Für die Julius Stiglechner GmbH endete im Dezember 2025 eine mehr als hundertjährige Firmengeschichte in der Zahlungsunfähigkeit. Das Linzer Familienunternehmen, das zuletzt rund 140 Tankstellen der Eigenmarke IQ sowie der Marken Shell, Eni und bp betrieben und 640 Menschen beschäftigt hatte, musste nach zwei verlustreichen Jahren letztlich ein Insolvenzverfahren beantragen (LEADERSNET berichtete). Seither wird das Stationsnetz stückweise verwertet – insgesamt stehen 61 verbliebene Standorte zum Verkauf. Nun steht fest, wer sich den größten Brocken davon sichert: Die Jet Tankstellen Austria GmbH darf 18 Pkw-Tankstellen übernehmen. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) genehmigte die Transaktion am Montag ohne Auflagen, wettbewerbliche Bedenken ergab die Prüfung keine.
Wettbewerbshüter geben grünes Licht
Die BWB prüfte die Transaktion laut eigenen Angaben sowohl im direkten Umfeld der einzelnen Tankstellen als auch auf dem österreichischen Gesamtmarkt. Dazu holte sie Stellungnahmen mehrerer Mitbewerber ein. Auf beiden Ebenen blieben die gemeinsamen Marktanteile von Jet und den übernommenen Standorten unter den Schwellenwerten, ab denen eine marktbeherrschende Stellung angenommen werden könnte.
Auch die geografische Verteilung sprach aus Sicht der Behörde gegen wettbewerbliche Bedenken: Die Tankstellen befinden sich großteils in Regionen, in denen Jet bislang nicht vertreten ist, weshalb sich die Einzugsgebiete kaum überschneiden. Zudem attestierte die BWB dem Käufer eine "vergleichsweise aggressive Preispolitik". Daher stellten weder die Behörde noch der Bundeskartellanwalt einen Prüfungsantrag beim Kartellgericht. Wie viel Jet für das Paket bezahlt, wurde nicht bekannt gegeben.
Jet übernimmt Standorte in fünf Bundesländern
Die 18 übernommenen Tankstellen verteilen sich auf Oberösterreich, Salzburg, Niederösterreich, Tirol und Kärnten. Konkret wechseln in Oberösterreich die bp-Standorte in Freistadt, Lochen, Mauthausen, Obernberg am Inn, Perg, Rohrbach, St. Pankraz und Weng den Besitzer. In Salzburg übernimmt Jet die bp-Tankstellen in Großgmain, Oberndorf bei Salzburg, Radstadt und Salzburg-Liefering sowie den bislang unter der Marke Shell geführten Standort in Abersee. In Niederösterreich umfasst das Paket die bp-Tankstellen in Pöchlarn und Schrick sowie einen Eni-Standort in Achau. Hinzu kommen die Shell-Tankstelle in St. Johann in Tirol und der bp-Standort in Spittal an der Drau.
Die Übernahme der Stiglechner-Standorte erfolgt nur rund ein Jahr nach einem Eigentümerwechsel bei Jet. 2025 verkaufte der US-Ölkonzern Phillips 66 das österreichische Tankstellennetz an einen Zusammenschluss mehrerer Finanzinvestoren (LEADERSNET berichtete). Der Marktauftritt blieb davon unberührt: Die Stationen werden weiterhin unter der Marke Jet geführt.
Verwertung soll rund 80 Millionen Euro einbringen
Zur Schieflage von Stiglechner hatte eine ganze Reihe von Belastungen geführt. In den Coronajahren brachen zunächst die Absatzmengen massiv ein. Anschließend ließen die hohe Inflation und gestiegene Ausgaben die Kosten deutlich anziehen, während ein Ölpreisverfall das Ergebnis zusätzlich belastete. Gemeinsam mit hohen Investitionen schlug sich das direkt in der Bilanz nieder: 2023 stand ein Verlust von 20,7 Millionen Euro zu Buche, 2024 waren es weitere 9,3 Millionen Euro.
Bereits 2024 leitete das Unternehmen deshalb ein mit den Banken abgestimmtes Restrukturierungsverfahren ein und holte Sanierer Martin Roy neben Elsa Dutzler-Stiglechner in die Geschäftsführung. Nachdem die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor und den Banken gescheitert waren, blieb nur noch der Gang zum Landesgericht Linz. Betroffen waren sowohl die Julius Stiglechner GmbH als auch die Stiglechner Tankstellen GmbH.
Die Verwertung des Tankstellennetzes soll nun insgesamt rund 80 Millionen Euro einbringen. Etwa zwei Drittel des erwarteten Erlöses dürften an die Pfandgläubiger:innen fließen. Der verbleibende Betrag kommt auf das Massekonto. Die offenen Verbindlichkeiten lassen sich damit allerdings bei Weitem nicht abdecken: Allein bei den beiden Hauptgesellschaften stehen angemeldete Forderungen von insgesamt 136 Millionen Euro im Raum.
Im Zuge der Pleite gerieten übrigens auch mehrere Geschäftspartner in Bedrängnis: zunächst die Tanklaster-Firma, die ausschließlich Stiglechner-Standorte belieferte (LEADERSNET berichtete), im Juli 2026 dann ein interner Dienstleister, der den Fuhrpark stellte, Leasing-, Versorgungs- und Reinigungsverträge abwickelte und als gruppeninterne Verrechnungsstelle für Abgaben wie Wasser, Kanal und Müll fungierte (LEADERSNET berichtete).
www.stiglechner.com
www.jet-austria.at
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