Betriebe schlagen Alarm
Hitzesommer wird für Wiens Tourismus zum Kostentreiber

Umsatzrückgänge in der Gastronomie, teure Klimanachrüstungen in Hotels, verlagerte Städtereisen und geänderte Öffnungszeiten belasten die Branche. Die WKW drängt auf Förderungen und eine neue Eventstrategie.

Der Klimawandel wird für Wiens Tourismus zunehmend auch zur wirtschaftlichen Belastungsprobe. Im Hitzesommer 2026 mussten Gastronomie, Hotellerie, Reisebüros und Freizeitbetriebe verstärkt in Kühltechnik investieren und in weiterer Folge auch höhere Energiekosten stemmen. Zugleich blieben ausgerechnet in traditionell starken Wochen die erwarteten Umsätze aus. Wie groß die wirtschaftliche Dimension ist, zeigte zuletzt bereits eine Modellrechnung von IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß: Bei deutlich steigenden Temperaturen könnten sich die Verluste für Österreich innerhalb von drei Jahren auf rund sechs Milliarden Euro summieren (LEADERSNET berichtete). Welche Folgen die Hitze konkret für die einzelnen Tourismussparten hat, zeigt nun eine Bilanz der Wirtschaftskammer Wien (WKW) – mit ernüchternden Ergebnissen.

In der Gastronomie beginnt der Abend später

In den heimischen Lokalen habe sich der Tagesablauf verschoben, berichtet Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien: "Für uns bedeuten die hohen Temperaturen zwei Dinge: Die Betriebszeiten verlagern sich nach hinten, wenn es am Abend dann kühler wird. Und die Umsätze gehen zurück, einfach weil sich die Laune auszugehen mit steigenden Temperaturen abkühlt." Manche Betriebe zogen daraus die Konsequenz und sperrten im Hochsommer überhaupt zu, andere nutzten die schwachen Wochen, um Urlaubsstände ihrer Mitarbeiter:innen abzubauen.

In Hinblick auf die kommenden Jahre zieht Peschta einen klaren Schluss: "Wir haben heuer gelernt, dass der Umsatzmotor Schanigarten nicht nur bei zu niedrigen Temperaturen stottert, sondern auch bei zu hohen. Und dass es künftig noch wichtiger sein wird, die Gasträume gut zu klimatisieren, auch wenn das natürlich die laufenden Energiekosten steigert."

Hotels stehen vor Millioneninvestitionen

Noch deutlicher fällt die Rechnung in der Hotellerie aus, wo das Vorhandensein einer Klimaanlage längst über die Buchbarkeit eines Zimmers entscheidet. "Nicht-klimatisierte Zimmer kann man in einem Sommer wie heuer nicht verkaufen. Das hat sich bewiesen", so Felix Neutatz, Obmann der Wiener Hotellerie. Der Nachrüstbedarf ist aus seiner Sicht enorm: "Viele Klimaanlagen sind für die Temperaturen des vergangenen Sommers einfach unterdimensioniert. Man bekommt damit die Zimmer nicht unter 25 Grad, wenn es draußen 35 und mehr hat. Da müssen die Wiener Hotels kräftig nachbessern." Mehrere hunderttausend Euro seien dafür zu veranschlagen, in großen Häusern lägen neue Kühlanlagen deutlich über der Millionengrenze.

Dazu kommt ein Effekt, der die Energierechnung dauerhaft nach oben treibt. "Vor allem müssen wir unsere Zimmer ja schon vorab kühlen, auch wenn sie noch nicht verkauft sind. Denn ein ungekühltes Zimmer auf angenehme Temperatur zu bringen, geht nicht so schnell, da checkt ein Gast gleich wieder aus, wenn es 30 Grad im Raum hat. Deshalb müssen wir die Zimmer immer kühl halten, was natürlich die Kosten erhöht", so Neutatz.

Reisebranche sieht den Norden vorne

Dass Wien von den steigenden Temperaturen als Reiseziel profitiert, hält Gregor Kadanka, Obmann der Wiener Reisebüros, für unwahrscheinlich. "Ab 30 Grad werden Städtereisen mühsam, das wissen die Gäste. Das heißt, sie verlegen ihre Trips entweder zeitlich, also in das Frühjahr oder den Herbst, oder örtlich und weichen in kühlere Städte etwa weiter im Norden aus", meint er und nennt Stockholm, Kopenhagen und Helsinki als mögliche Profiteure.

Ein simples Verschieben der Gästeströme in die Randmonate löst das Problem allerdings nicht, weil die Kapazitäten dort bereits weitgehend ausgelastet sind. "Der September und Oktober etwa sind die beliebtesten Monate für Kongresse und Seminare, da sind die Hotels in Wien schon bisher gut gefüllt. Im Gegensatz zum Sommer, wo ein großer Teil der Geschäftsreisenden wegfällt. Eine Verschiebung weiterer Städtetouristen vom Sommer in den Frühling oder Herbst ist also problematisch. Weil der tendenziell schwächere Sommer geschwächt und in der starken Saison davor und danach die Kapazitäten ausgeschöpft würden", erläutert Kadanka.

Freizeitbetriebe zwischen Zulauf und Leerlauf

Bei den Freizeitbetrieben verlief der Sommer zweigeteilt. "Dort wo es gekühlt ist oder man sich erfrischen kann, waren die Attraktionen gut besucht: Von Museen über die Freibäder bis hin zu Sehenswürdigkeiten unter der Erde wie der Kapuzinergruft und den Katakomben unter dem Stephansdom", berichtet Gertraud Schmidt, Obfrau der Freizeitbetriebe in der Wirtschaftskammer Wien.

Für einen Teil der Branche zieht die Klimaveränderung auch veränderte Arbeitszeiten nach sich, weil sich das Programm in die Morgen- und Abendstunden verlagert. "Die Fremdenführer:innen etwa werden ihre Führungen früher oder später am Tag anbieten, um die kühleren Stunden zu nutzen. Das machen auch schon die ersten Museen, so hat etwa das Belvedere im Sommer länger offen", sagt Schmidt.

Ruf nach Förderungen und einem Eventboard

Aus den Erfahrungen des heurigen Hitzesommers leitet Dominic Schmid, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, die Forderung nach einer raschen Strategie für den Wiener Tourismus ab. Zwei Hebel stehen für ihn im Vordergrund: finanzielle Entlastung bei der technischen Aufrüstung und schnellere Verfahren. "Zum einen müssen die Betriebe bei der Transformation unterstützt werden, durch Investitionsförderungen und Freibeträge. Dazu braucht es Erleichterungen bei Genehmigungen, etwa für Klimageräte und Photovoltaikanlagen, um den nötigen Strom zu erzeugen."

Parallel dazu will Schmid das Angebot der Stadt verbreitern, um Gäste unabhängiger vom Wetter zu machen. Wien solle sich stärker als Eventstadt positionieren, hier ortet er noch Aufholpotenzial. Konkret bringt er erneut ein eigenes Eventboard ins Spiel, das große Acts nach Wien holen soll: "Das Vienna Convention Bureau hat uns als Kongress-Stadt an die Weltspitze gebracht. Das können wir auch im Eventbereich schaffen."

www.wko.at/wien

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