, um Eingriffe in Wohnungen gering zu halten.

Zugleich sollen Mieter:innen Klimaanpassungsmaßnahmen durchsetzen können. Beim Heizungstausch müsse die Wärmeversorgung gesichert und eine zeitgemäße Anlage bereitgestellt werden. Weitere Vorschläge betreffen Renovierungspässe, liegenschaftsbezogene Verfahren zur Klärung der Duldungspflichten und sozial verträgliche Wärmekosten nach Sanierungen.

Gebäudesektor als wichtiger Hebel

Global 2000 verwies auf die zentrale Rolle des Gebäudesektors für den Klimaschutz. Fast ein Drittel des österreichischen Energieverbrauchs entfällt auf Gebäude. Rund 80 Prozent des Bestands wurden vor dem Jahr 2000 und damit vor wirksamen Energieeffizienzstandards errichtet. Die EU-Gebäuderichtlinie sieht vor, diese Gebäude auf Nullemissionsstandard zu bringen.

In Wohngebäuden müssen zudem noch rund 443.000 Öl- und 843.000 Gasheizungen ersetzt werden. Damit soll auch die Abhängigkeit von fossilen Energiemärkten sinken.

Wahlmüller fordert neben dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 verbindliche sektorale Vorgaben sowie ein umfassendes Paket für Sanierungen und Heizungsmodernisierungen. Dafür brauche es ein modernes Wohnrecht, stabile Förderbedingungen und rechtliche Möglichkeiten für die breite Umstellung von Gasheizungen. "Wir appellieren an die Bundesregierung jetzt Nägel mit Köpfen zu machen!", so Wahlmüller.

EVB soll mehr Mittel bringen

Handlungsbedarf sehen die Beteiligten auch beim Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrag (EVB). Viele Rücklagen seien durch ausgeweitete Erhaltungspflichten und zusätzliche Belastungen stark ausgeschöpft. Rund die Hälfte der Gebäude gemeinnütziger Bauvereinigungen weist demnach einen negativen EVB auf.

Vorgeschlagen wird, den Beitrag auch nach dem 30. Jahr eines Gebäudes schrittweise anzuheben. Dadurch sollen vor allem für ältere Gebäude zusätzliche Sanierungsmittel zur Verfügung stehen. Überschüsse sollen weiterhin dem jeweiligen Gebäude zugeordnet und den Bewohner:innen zurückerstattet werden.

"Ohne ausreichende Finanzierung können wir die Sanierung und Dekarbonisierung älterer Wohngebäude nicht bewältigen", erklärte Amann. Eine maßvolle Weiterentwicklung des EVB schaffe die notwendige finanzielle Grundlage.

Wohnkosten unter EU-Durchschnitt

Auch die Leistbarkeit des Wohnens war Thema. Als Maßstab dient der von Eurostat im Rahmen von EU-SILC erhobene Anteil der Ausgaben für Wohnen und Haushaltsenergie. In Österreich liegt die Wohnkostenbelastung demnach bei 17 Prozent und damit unter dem EU-Durchschnitt von 19 Prozent.

Für Deutschland und die Schweiz nannte Amann Werte zwischen 24 und 26 Prozent. Zudem sei die Belastung seit 2023 deutlich gesunken und liege auf einem Niveau wie zuletzt vor 20 Jahren.

LEADERSNET war bei der Pressekonferenz. Einen Eindruck können Sie sich hier machen.

www.argeeigenheim.at

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